Werft-NewsNeue Hoffnung bei Silent Yachts

Jill Grigoleit

 · 16.04.2024

Beim Katamaran-Hersteller Silent Yachts ist einiges im Umbruch
Foto: Alberto Cocchi
Aufatmen bei dem in Schieflage geratenen Katamaran-Hersteller Silent Yachts: Ein neuer Eigentümer und eine neue Leitung sollen das Ruder herumreißen und das Unternehmen wieder auf Kurs bringen.

Seit Anfang des Jahres brodelte die Gerüchteküche um einen möglichen Konkurs der Katamaran-Schiffswerft Silent Yachts. Der führende Hersteller von großen Elektro-Solar-Multihulls hatte aufgrund des Ausfalls eines Vertragspartners in der Türkei mit finanziellen Problemen zu kämpfen und kündigte eine Umstrukturierung an. Ziel sei der Übergang von einem gründerfinanzierten Unternehmen zu einem von Investoren finanzierten Unternehmen, das von erfahrenen Branchenexperten geführt werde, so die Unternehmensführung im Januar.

Nun scheint es neue Hoffnung zu geben. Mit dem neuen Eigner Michael Said, einem neuen Managementteam unter der Leitung von CEO Fabrizio Iarrera und Zugang zu neuen Finanzmitteln sei eine solide Wachstumsstrategie für die nächsten fünf Jahre entwickelt worden, so die Meldung aus Italien.

Neuer Investor sichert Finanzierung

Der amerikanisch-deutsche Investor Michael Said hat derzeit selbst eine Silent 62 3-Deck im Bau. Über seine Beteiligungsgesellschaft Helios Yacht Investments GmbH hat er jetzt die Kontrolle über alle Vermögenswerte übernommen, die früher Silent Yachts gehörten, einschließlich des geistigen Eigentums, das hinter dem Design der Yachten steht, und der Werft Silent Italia in Fano.

Said sorgte bereits im letzten Jahr dafür, dass die Finanzierung nicht versiegte und sicherte 140 Arbeitsplätze, als das vorherige Unternehmen in die Insolvenz geriet. Indem er den italienischen Yachtbau in Fano am Laufen hielt, ermöglichte er es Silent Yachts, die bestehenden Aufträge für die Silent 62 zu erfüllen. Die erste dieser Yachten mit drei Decks ist gerade vom Stapel gelaufen, sieben weitere sollen noch in diesem Jahr folgen. 2025 will die Werft außerdem seine erste 80-Fuß-Yacht zu Wasser lassen und eine weitere soll noch vor Ende desselben Jahres folgen.

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Der neue CEO Fabrizio Iarrera, ein Veteran der italienischen Yachtbranche, hat das Unternehmen bereits umstrukturiert und ist zuversichtlich, es auf eine solide Basis für die Zukunft gestellt zu haben: “Einen völlig neuen Markt zu schaffen ist natürlich immer mit Kosten verbunden. Das ursprüngliche Unternehmen fiel diesen Kosten zum Opfer, und das zu einer Zeit, als die Preisinflation überall außer Kontrolle geriet. Aber Silent Yachts ist in der gesamten Yachtwelt für seine innovativen Technologien in Sachen Elektro-Katamarane bekannt. Unsere immer noch starke Auftragslage beweist, dass unsere Kunden von der Marke überzeugt sind.” Für Michael Said sei es daher eine leichte Entscheidung gewesen, in eine neu strukturierte Silent Yachts zu investieren. “Wir wissen, dass wir daran arbeiten müssen, den Ruf der Marke wiederherzustellen, aber wir erhalten viel positive Resonanz von unseren Kunden”, so Iarrera.

Der neue Geschäftsführer wird das Tagesgeschäft mit Unterstützung von Michael Said und einem Gesellschafterausschuss führen. Steve Bell, ein Manager, der bereits in Produktionsbetrieben in Großbritannien und Deutschland tätig war, hat sich bereit erklärt, als stellvertretender Vorsitzender dieses Gremiums zu fungieren. Priorität habe nun die Fertigstellung der im Bau befindlichen Yachten und deren Auslieferung an die Kunden, so die neue Unternehmensführung. Dann werde das Team seinen zukünftigen Produktionsplan umgestalten und zusätzliche Bauplätze für 2025 und 2026 anbieten.


Jill Grigoleit

Jill Grigoleit

Redakteurin Reise

Jill Grigoleit lebte zehn Jahre mit ihrer Familie auf einem Hausboot im eigenen Hafen südlich von Hamburg und schrieb ein Buch über den Hausbootbau und das Leben mit Kindern auf dem Wasser. Seit 2020 schreibt sie vor allem Reisereportagen und Revierporträts für YACHT und BOOTE und konnte damit ihre zwei großen Leidenschaften zum Beruf machen: Reisen und darüber schreiben. Seit Januar 2024 gehört sie fest zum Team des Reiseressorts der Wassersportredaktion von Delius Klasing. Seither sammelt sie in den verschiedensten Regionen Reviertipps und Geschichten über Menschen, die am und auf dem Wasser leben - von der Mecklenburgischen Seenplatte über die bretonische Küste bis ins kanadische Ontario.

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