David Ingelfinger
· 19.02.2026
Die Wahl der passenden Apps hängt stark vom persönlichen Bedarf und vom geplanten Einsatzgebiet ab. Wer das richtige System gefunden hat, muss sich meist durch eine komplizierte Preisstruktur kämpfen. Spezielle Funktionen wie die Offline-Kartennutzung, die automatisierte Navigation oder die Überwachung von Schiffsdaten sind nicht für jeden Eigner gleichermaßen relevant. Zudem unterscheidet sich der Funktionsumfang der Apps je nach gewähltem Abo-Modell.
Da ein ausführlicher Test aller verfügbaren Apps und ihrer Funktionen in der Praxis nur schwer umsetzbar ist, haben wir uns auf die Analyse der App-Funktionen und die Auswertung von App-Store-Bewertungen konzentriert. Dieser Überblick soll Ihnen dabei helfen, die Stärken und Schwächen der einzelnen Systeme besser einzuschätzen und die passende Wahl für Ihre persönlichen Anforderungen zu treffen.
Aqua Map legt den Schwerpunkt auf die Integration von Bord-Hardware und amtlichen Geodaten. Über ein Schnittstellen-Modul verarbeitet die App NMEA 0183- sowie Signal-K-Daten via WLAN und blendet AIS-Ziele inklusive Kollisionswarnungen in das Kartenbild ein. Ein zentrales Funktionsmerkmal ist der „Route Explorer“, der geplante Routen auf Hindernisse und Brückenhöhen scannt. Dank der ELWIS-Integration sind die deutschen Hauptwasserstraßen (Rhein, Elbe, Mosel etc.) sehr gut abgedeckt. Für die Überwachung vor Anker bietet das System einen Fern-Alarm, der Positionsdaten und Warnungen per Telegram oder E-Mail an mobile Endgeräte übermittelt. Die jährlichen Kosten für ein Paket aus regionalen Seekarten und den erweiterten Funktionen liegen je nach Revier bei etwa 30€ bis 40€.
C-Map Boating positioniert sich als visuell ansprechende und oft kostengünstigere Alternative zum Marktführer Navionics. Hervorzuheben ist die „Reveal Shaded Relief“-Darstellung der App, die den Meeresboden beinahe fotorealistisch visualisiert. Für Eigner, die Systeme von B&G, Simrad oder Lowrance nutzen, bietet die App eine nahtlose Synchronisation von Routen und Wegpunkten mit dem Kartenplotter. Die plastische Bodendarstellung hilft bei der Suche sicherer Ankerplätze und das Auto-Routing ist speziell für Motorboote optimiert. Das Preismodell ist mit 29,99 € für ein regionales Abonnement oder 48,99 € für das weltweite Premium-Paket im Jahr 2026 günstiger als die Konkurrenz. Ein wesentlicher Kritikpunkt betrifft dänische Gewässer: Aufgrund von Lizenzrestriktionen erlaubt die App dort häufig keine Offline-Speicherung der Karten, was bei einem Ausfall der Mobilfunkverbindung die Navigation erschwert. Während die Stabilität unter iOS gelobt wird, berichten Android-Anwender gelegentlich von verzögerten Ladezeiten. C-Map ist die logische Wahl für alle Nutzer von Simrad- oder Lowrance-Hardware.
i-Boating basiert auf offiziellen Vektorkarten (ENCs) und deckt See-, Küsten- und Binnengewässer weltweit ab. Ein markantes Merkmal für Angler sind die hochauflösenden Bathymetrie-Karten mit Tiefenlinien im Abstand von nur einem Fuß (ca. 30 cm), die zusammen mit speziellen Fischkarten das gezielte Auffinden von Bodenstrukturen und Fanggründen ermöglichen. Motorbootfahrer profitieren primär vom automatischen Routenassistenten mit Sprachausgabe sowie der individuell anpassbaren Tiefenschattierung (Safety Depth), die visuell vor Untiefen warnt. Dank der Unterstützung von NMEA-Schnittstellen für die Einbindung von AIS-Signalen und Echolot-Daten sowie umfangreicher Verzeichnisse für Marinas und Sliprampen fungiert die App als leistungsstarke, mobile Alternative zum fest installierten Kartenplotter.
Meine Pegel ist die offizielle Wasserstands- und Hochwasser-App der Hochwasserzentralen und bietet Zugriff auf rund 3.000 Pegel in Deutschland. Nutzer können individuelle Grenzwerte festlegen und sich per Push-Benachrichtigung warnen lassen, wenn ein Pegel einen bestimmten Stand über- oder unterschreitet. Die App liefert nicht nur aktuelle Messwerte, sondern auch Wasserstandsvorhersagen für rund 400 Pegel, was für die mittelfristige Törnplanung auf Flüssen essenziell ist. Die App ist kostenfrei und werbefrei, da sie ein staatliches Angebot ist. Gelobt wird die hohe Zuverlässigkeit der Daten, während das Design im Vergleich zu kommerziellen Apps eher funktional und nüchtern ausfällt.
Die NavGo-App der KartenWerft ist die digitale Ergänzung zu den gedruckten Atlas-Reihen für Binnen- und Küstengewässer. Das Kartenbild entspricht der Darstellung der Papierkarten. Über die Funktion „RevierHinweise“ lassen sich Informationen zu Höchstgeschwindigkeiten, Pegelständen, Tankstellen und Schleusenzeiten direkt in der Karte abrufen.
Die App bildet lokale Regeln und Geschwindigkeitsbeschränkungen für deutsche Reviere detailliert ab. Beim Kauf eines physischen Atlasses ist die Freischaltung der digitalen Karten in der Regel enthalten. Damit dient die App als ergänzendes Werkzeug zur Papier-Navigation. Die digitalen Karten kosten je nach Revier zwischen 25€ und 40€, wobei die erweiterten Navigationsfunktionen des NavPro-Upgrades separat hinzugekauft werden müssen.
Die App Navionics Boating zählt zu den am weitesten verbreiteten Apps für die nautische Navigation auf dem Markt. Als Teil des Garmin-Konzerns kann der Dienst auf großen Pool an Nutzerdaten zurückgreifen, was die Genauigkeit einiger Funktionen erhöht. Besonders hervorzuheben sind dabei die „SonarCharts HD“. Mit Tiefenlinien in einem 0,5-Meter-Raster bieten sie eine sehr hohe Genauigkeit. Ergänzt wird das Paket durch professionelle Funktionen wie das „Auto Guidance+”-Routing, Relief-Shading zur plastischen Darstellung des Meeresbodens und eine umfassende AIS-Integration.
Da die App laut den Nutzerbewertungen in gewissen Abständen eine Online-Anmeldung verlangt, kann das den Zugriff auf das bereits heruntergeladene Kartenmaterial auf offener See einschränken. Zudem ist die Funktionalität stark an das laufende Abonnement gebunden: Endet der Zeitraum, führt dies zum unmittelbaren Verlust zentraler Funktionen und Werkzeuge. Preislich setzt Navionics für die Saison 2026 auf regionale Pakete, wobei das Abonnement für die Ostsee bei jährlich 49,99€ liegt, während für das umfassendere Nordeuropa-Paket 99,99€ berechnet werden.
NavShip fungiert als spezialisierter Routenplaner für ein Netzwerk von über 550.000 Kilometern Wasserstraßen weltweit. Die App ermöglicht ein automatisches Routing, das Durchfahrtshöhen, Wassertiefen und Schleusen passgenau auf die hinterlegten Abmessungen des eigenen Bootes abstimmt. Im Gegensatz zu vielen anderen Systemen ist das globale Kartenmaterial bereits in den Abonnements integriert, sodass keine zusätzlichen Kosten für einzelne Reviere anfallen. Die Premium-Variante bietet darüber hinaus Zugriff auf tagesaktuelle Spritpreise, Wettervorhersagen sowie eine Offline-Funktion für die Navigation ohne Internetverbindung.
NV Charts verbindet Papierkarten und App-Nutzung: Mit dem Erwerb eines Kartenatlas ist der digitale Datensatz inklusive GPS-Navigation für ein Jahr kostenfrei enthalten. Die App ermöglicht dabei den nahtlosen Wechsel zwischen der klassischen Raster-Optik, die dem gewohnten Papierbild entspricht, und modernen Vektorkarten. Für Reviere wie Berlin, die Müritz oder die Küste bietet NV Charts zudem eigene Binnen-Karten-Sets an, die grafisch aufbereitet sind und exakt dem Bild deiner Papierkarte entsprechen.
Zum Funktionsumfang gehören ein europaweites Autorouting, Echtzeit-Layer für Gezeitendaten sowie eine Augmented-Reality-Funktion zur Identifizierung von Wasserzeichen im Kamerabild. Nutzer berichten jedoch gelegentlich von Instabilitäten, insbesondere auf älteren Android-Endgeräten, sowie von langen Ladezeiten der hochauflösenden Rasterkarten. Wer auf die gedruckten Karten verzichten möchte, kann ein rein digitales Abonnement für 49,90€ pro Jahr abschließen, welches für jeweils eine ausgewählte Region gültig ist.
OpenSeaMap ist ein internationales Open-Source-Projekt auf Basis von OpenStreetMap, das für mobile Endgeräte meist über die App „Marine Navigation“ genutzt wird. Sie bietet eine detaillierte Erfassung ufernaher Infrastruktur wie Tankstellen, Werften und gastronomischer Betriebe mit eigenen Anlegern, die in kommerziellen Systemen oft fehlen. Die Anwendung wird jedoch häufig aufgrund fehlender oder ungenauer Wassertiefen kritisiert, da diese Daten nicht amtlich vermessen, sondern lediglich durch vereinzelte Nutzerbeiträge ergänzt werden.
Zudem führen die fehlende offizielle Prüfung von Seezeichen sowie technische Unzulänglichkeiten beim Zoomen und der Offline-Speicherung von Kartenmaterial zu Punktabzügen in den Nutzerbewertungen. Daher sollte die Anwendung primär als ergänzendes Informationstool zur Orientierung im Nahbereich und nicht als alleiniges Navigationsmittel in unbekannten Gewässern verwendet werden. In der kostenpflichtigen Professional-Version werden die Werbebanner dauerhaft entfernt und zusätzliche Werkzeuge wie ein erweitertes Routen-Management, präzisere Messfunktionen sowie ein verbessertes Wegpunkt-Management zur individuellen Zielverwaltung freigeschaltet.
Orca verknüpft die Rechenleistung von Mobilgeräten mit spezialisierter Hardware. Das System nutzt Vektor-Karten, die ein verzögerungsfreies Zoomen und Verschieben der Karten ermöglicht. Während das Plus-Paket (49€/Jahr) weltweite Offline-Karten bietet, schaltet erst die Smart Navigation (149€/Jahr) das wetterbasierte Routing sowie die AIS- und Instrumenten-Integration frei. Durch die Einbindung offizieller WSV-Daten ist Orca mittlerweile auch auf deutschen Binnenwasserstraßen gut aufgestellt und bietet modernes, Cloud-basiertes Routing von Hamburg bis Berlin. In Verbindung mit dem optionalen Orca Core (549€) wird das Tablet zum vollwertigen Instrumenten-Display inklusive Autopiloten-Steuerung. Das globale Preismodell wirkt für viele Bootsführer oft überdimensioniert. Zudem führt eine Kündigung zum sofortigen Verlust aller Offline-Karten.
Die RiverApp stellt Pegeldaten von weltweit rund 40.000 Messstellen bereit, wobei das deutsche Netz der Bundeswasserstraßen – vom Rhein bis zur Elbe – vollständig abgedeckt ist. Die Anwendung visualisiert aktuelle Wasserstände, Trends und Wassertemperaturen, was Ihnen eine faktische Grundlage zur Einschätzung der Befahrbarkeit flacher Abschnitte oder niedriger Brückendurchfahrten liefert. Über die Einbindung offizieller Datenquellen können Bootsführer spezifische Flussprofile beobachten und die Entwicklung der Wasserstände über mehrere Tage verfolgen, um die Sicherheit bei der Törnplanung in Binnengewässern zu erhöhen.
Der Preis wird in unterschiedliche Modelle unterteilt. Während die Basisdaten werbefinanziert zur Verfügung stehen, schalten die Premium-Optionen Funktionen wie Push-Benachrichtigungen bei Erreichen individueller Grenzwerte sowie die werbefreie Kartendarstellung frei. Die werbefinanzierte Basisversion ist kostenlos. Das Premium-Upgrade (werbefrei, inklusive Push-Alarmen bei Hoch- oder Niedrigwasser) kostet 1 Euro pro Monat, sieben Euro im Jahr oder einmalig 29,99€ für die dauerhafte Nutzung.
Für Wassersportler in deutschen Gewässern ist die SafeTrx-App der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzR) ein unverzichtbares Sicherheits-Tool. Sie fungiert als direkte Schnittstelle zur Seenotleitung (MRCC Bremen) der DGzRS. Die App bietet zwei wichtige Funktionen: Im Ernstfall übermittelt ein roter Notruf-Button die exakte GPS-Position direkt an die Rettungsleitstelle, noch bevor das Gespräch aufgebaut wird. Für die passive Sicherheit sorgt die Tracking-Funktion. Der Skipper hinterlegt seine geschätzte Ankunftszeit (ETA) und die geplante Route. Wird diese Zeit ohne Rückmeldung überschritten, alarmiert das System automatisch einen privaten Notfallkontakt, der den Rettern Zugriff auf die letzte bekannte Position geben kann. Die App ist kostenlos.
Wer die Grenze in die Niederlande überschreitet, findet in der App ‚KNRM Helpt‘ das exakte Gegenstück der königlich-niederländischen Rettungsgesellschaft. Sie bietet für das Nachbarrevier denselben kostenlosen Funktionsumfang und ist das offizielle Sicherheits-Tool für alle Wassersportler in den Niederlanden.
Waterkaarten hat sich vor allem für die Binnen- und Küstengewässer Westeuropas als vollwertiges Navigationstool etabliert. Die App ermöglicht eine präzise Routenberechnung unter direkter Berücksichtigung von Bootshöhe, Tiefgang und Schiffsbreite. Ein technisches Kernmerkmal sind zudem die Live-Daten zu Brücken- und Schleusenöffnungszeiten, die zum Teil direkt über die Anwendung angefordert werden können. Die App konzentriert sich auf den Nordwesten (u. a. Niederlande, Deutschland, Frankreich, Dänemark). Für das Mittelmeer wird derzeit kein Kartenmaterial angeboten. Insbesondere in den Niederlanden ist die App sehr gut aufgestellt. Wer hier unterwegs ist, braucht die Live-Daten zu Brücken und Schleusen, um nicht stundenlang festzusitzen. Besonders praktisch: Die automatische Anfrage zur Brückenöffnung via App.
Die WinGPS App richtet sich an Skipper, die die Ästhetik der klassischen Papierkarte schätzen und diese digital auf dem Tablet oder Smartphone nutzen möchten. Als funktionaler Begleiter für die Navigation im Cockpit ermöglicht die App die Darstellung von Position, Kurs und Geschwindigkeit direkt auf dem vertrauten Kartenbild von Delius Klasing. Mit dem Kauf eines physischen Kartenatlasses, wird über einen Code der digitale Datensatz für die App freigeschaltet. Während die eigentliche App im Store kostenlos erhältlich ist, erfordert die professionelle PC-Software eine separate Lizenz, die einmalig zwischen 179€ und 419€ kostet.
In Nutzerberichten wird die komplizierte Aktivierungsprozess mittels physischer Codes kritisiert. Zudem berichten einige Nutzer von technischen Fehlern in der App. Dennoch bietet das System für Eigner, die bereits mit den Papierkarten von Delius Klasing oder Stentec arbeiten, eine konsistente digitale Erweiterung für den Einsatz direkt auf dem Wasser.

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