Das neue Jahr hat er nicht mehr im Kreise der Familie begrüßen können, Paolo Vitelli starb am Nachmittag des 31. Dezember 2024. Grund war ein Unfall, ein schwerer Sturz in seinem Haus in Champoluc im norditalienischen Aostatal.
Paolo Vitelli, geboren 1947, galt als Visionär: Italienische Medien nannten ihn den „König der in Italien gebauten Yachten“. Die Werftgruppe Azimut Benetti, die einen Produktionswert von mehr als 1,3 Milliarden Euro angibt, eroberte in den 1970er Jahren den Markt von Turin aus. Noch heute befindet sich dort der Hauptsitz der Gruppe, die zu den Top-Adressen im Megayachtsegment 24 Meter plus zählt. Auch Prominente vertrauen auf den Namen, zum Beispiel kaufte Fußballstar Cristiano Ronaldo 2020 eine Azimut Grande 27.
Vitelli stammt aus einer Unternehmerfamilie, wollte aber nicht in die Fußstapfen des Vaters treten, der die Schokoladenmarke Talmone Venchi Unica sowie eine Baumwollspinnerei leitete. „Ich wollte mein eigenes Unternehmen gründen”, zitiert ihn „La Repubblica“. Das Geld für Azimut zog er aus dem Verkauf eines Nachtclubs, den er mit Freunden in Turin betrieb – als Student der Wirtschaftswissenschaften. 1970, mit dem Diplom in der Tasche, wollte der junge Mann seine Segelleidenschaft zum Beruf machen. Schon als Kind erkundete er mit einer Jolle die Küste vor Antibes und Saint-Tropez.
Vitelli startete zunächst mit einem kleinen Segelbootverleih und machte daraus ein Maklergeschäft. Auf einem Gelände in Avigliana, 20 Kilometer von Turin und noch weiter vom Meer entfernt, gründete der Macher 1969 seine Werft. Die Geschäfte kamen ins Rollen, als ihn die niederländische Werft Amerglass mit dem Verkauf ihrer Produkte in Italien betraute. Weitere Händlerverträge folgten. Da Vitelli vor allem ein familientaugliches, bezahlbares Boot verkaufen wollte, schuf er mit der AZ 43 Bali eines der größten Glasfaser-Serienboote jener Zeit.
1977 kam ein kleines Low-Budget-Boot auf den Markt, die AZ 32 Targa galt als Ford Modell T der Yachtbranche und geriet zum Verkaufsschlager. Fortan entwickelte sich die Marke rasant, expandierte fast nur über internes Wachstum. 1985 jedoch übernahm Paolo Vitelli die strauchelnde Marke Fratelli Benetti und damit ein weiteres Symbol des Yachtbaus „made in Italy“.
1997 zeichnete der italienische Staatspräsident den Unternehmer mit dem Titel „Cavaliere del Lavoro“ aus, „weil er sich in besonderer Weise um den Schiffbau verdient gemacht hat.“ Und so agierte Vitelli von 1998 bis 2006 als Präsident von Ucina, dem italienischen Verband der Schiffbauindustrie. In dieser Zeit entstand auch das Gesetz N°.172/2003 über die Zulassung von Leasing in der Yachtindustrie.
2004 hatte er bereits die Ehrendoktorwürde für Maschinenbau des Politecnico di Torino erhalten. Später mischte Dr. Paolo Vitelli sogar in der Politik mit und war von 2013 bis 2015 Mitglied des italienischen Parlaments.
Seit 2023 steht seine Tochter Giovanna an der Spitze von Azimut Benetti, die Gruppe umfasst heute sechs Werften: Avigliana im Piemont, Savona in Ligurien, Viareggio und Livorno in der Toskana, Fano in den Marken und Itajaí in Brasilien - insgesamt 526.000 Quadratmeter Produktionsfläche. Zum Portfolio zählen außerdem Yachthäfen in Italien, Malta und Russland sowie eine kleine Hotelkette. Azimut Benetti hat heute mehr als 2.300 Mitarbeiter und beschäftigt über 4.000 Menschen in verwandten Branchen.
Marco Valle, CEO der Gruppe, verabschiedet sich von Paolo Vitelli mit berührenden Worten und verschickte diese via LinkedIn. Hier ein Auszug:
„Dr. Vitelli war nicht nur ein Meister der Innovation, sondern auch ein Mann, der sein Land sehr liebte. Er brachte Italien und die hervorragende Qualität von ‚made in Italy‘ in die Welt und setzte den Maßstab für unsere gesamte Branche. So wie er die Berge liebte, werden wir zu seinen Ehren immer weiter vorankommen, uns neuen Herausforderungen stellen und neue Höhen erreichen.“

Redakteurin News & Panorama