Megayachten“Benetti Yachtmaster” - Werft mit neuer Strategie

Jörg Müller-Dünow

 · 02.04.2026

Besuchertour: Die Gäste beim Rundgang auf dem Außengelände der Werft. | PR / Azimut Benetti Group
Zum jährlichen Treffen der „Benetti Yachtmaster“ lud die Megayacht-Werft zum ersten Mal Kapitäne, Eignervertreter und Berater nach Hause ein. Die Italiener präsentierten unzählige Neuigkeiten und eine überarbeitete Marktstrategie.

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​“Wir sind einmal mehr Weltmarktführer”, begrüßte Konzernchefin Giovanna Vitelli strahlend die Gäste im Schatten eines 47-Meter-Neubaus in einer Werfthalle, deren Hälfte zum Auditorium umgestaltet worden war. Der Termin war wohl gewählt, der Karneval von Viareggio bildete mit einer Parade riesiger Mottowagen die Kulisse für das abendliche Rahmenprogramm.

“Benetti verändert sich”​

Die zentrale Botschaft der Konferenz lautete „Benetti verändert sich“, unter anderem aufgrund der Gespräche mit den Konferenzteilnehmern in früheren Jahren. Von den Prozessen in den Werfthallen über die Kommunikation mit Kunden, das Design bis hin zu einer frisch gegründeten Service- Abteilung, die alle After-Sales-Aktivitäten bündeln soll.


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Den Grund für die Neuerungen brachte Vertriebschefin Daniela Petrozzi auf den Punkt: “In den letzten Jahren haben sich die Käufer verändert.” Die Werft müsse folglich die richtigen Antworten auf die veränderte Nachfrage einer nachwachsenden Eignergeneration liefern und den Kunden stärker als zuvor in den Mittelpunkt aller Maßnahmen stellen.

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​Eine Yacht als Rückzugsort

Diese oft sehr jungen Selfmade-Unternehmer kommen nach gründlicher eigener Vor-Recherche gut informiert und mit klaren Erwartungen ins Erstgespräch. Zeitgemäße Technologie, Digitalisierung und zuverlässige Funktionalität sind für sie selbstverständlich. Sie suchen in einer Yacht weniger das Statussymbol als vielmehr einen Rückzugsort und Lebensraum für die Familie.

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Ein verändertes Verständnis von Design beziehe Nachhaltigkeit, flexible Raumnutzung und eine strikte Orientierung am Lebensstil des Eigners mit ein. Für Benetti ist das Produkt folglich nicht mehr nur die Yacht selbst, sondern ein zusammenhängendes System von Erlebnissen und Services, das das Crew- und Eignerleben stark vereinfacht und hierfür die Komplexität auf die Seite der Werft verlagert.

Die Käufer in den Mittelpunkt​

Den Käufer mit seinen Erwartungen in den Mittelpunkt zu rücken, bedeute vor allem, laufend Wissen über seine Träume und Bedürfnisse zu sammeln. „Innovation beginnt mit Zuhören“, so Daniela Petrozzi. „Der Dialog mit Eignern, Kapitänen und Crews ist ein strategischer Hebel für Exzellenz in der Produktion und im Service unserer Yachten“, ergänzte Massimiliano Casoni, General Manager von Benetti. „Er hat dazu beigetragen, das Vertrauensverhältnis zu stärken und in konkrete Maßnahmen zu übersetzen.“

Beispiel: die Motopanfilo 45M

Wie zur Bestätigung hatte die Werft den anwesenden Gästen schon morgens den Blick auf die halb fertige Baunummer eins der Motopanfilo 45M in Viareggio freigegeben. Als erstes Modell mit dem neuen „Verandadeck“, das die Innen- und Außenbereiche verschmelzen lässt, liefert sie eine neue Antwort auf den Wunsch nach flexiblen Raumkonzepten.

Der tief verglaste Salon, der über die gesamte Breite reicht, öffnet sich zu drei Seiten und schließt nahtlos an den Beachclub mit Infinitypool an. Der in den Salon durchgezogene Decksbelag verstärkt diesen Eindruck. Namensgebend ist der durchgehende, eben Veranda-ähnliche Dachüberstand nach achtern. Ein Vorgeschmack auf die Neuheiten-Präsentation durch Produktchef Sebastiano Vida, der vier innovative Yachtmodelle für 2026 ankündigte.

Gesamte Produktreihe wird erneuert​

In den kommenden zwei Jahren, so Massimiliano Casoni, will Benetti die gesamte Produktreihe erneuern. Bereits umgesetzt ist hingegen die Re-Organisation der Produktionsprozesse. Hier hat der ehemalige Automobilmanager seine Erfahrungen einfließen lassen und klare Standards verankert. Vom Vertragsabschluss über die Auslieferung bis hin zu den Abläufen im Garantiefall.

Unter dem Applaus der versammelten Superyacht-Professionals präsentierte Casoni Beispiele vereinheitlichter Projekt-Ablaufpläne mit vordefinierten Schritten und Meilensteinen. Auch für die Umsetzung von Änderungswünschen der Eigner während der Bauphase gibt es nun klar definierte Abläufe. Ein digitalisierter Workflow mit Echtzeit-Statuserfassung, laufendem Monitoring am Objekt in der Halle und monatlichen Reports erhöht die Planungssicherheit und reduziert Produktionszeiten.

Nach dem Vorbild der Autoindustrie sind auf der Werft einheitliche Standards für Materiallagerung und -Handling, Energieversorgung, Warenverfügbarkeit und Sicherheit eingezogen. Zwischen zwei Hallen ist ein modernes Lackierzentrum entstanden.

​Mehr Service- und Garantieleistungen

Zur eignerzentrierten Neuausrichtung der Werft zählt beinahe mehr noch als der eigentliche Yachtbau, das Spektrum der Service- und Garantieleistungen, das in den letzten Jahrzehnten gewachsen ist. Als Antwort auf den Wunsch der Eigner nach sorgenfreiem Cruising hat die Werftengruppe im Januar eine neue Abteilung gegründet: „Die Azimut-Benetti Service Division ist die Weiterentwicklung unseres Serviceansatzes“, sagte Casoni. „Konzipiert, um unsere Kunden über den gesamten Lebenszyklus ihrer Yacht zu begleiten, ihren Wert zu erhalten und echte Sorgenfreiheit zu garantieren.”

​Die drei strategischen Säulen des neuen Angebots sind Technical Services, Flotten-Management sowie ein „Lifestyle-Ökosystem“. Die Werft bietet Management-Dienstleistungen einschließlich personalisierter Wartungspläne, optionaler Garantieverlängerungen auf bis zu fünf Jahre und weltweiter Unterstützung. Digitale Vernetzung und Remote Monitoring der Systeme ermöglichen die frühzeitige Erkennung von Problemen und den schnellen, vorbeugenden Eingriff weltweit.

​Darum kümmert sich künftig das neue, ebenfalls im Rahmen der Konferenz vorgestellte „Benetti Service Netzwerk“. Zehn zertifizierte Partnerbetriebe übernehmen an über 16 Stützpunkten in aller Welt technische Hilfe im Wartungs- oder Garantiefall. Diese Service-Standorte arbeiten nach strengen, einheitlichen Standards unter der Koordination der Werft.

​Crew Academy: Training fürs Personal

Ein weiteres Angebot, das Eigner und Kapitäne entlasten soll, sind Personaldienstleistungen: Die Crew Academy, ein Exzellenz- Trainingsprogramm zur Weiterentwicklung, ist der erste Schritt. Ein Crew-Vermittlungs- und Placement-Service soll später folgen. Die Mannschaft wird von Benetti-Ingenieuren sowie technischen Partnern unterrichtet und arbeitet hier mit den gleichen Systemen wie an ihrem Arbeitsplatz an Bord.

​Auf der Konferenz stellten auch die Schwestermarken Yachtique und Lusben neue Leistungen vor: Aus Yachtique will die Werftengruppe ein integriertes Kompetenzzentrum für Interieurdesign-Beratung und -Umsetzung machen, von bezugsfertigen Kollektionen bis zu Einrichtungselementen führender Luxusmarken. Das Angebot verspricht Kontinuität im Designkonzept der Yacht und gleichbleibende Qualität auch im Refit-Fall. Für 2027 eröffnet die Marke ein Atelier in Livorno, 2028 folgt die Neugestaltung der Design-Boutiquen für Azimut und Benetti in Viareggio.

​Drehkreuz für Refits und Rebuilds

Im Zuge der Erweiterungen der Werftanlagen ist Lusben zu einem führenden Drehkreuz für Refits und Rebuilds von Yachten ab 35 Metern gewachsen. Zwischen eigenem Helipad und Schwimmdock sind in den letzten Jahren unter anderem Landstellplätze für bis zu 120-Meter-Formate entstanden. Auch Lusben setzt vermehrt auf Lösungen jenseits des Kerngeschäfts wie die digitale Integration von Dienstleistungen über eine eigene App oder Angebote für Crews, die auf der Werft leben: vom Mietwagen bis zur Gym-Mitgliedschaft.

Lusben hat das Ziel ausgerufen, sich zum bevorzugten Refit-Partner für Großyacht-Projekte zu entwickeln. Mit dem aktuellen Refit-Auftrag für die 136-Meter-Lürssen „Flying Fox“ kommt das Unternehmen seinem Ziel einen großen Schritt näher. Natürlich bleibt der Fokus auf die Arbeit an den Yachten aus den eigenen Hallen. Auch die Wartung und das Refit einer Yacht am Ort ihrer Herstellung zahle schließlich auf das Vertrauen von Crews und Eignern ein.


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Jörg Müller-Dünow fand mit 13 auf Spiekeroog durch Zufall zum Segelsport und lernte das Wattensegeln von der Pike auf. Der Düsseldorfer hat ein RIB auf dem Rhein verchartert, mit Yachten zwischen 6 und 22 Metern an den Regatta-Klassikern in den Niederlanden und im westlichen Mittelmeer teilgenommen und ist heute mit eigenem Boot und der Familie in Zeeland unterwegs. Neben beruflichen Stationen in Agenturen und Unternehmen als PR-Berater und Pressesprecher war er praktisch immer auch als freier Journalist tätig. Seit 2025 berichtet er aus den Niederlanden für BOOTE und YACHT, testet Boote, teilt Reiseerlebnisse und Reviertipps und portraitiert spannende Werften oder Wassersportler.

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