St-Barth 85 FlyPlatzwunder aus den Niederlanden

Uske Berndt

 · 10.01.2026

St-Barth schickt die Baunummer zwei mit bis zu 25 Knoten Fahrt durch die Wellen. Die Vorgängerin der 85 Fly fiel kürzer aus und wurde ohne Sonnendeck gebaut.
Foto: St-Barth

Danielle Woudstra und Frank Bart fanden auf dem Markt keine passende Yacht, also bauten sie eben selbst eine. BOOTE EXCLUSIV war zu Besuch auf der St-Barth 85 Fly, einer 26 Meter langen Niederländerin.

​Hin und wieder wird eine Yacht völlig ungeplant zum Publikumsmagneten. So geschehen auf der letztjährigen Monaco Yacht Show, als die Vertreter von St. Barths Tourismusbehörde auf einem Spaziergang über die Messe staunend an der Kaimauer stehen bleiben und sich sichtlich über die schwimmende Namensvetterin freuen. Was dann passiert, hätte sich die Gruppe nicht träumen lassen.

„Kommt doch einfach an Bord!“, ruft Werftchefin Danielle Woudstra gut gelaunt, und schon steht eine Handvoll strahlender Gäste auf der Heckterrasse der 26-Meter-Yacht und überreicht als Dankeschön gleich ein paar ihrer Werbematerialien: Strandtaschen, auf denen der Schriftzug der Karibikinsel Saint Barthélemy prangt und die sich auch bestens als Deko auf den hellen Sitzpolstern der filigranen Sofas machen.

Frank Bart zeichnete die perfekte Familienyacht

„Das passt ja wirklich gut“, sagen alle Anwesenden und zücken ihr Handy für ein Foto. Gleich startet die Tour mit der Gastgeberin, die die spontanen Besucher herzlich willkommen heißt. Dass es hier in Zukunft zu einer Kooperation zwischen Inselstaat und Yachtmarke kommt, ist gut möglich. St. Barth ist die unmittelbare Nachbarin der Insel St. Martin, deren südlicher Teil zum Königreich der Niederlande zählt.

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Die St-Barth Fly 85 gilt auf dem heiß umkämpften Mittzwanziger-Markt noch als Neuling. Arcadia A80. Wenn man so will, ist sie oder ihre ältere, etwas kleinere Schwester aus einer gewissen Not heraus geboren, und zwar an der niederländischen Küste. „Wir haben eine acht Meter lange Boesch und eine Mini-Feadship mit fünf Metern“, zählt Danielle Woudstra auf, „und dann suchten wir nach einem größeren Boot, so um die 24 Meter. Wir fanden aber keins, das uns gefiel.“ Praktischerweise ist ihr Ehemann, Frank Bart, Kapitän und Konstrukteur, und so legte er los, zeichnete die „ultimative Familienyacht“ zum Selbststeuern – mit Alurumpf, Split Level, 360-Grad-Ausblicken und großen, lichtdurchfluteten Räumen mit vielen Rückzugsmöglichkeiten.

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Alles ist einfach zu bedienen

Alles Unnötige ließ er weg, und den Markenschriftzug setzte er aus seinem Namen und dem von Danielles Heimatort, Sint Maarten in Nordholland, zusammen. Als Nummer eins entstand eine St-Barth 75 auf ihrer Werft in der Hafenstadt Enkhuizen, 45 Minuten Autofahrt nördlich von Amsterdam. Ihr erstes Yacht-Baby nutzen die beiden selbst als schwimmendes Feriendomizil und schätzen vor allem das relaxte Ambiente und die Mastersuite im Bugbereich. Das Projekt St-Barth.

Alles ist wirklich einfach zu handhaben.

Wie so ein Großprojekt durchgezogen wird, worauf bei den Details zu achten ist – davon hatten die Unternehmer mehr als nur eine Ahnung. Schließlich hatten sie schon ein altes Fort in Beemster in ein luxuriöses Spa-Resort verwandelt, das mittlerweile zu den Top 3 in den Niederlanden zählt. Als Nummer zwei kam nun die St-Barth 85 Fly zur Welt, die offiziell als 24-Meter-Yacht registriert ist und damit in den sensiblen Schutzgebieten des Mittelmeeres ankern darf.

Die Eignerlounge ist gleichzeitig der Beachclub

Mit der mobilen, vier Meter breiten Schwimmplattform misst der 63-Tonner zwei Meter mehr. Der Rundgang über die Etagen zeigt ebenfalls ein Split-Level-Layout, allerdings liegt hier die Mastersuite auf dem etwas tiefer gelegten Hauptdeck mittschiffs, wo sie die maximale Yachtbreite von 6,30 Meter voll ausnutzt. Die angrenzende Lounge dient nicht nur den Eignern, sie fungiert auch als Beachbar für die Gäste. Ein Highlight für die Besucher ist aber zunächst die Terrassenfläche, auf der die Gäste jetzt noch ahnungslos plaudernd stehen und von der sie nun kurz weichen müssen.

Auf Knopfdruck öffnet sich die rechteckige, bündig in den Boden eingelassene Klappe und gibt ein Lager für einen 3,60 Meter langen Tender und diverse Toys preis. Von hier gibt es auch einen direkten Zugang zum Motorenraum. Ein paar Stufen führen nun hinauf zum Brückendeck in einen lichtdurchfluteten Salon und einen mit Garmin-Geräten bestückten Steuerstand. Die offene Galley thront in einem Halbrund mitten im Raum, gegenüber steht ein langer Speiseplatz mit ovaler Tischplatte. Alles in allem ein großzügig bemessener und somit idealer Ort für eine große Familie und Freunde.

​Der Pool füllt sich in neun Minuten

„Wir haben hier viel Wert auf Stauraum gelegt“, erklärt Danielle Woudstra und zeigt auf den Bereich unter den Sofapolstern, „das hat alles Flaschenhöhe“, fügt sie noch hinzu. Unter der kleinen Dinette vorn am Niedergang zu den VIP-Suiten sei Raum „für 80 Kisten Wein“. Ein spezieller Kühlschrank von Liebherr sorgt für die passende Trinktemperatur. Auch für den schlicht designten Kochplatz stand purer Pragmatismus auf der Wunschliste. „Die Winterhalter-Spülmaschine ist in drei Minuten fertig. Gut für Partys“, erklärt Woudstra und öffnet das Gerät zur Ansicht.

Anschließend nimmt sie die Besucher weiter mit auf das gemütliche Vordeck mit Liegeflächen und, ja, einem Jacuzzi – ein bemerkenswertes Accessoire auf einer Yacht dieser Länge und ebenfalls praktisch zu bedienen: „Das Becken ist in drei Minuten leer und in acht bis neun Minuten wieder voll.“ Dabei werde die Wassermenge (1.600 Liter), zum Beispiel vor Reisen, in einem Tank zwischengelagert und bei Bedarf zurückgepumpt und damit wiederverwendet.

​25 Knoten Maximum

Zentrales Feature der St-Barth Fly ist natürlich die Sonnenterrasse ganz oben. Die Flybridge bietet zwei Sitzplätze vor dem Steuerstand sowie eine Dinette zum Speisen an der frischen Luft. Am Heck ist viel Platz zur freien Gestaltung, zum Beispiel für Sonnenliegen oder Sofas.

Familienfreundliches Urlauben heißt aber nicht unbedingt, langsam unterwegs zu sein. Die beiden IPS-1350-Einheiten von Volvo Penta erlauben entspanntes Reisen mit 18 bis 20 Knoten. Wenn schnellstmögliches Vorankommen gefragt ist, beschleunigt der Kapitän auf maximal 25 Knoten. Die Reichweite mit 18 Knoten Fahrt liegt bei 710 Seemeilen, mit zehn Knoten reicht die Tankfüllung sogar für 1.200 Seemeilen. In diesem sogenannten Eco-Modus geben sich die Motoren-Pakete mit gerade mal 65 Litern Diesel pro Stunde zufrieden.

​Zwei Yachten pro Jahr

Ruhig bleibt es an Bord ohnehin, modernste Dämmung lässt die Passagiere ohne Lärm und störende Vibrationen durchatmen. Dazu halten Flossenstabilisatoren von Sleipner die 26 Meter selbst bei höherem Wellengang auf Kurs. Das Paar ist sichtlich zufrieden, ihr Konzept findet auch außerhalb der Familie großen Anklang. Frank Bart:

Da gibt es ja aber immer noch Raum für Veränderungen. Ich frage mich immer: Was können wir noch besser machen?

Eine gute Idee findet Bart, die Abwärme der Motoren für das Temperieren des Jacuzzi-Wassers zu nutzen. Eine Order für die Nummer drei ist längst in Sicht, vielleicht eine weitere 85 oder eine neu entwickelte 78 Fly, das werde man sehen. Da aus Alu gebaut wird, lassen sich am Layout einige Details verändern. Das Hauptdeck zum Beispiel kann zusätzlich zur Mastersuite und einer kleineren Gästekabine im Bug entweder eine oder zwei VIPs bekommen – je nachdem wie groß der Eignerbereich ausfallen soll. Wenn alles klar ist, legt das Team in Enkhuizen los. In der kleinen, aber feinen Boutique-Werft von St-Barth gibt es Kapazitäten für zwei Yachten pro Jahr.

​Technische Daten St-Barth 85 Fly

  • Länge über alles: 26,00 m
  • Breite: 6,30 m
  • Tiefgang: 1,65 m
  • Verdrängung (leer): 63 t
  • Material: Alu
  • Gross Tonnage: 110 Gross Tons
  • Motoren: Volvo Penta IPS 1350
  • Motorleistung: 735 kW
  • Geschwindigkeit (max.): 25 kn
  • Geschwindigkeit (Reise): 18 - 20 kn
  • Reichweite @ 18 kn: 710 sm
  • Generatoren: Northern Lights 380 V
  • Kraftstoff: 6.700 l
  • Frischwasser: 1.400 l
  • Navigation: Garmin
  • Stabilisatoren: Sleipner
  • Konstruktion: St-Barth
  • Design: St-Barth
  • Klasse: CE Ocean A
  • Werft: St-Barth, 2025
  • Startpreis: 7,7 Mio. €

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