Wahre Ikonen passen sich dem Zeitgeist an, behalten aber ihren Zauber. So geht es Riva mit der 54Metri, die eine moderne Superyacht ist und dennoch unverkennbar ein Familiengewächs vom Zeichentisch des Officina Italiana Design. BOOTE EXCLUSIV durfte die Signora besuchen, allerdings anders als geplant.
Kitschiger könnte die Kulisse kaum sein. Vor der Steilküste Amalfis schaukelt „Sairu“ sanft auf den Wellen des knallblauen Mittelmeers. Die Balkone sind aufgeklappt, das Poolwasser spiegelt sich in der Sonne. In Reichweite ankern weitere Riva-Klassiker. Am Vorabend gab es am Hotelstrand des Borgo Santandrea ein Fest zu Ehren des 54,84 Meter langen Flaggschiffs, viele Eigner und VIPs fanden sich ein. Nun stehen die Journalisten bereit, um in die Tender für die kurze Überfahrt zu steigen. Doch dann kommt das Aus für den lange geplanten Besuch. Die Eignerin hatte in der Nacht überstürzt ihre Hotelsuite verlassen und liegt krank an Bord. Verständlich, dass sie lieber ihre Ruhe statt Gäste um sich herum haben möchte.
Schnell weicht die Enttäuschung aus den Gesichtern, in Minuten organisiert das Team der Ferretti-Gruppe eine nagelneue Riva 76 Perseo Super, schiebt die Gäste ins Cockpit und bringt sie zumindest von außen nah an den Star heran. Bei dessen Anblick erinnert man sich, was der neue CEO Stassi Anastassov sagte, als er das Werk von Mauro Micheli und Sergio Beretta, Chefdesigner und CEO von Officina Italia Design, als Meisterstück bezeichnete und auf den Vater der Marke verwies: „Carlo wäre stolz auf uns.“ Die 54Metri gehört einem Riva-Fan und -Eigner, war aber nicht dessen Idee.
Den Anstoß gab kein Kunde, der eine größere Yacht und dabei einer Markenfamilie treu bleiben wollte, statt bei anderen Adressen der Ferretti-Gruppe wie CRN oder Custom Line anzuklopfen. Vielmehr entsprang das Konzept für eine Superyacht aus den eigenen Reihen, die 54 sollte die Flotte nach oben erweitern – mit Plan und Fertigung auf Spekulation. „Als wir dem Eigner das Projekt vorstellten, befand es sich im Bau. Er hat sich sofort verliebt“, sagt der Verkaufsleiter der Custom-Sparte, Vittorio Blengini. Bewusst legte man die 54 als Semi-Custom an, „um jedes Jahr eine Auslieferung zu gewährleisten“.
Als wir einem unserer Riva-Eigner dieses Projekt vorstellten, befand es sich noch im Bau. Er hat sich sofort in die Linien verliebt.“
Damit ist das Prozedere klar: Riva bestimmt das Exterieur und das Interieur. Das Profil, das die familiäre Übereinstimmung mit der Modellreihe sichert, wird zu 100 Prozent gesteuert. „Unsere Aufgabe ist es, Rivas zu liefern, die auch wirklich Rivas sind“, betont Blengini. Die Details lassen sich natürlich anpassen, versichert er. „Für das Interieur beraten wir den Kunden gemeinsam mit unseren Profis“, ergänzt Alessio Schirru, Verkaufsleiter Riva Yachts, „aber wir würden auch mit seinem eigenen Designer zusammenarbeiten.“
Der Anlass, eine über 50 Meter lange Riva neu zu entwickeln, war auch ein technischer, das Nachrüsten mit einem SCR-System ließ sich auf der alten 50-Meter-Plattform nicht bewerkstelligen. „Um in den streng reglementierten ECA1-Gebieten fahren zu dürfen, muss jedes Schiff heute solch ein Abgasreinigungssystem an Bord haben“, erklärt Schirru. „Daher wollten wir ein neues Produkt anbieten, sportlicher, schlanker und mit mehr Leistung.“
„Sairu“ erreicht mit ihren MTU-Paketen gut 18 Knoten Spitze und legt mit 10 Knoten Fahrt 3.800 Seemeilen zurück, bietet also transatlantische Reichweite. Zusätzlich ging es den Designern und der Werft um einen geringen Tiefgang, der für den US-Markt und dessen Vorliebe für die Bahamas wichtig ist – in diesem Fall 2,20 Meter. Diesen erzielten die Ingenieure auch dank eines kompakten Stabilisierungssystems mit vier elektrischen Flossen statt der üblichen zwei. Was die Linien angeht, setzt das Modell die Riva-Sportfly-Reihe fort, etwa die 100’ Corsaro, die 110’ Dolcevita, die 130’ Bellissima sowie die 82’ Diva. Im Gegensatz zur 50Metri aus Stahl und Alu, die als klassische Navetta auftrat und zwischen 2018 und 2023 dreimal ausgeliefert wurde, ist die 54Metri die erste Riva, die komplett aus Alu geschweißt wird.
Die 54Metri ist von außen ihrer Herkunft treu geblieben und tritt selbstbewusst auf. „Die facettierte und metallische Oberfläche des Rumpfes lassen die Yacht wie eine Skulptur wirken. Sie sieht aus wie ein Kunstwerk“, sagen Mauro Micheli und Sergio Beretta. Die äußere Farbgestaltung in „Moon Grey“, „London Grey“ und Schwarz war auch ihre Idee: „Farbe ist ein integraler Bestandteil des Designs und nicht etwas, das nachträglich hinzugefügt wird.“ Zwar seien alternative Töne denkbar, doch müssten sie „die kompositorische Logik der Yacht, ihre Proportionen und ihre Größe berücksichtigen“. Zusammen mit dem schwarzen Deckshaus und der nach hinten gewölbten Windschutzscheibe verstärkt die Metallic-Lackierung das dreidimensionale Erscheinungsbild. Dieses und auch die vom Schanzkleid deutlich abfallende Fensterlinie sind mittlerweile ein ikonisches Zeichen aller Rivas.
Das Modell Diva führte eine Besonderheit in die Familie ein: ein Heck, das sich über zwei große Klappen öffnet. Die 54Metri treibt das Prinzip weiter auf die Spitze, denn im Cockpit kommen zwei weitere Klappbalkone hinzu und weiten auch diesen Wohnraum. „Der einzige Beachclub mit vier Balkonen“, betonen die Studio-Chefs.
In diesem Strandclub wechseln die Gäste zwischen Sonnenbad und Schatten, zwischen Schwimmen im Meer und Entspannen im Pool.“
Die 54 erstreckt sich über vier Decks, wobei die unteren drei durch einen Aufzug verbunden sind. Ein klassisches Layout verteilt zehn Gäste auf vier Kabinen plus Master auf dem vorderen Hauptdeck, die dank großer Rumpffenster auch ohne Klimaanlage gut durchlüftet. Den besten Eindruck bekommen die Besucher, wenn sie die Yacht über die 5 Quadratmeter große Plattform betreten. Eine Art Laufsteg führt zum 42,5 Quadratmeter großen Beachclub, den die mobilen Schanzkleider um weitere 20 Quadratmeter vergrößern.
Der 4 mal 2 Meter große Pool in der Mitte ist mit weißen Keramikfliesen ausgelegt. Das beheizbare Schwimmbecken kann während der Fahrt meist voll bleiben, das Entleeren und Auffüllen zumindest für kurze Strecken entfällt. Sechs Stufen führen hinauf zum Cockpit, das sich über 45 Quadratmeter plus zwei je 6,6 Quadratmeter große Balkone zieht. Gäste dürfen diese über dem Wasser schwebenden Terrassen auch nutzen, wenn die Riva 54Metri unterwegs zur nächsten Ankerbucht ist.
Wie bei einer Superyacht üblich, nutzen Gäste und Crew auf dem Flaggschiff getrennte Wege. So geht es vom Salon erst in eine Pantry und dann in die Galley oder zu den Servicebereichen des Oberdecks und zu den Crew-Unterkünften im Schiffsbauch. Vom hinteren Cockpit auf dem Oberdeck führen zwei Laufdecks jeweils zur Lobby sowie gegenüber zu einer Lounge vor dem Ruderhaus. Von der Pantry, die die Skylounge versorgt, erreicht die Crew auch die Bar des Sonnendecks über eine Diensttreppe. Die Gäste nutzen den hinteren Aufgang. Mit einer Fläche von über 100 Quadratmeter geht das Sonnendeck als Party-Terrasse durch, der Jacuzzi sorgt für Abkühlung und kann unterwegs gefüllt bleiben. Auch hier hat Officina Italiana Design so gut wie alles maßgeschneidert, Sofas und Sonnenliegen sind im Farbton auf den Rumpf abgestimmt.
Eine der innovativsten Lösungen der großen Riva ist die Buglounge auf dem Oberdeck. Neben dem zentralen C-Sofa gibt es auf beiden Seiten zwei Sonnenpolster mit Scharnieren. Werden die Sitzflächen angehoben, kommt ein Techniklager zum Vorschein. Dieses dient zum Wassern der Tender und Toys (Williams 625, zwei Jetskis) und zugleich als Navigationsmast. Ganz oben auf der Wunschliste der Eigner stand eine stabile Internetverbindung, schließlich wollten sie die Yacht auch als Boatoffice nutzen. Deshalb hat die Riva 54Metri eine Infrastruktur, die herkömmliche TV-Sat-Antennen mit Starlink-Satelliten-Breitbandsystemen kombiniert und zudem OneWeb-fähig ist – die Voraussetzung für hohe Übertragungsgeschwindigkeiten, Signalstabilität und eine zuverlässige weltweite Abdeckung.
Eine Firewall-Plattform schützt die Netzwerke, Daten und Systeme an Bord vor unbefugtem Zugriff. Diese Qualität des Bordnetzes bildet auch die Basis für das von Videoworks entwickelte Hausautomations- und Unterhaltungsprogramm. Über intuitive Benutzeroberflächen und iPads steuern Gäste die Beleuchtung, wählen Musik oder Videos aus. Dazu zeigen die TV-Bildschirme Echtzeitbilder der Außenkameras und Seekarten an. Zu einem komfortablen Bordleben zählt Ruhe. Teil der Schwingungs- und Schalldämmung sind schwimmende Fußböden, komplett von der Alukonstruktion entkoppelte Möbel und viskoelastische Beschichtungen in vibrationsanfälligen Bereichen.
Seit Projektbeginn haben wir vier Einheiten verkauft. Mit dem Bau der Nummer fünf haben wir bereits begonnen.“
Gefertigt wird die 54Metri am Hauptsitz der Superyacht-Sparte in Ancona, wo die CRNs entstehen und die Ferretti-Gruppe das Auftragsvolumen abarbeiten kann. „Seit Beginn des Projekts haben wir vier Einheiten verkauft“, verkündet Blengini. Das nächste verfügbare Exemplar ist Nummer fünf, mit Auslieferung im Sommer 2028: „Mit dem Bau haben wir bereits begonnen.“ Eine 70Metri soll Ende 2028 vom Stapel laufen, die Übergabe erfolgt Anfang 2029. Ausprobieren? Eine Woche „Sairu“ kostet bei Boatsters Black ab 350.000 Euro.

Redakteurin News & Panorama
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