Die schwedische Traditionswerft Nimbus hat ein neues Führungsduo. Geschäftsführer Johan Inden und seine Stellvertreterin Christina Evans über Zukunftspläne und den hohen Stellenwert der Unternehmensgeschichte.
Die 1968 in Göteborg gegründete Werft spezialisierte sich von der ersten Stunde an auf den Bau von Freizeitmotorbooten. Schon das erste Modell, Nimbus 26, wurde ein überragender Erfolg. Seit den späten 1990ern besteht die Zusammenarbeit mit internationalen Designern, und 2018 expandierte das Unternehmen als Nimbus Group mit mehreren Marken. Wir sprachen mit dem neuen Führungsduo in Düsseldorf.
Christina Evans: Ja, in den letzten vier Jahren war ich CCO bei Axopar und habe dort schon eng mit den Nimbus-Händlern zusammengearbeitet. Dadurch war ich bei vielen Veranstaltungen präsent. Zuvor habe ich fast zwanzig Jahre bei Volvo Trucks gearbeitet. Johan und ich kannten uns bereits, allerdings vor allem aus der gemeinsamen Arbeit im Verwaltungsrat.
Johan Inden: Ich bin ehrlich gesagt kein geborener Bootsliebhaber. Wie so viele Schweden hatte ich in jungen Jahren Boote, aber es war damals keine echte Passion. In den letzten zehn Jahren in der maritimen Industrie habe ich diese Branche jedoch sehr schätzen gelernt. Sie vereint ein professionelles Konsumgütergeschäft mit großer Leidenschaft. Starke Marken, emotionale Kundenerlebnisse und gleichzeitig anspruchsvolle unternehmerische Herausforderungen. Genau diese Kombination reizt mich sehr.
Christina Evans: Für mich war das Meer schon immer ein wichtiger Teil meines Lebens. Ich lebe in Göteborg, mitten in einem der schönsten Schärengärten Schwedens. Als junge Frau bin ich viel gesegelt, auch während meiner Studienzeit. Später, mit eigener Familie, wurde dann das Motorboot immer wichtiger, weil es ideal dafür geeignet ist, Zeit mit den Kindern und mit Freunden auf dem Wasser zu verbringen. Es geht ja vor allem darum, Momente einzufangen: den schönen Sonnenuntergang, das Zusammensein. Das Schöne ist, dass man dafür oft nur ein paar Stunden braucht.
Johan Inden: Nimbus ist eine außergewöhnlich starke Marke. Als bekannt wurde, dass ich hier anfange, haben mir viele Menschen gratuliert und fast alle hatten eine persönliche Nimbus-Geschichte zu erzählen. Familienerlebnisse, lang gehegte Träume vom eigenen Boot oder Erinnerungen aus der Kindheit. Diese emotionale Bindung ist in dieser Branche etwas ganz Besonderes.
Christina Evans: Ich komme aus dem Volvo-Konzern, auch eine sehr starke Marke, mit über 100.000 Mitarbeitenden. Nimbus bietet eine ähnliche Markenstärke, ist aber deutlich kleiner, agiler und dynamischer. Man ist näher am Produkt, näher an den Kundinnen und Kunden und näher an den Entscheidungen. Genau diese Nähe und Dynamik haben mich überzeugt.
Johan Inden: Natürlich verändert man immer ein paar Dinge. Aber wir werden nicht die ganze Werft auf den Kopf stellen. Wir bleiben bei dem, was wir können und was wir seit Jahrzehnten gut machen. Das ist wichtig, denn sonst verlieren wir womöglich Kunden und vor allem unsere DNA, die jedes unserer Produkte auszeichnet.
Christina Evans: Der Begriff „Heritage“ trifft es sehr gut. Wir haben eine sehr wertvolle Geschichte, und dieser wollen und müssen wir treu bleiben. Moderne und neue Designs lassen sich integrieren, stets in hoher Qualität und mit einem Premiumanspruch, sodass die Marke Nimbus klar erkennbar bleibt.
Christina Evans: Natürlich sind wir an bestimmte Dinge gebunden. Aber bremsen würde ich das nicht nennen. Es geht darum, bei den Wurzeln der Werft zu bleiben und genau das wollen wir ja auch. Unsere Geschichte ist uns sehr wichtig.
Johan Inden: Ich habe selbst über zehn Jahre lang ein Nimbus-Boot besessen, lange bevor ich Teil des Unternehmens wurde. Wenn ich länger unterwegs wäre, würde ich mich vermutlich für die 495 entscheiden.
Christina Evans: Das ist eine schwierige Frage. Ich mag die 365 Coupé sehr. Ich denke, dieses Modell würde ich wählen, da man damit die vielen kleinen Schären problemlos erreicht und dort Zeit verbringen kann.

Redakteur Test & Technik