Wer heutzutage auf dem App-Markt den Überblick behalten will, braucht viel Geduld. Jedes Jahr kommen neue Apps auf den Markt und auch die bestehenden werden durch Updates weiterentwickelt. Ein richtiger Test aller verfügbaren Anwendungen und ihrer Funktionen würde Monate dauern. Um dennoch eine verlässliche Vergleichsgrundlage zu bieten, haben wir uns stattdessen auf die Analyse der Systemeigenschaften und die Auswertung der App-Store-Bewertungen konzentriert. Der folgende Überblick soll Ihnen dabei helfen, die richtige Wahl für Ihren Bedarf zu treffen.
Durch die zunehmende Konnektivität der Bordsysteme auf modernen Booten sind in den letzten Jahren viele neue Apps auf den Markt gekommen. Zusätzlich erschweren unübersichtliche Abo Modelle und Zusatzkosten die Entscheidung. Hier kommen 15 praktische Apps, die den Bordalltag erleichtern können.
Die App Navionics Boating zählt zu den am weitesten verbreiteten Apps für die nautische Navigation auf dem Markt. Als Teil des Garmin-Konzerns kann der Dienst auf großen Pool an Nutzerdaten zurückgreifen, was die Genauigkeit einiger Funktionen erhöht. Besonders hervorzuheben sind dabei die „SonarCharts HD“. Mit Tiefenlinien in einem 0,5-Meter-Raster bieten sie eine sehr hohe Genauigkeit. Ergänzt wird das Paket durch professionelle Funktionen wie das „Auto Guidance+”-Routing, Relief-Shading zur plastischen Darstellung des Meeresbodens und eine umfassende AIS-Integration.
Da die App laut den Nutzerbewertungen in gewissen Abständen eine Online-Anmeldung verlangt, kann das den Zugriff auf das bereits heruntergeladene Kartenmaterial auf offener See einschränken. Zudem ist die Funktionalität stark an das laufende Abonnement gebunden: Endet der Zeitraum, führt dies zum unmittelbaren Verlust zentraler Funktionen und Werkzeuge. Preislich setzt Navionics für die Saison 2026 auf regionale Pakete, wobei das Abonnement für die Ostsee bei jährlich 49,99€ liegt, während für das umfassendere Nordeuropa-Paket 99,99€ berechnet werden.
NavShip fungiert als spezialisierter Routenplaner für ein Netzwerk von über 550.000 Kilometern Wasserstraßen weltweit. Die App ermöglicht automatisches Routing, das Durchfahrtshöhen, Wassertiefen und Schleusen passgenau auf die hinterlegten Abmessungen des eigenen Bootes abstimmt. Im Gegensatz zu vielen anderen Systemen ist das globale Kartenmaterial bereits in den Abonnements integriert, sodass keine zusätzlichen Kosten für einzelne Reviere anfallen. Die Premium-Variante bietet darüber hinaus Zugriff auf tagesaktuelle Spritpreise, Wettervorhersagen sowie eine Offline-Funktion für die Navigation ohne Internetverbindung.
NV Charts verbindet Papierkarten und App-Nutzung: Mit dem Erwerb eines Kartenatlas ist der digitale Datensatz inklusive GPS-Navigation für ein Jahr kostenfrei enthalten. Die App ermöglicht dabei den nahtlosen Wechsel zwischen der klassischen Raster-Optik, die dem gewohnten Papierbild entspricht, und modernen Vektorkarten. Für Reviere wie Berlin, die Müritz oder die Küste bietet NV Charts zudem eigene Binnen-Karten-Sets an, die grafisch aufbereitet sind und exakt dem Bild deiner Papierkarte entsprechen.
Zum Funktionsumfang gehören ein europaweites Autorouting, Echtzeit-Layer für Gezeitendaten sowie eine Augmented-Reality-Funktion zur Identifizierung von Wasserzeichen im Kamerabild. Nutzer berichten jedoch gelegentlich von Instabilitäten, insbesondere auf älteren Android-Endgeräten, sowie von langen Ladezeiten der hochauflösenden Rasterkarten. Wer auf die gedruckten Karten verzichten möchte, kann ein rein digitales Abonnement für 49,90€ pro Jahr abschließen, welches für jeweils eine ausgewählte Region gültig ist.
Waterkaarten hat sich vor allem für die Binnen- und Küstengewässer Westeuropas als vollwertiges Navigationstool etabliert. Die App ermöglicht eine präzise Routenberechnung unter direkter Berücksichtigung von Bootshöhe, Tiefgang und Schiffsbreite. Ein technisches Kernmerkmal sind zudem die Live-Daten zu Brücken- und Schleusenöffnungszeiten, die zum Teil direkt über die Anwendung angefordert werden können. Die App konzentriert sich auf den Nordwesten (u. a. Niederlande, Deutschland, Frankreich, Dänemark). Für das Mittelmeer wird derzeit kein Kartenmaterial angeboten. Insbesondere in den Niederlanden ist die App sehr gut aufgestellt. Wer hier unterwegs ist, braucht die Live-Daten zu Brücken und Schleusen, um nicht stundenlang festzusitzen. Besonders praktisch: Die automatische Anfrage zur Brückenöffnung via App.
Die WarnWetter-App des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ist das offizielle Werkzeug für amtliche Wetterwarnungen in allen deutschen Gewässern. Neben den Küstenwarnungen für Nord- und Ostsee bietet die App spezielle Binnenseewarnungen für große Reviere wie den Bodensee oder die bayerischen Seen. Für Wassersportler auf Flüssen und Kanälen ist sie besonders durch die ortsgenauen Warnungen bis auf Gemeindeebene nützlich, die per Push-Nachricht vor Gewittern, Sturm oder Starkregen informieren. In der Anwendung lassen sich zudem Zugbahnen von Gewitterzellen, Blitzaktivitäten und hochauflösende Niederschlagsradare in Echtzeit verfolgen, um die Lage vor Ort sicher einzuschätzen.
Regen-Alarm ist ein spezialisiertes Überwachungstool, das den unmittelbaren Standort des Bootes per Regenradar im Blick behält. Während klassische Wetter-Apps wie die des DWD oft großflächige Warnungen ausgeben, liegt der Mehrwert hier in der individuellen Umkreis-Warnung: Der Skipper definiert einen Radius (z. B. 10 km), und die App schlägt sofort Alarm, sobald eine Niederschlagszelle diesen Bereich erreicht. Da das System auf Echtzeit-Radardaten statt auf berechneten Vorhersagemodellen basiert, eignet es sich ideal als „Wache“ im Hintergrund. So wird man beim Ankern oder im Hafen rechtzeitig per Push-Nachricht vor herannahenden Schauern oder Gewitterzellen gewarnt, ohne ständig selbst das Wetterbild kontrollieren zu müssen. Die App ist in der Grundversion kostenfrei und werbefinanziert. Funktionserweiterungen für Werbefreiheit, Mehrfach-Alarme oder zusätzliche Einstellungen lassen sich entweder einzeln oder als vergünstigtes Gesamtpaket dauerhaft freischalten.
Für den schnellen Abgleich der Bedingungen im Cockpit bleibt Windfinder ein verlässliches Werkzeug. Die Stärke der App liegt in den präzisen Echtzeitdaten, die über ein engmaschiges Netz globaler Messstationen generiert werden. Während der „Superforecast“ eine stündlicher Vorhersage bietet, ist die Anwendung für die großräumige Wetterplanung auf See nur bedingt geeignet, da ihr Fokus auf einzelnen Orten liegt. Kritisiert wird vor allem die präsente Werbung in der kostenlosen Variante sowie die unübersichtliche Differenzierung zwischen den Versionen „Plus“, „Free“ und der veralteten „Pro“. Das werbefreie Plus-Abo ist für 12,99€ im Jahr erhältlich.
Windy.com hat sich durch die anschauliche grafische Aufbereitung von Wetterdaten als Standard auf vielen Booten etabliert. Besonders die flüssigen Partikel-Animationen ermöglichen es dem Bootsführer, Wind- und Wellenbewegungen intuitiv zu erfassen. Ein wesentlicher Vorteil für die Törnplanung liegt im Modell-Vergleich: Über die „Compare“-Funktion lassen sich Vorhersagen von ECMWF, GFS, ICON und AROME direkt gegenüberstellen. Aktuelle Erweiterungen erlauben außerdem die Routenplanung entlang eines manuell gezeichneten Kurses. In den Nutzerkommentaren stößt meist die restriktive Preispolitik auf Kritik, da die Gratis-Version lediglich Drei-Stunden-Intervalle bietet und die präzisere Ein-Stunden-Vorhersage zahlenden Premium-Kunden vorbehalten bleibt. Das Abonnement schlägt jährlich mit etwa 26,00€ zu Buche.
Die ADAC Skipper App ist das digitale Pendant zum klassischen Marina-Führer und bietet detaillierte Informationen zu rund 4.000 Häfen in Europa, wobei der Schwerpunkt sehr stark auf den deutschen Revieren liegt. Neben Infos zur Infrastruktur bietet die App einen Törnplaner und Wetterdaten, was sie für viele deutsche Motorbootfahrer aufgrund der schieren Menge an Telefonnummern und Hafeninfos fast unverzichtbar macht. Man sollte jedoch eine gewisse Vorsicht walten lassen: Das automatische Routing im Binnenbereich gilt als fehleranfällig und führt Boote gelegentlich durch zu flache Gewässer oder vor zu niedrige Brücken. Zudem sind viele hilfreiche Funktionen erst nach Abschluss des kostenpflichtigen „Pro“-Abos nutzbar. Die Pro-Version bietet erweiterte Funktionen wie Offline-Karten und eine detaillierte Törnplanung zu einem jährlichen Festpreis. Dabei profitieren ADAC-Mitglieder von einer vergünstigten Kondition gegenüber Nicht-Mitgliedern.
Der AnchorChainCalculator ist ein spezialisiertes Analysewerkzeug für Skipper, die eine physikalisch fundierte Absicherung ihres Ankerplatzes suchen. Basierend auf den Schiffseigenschaften berechnet die Anwendung, ab welcher Windkraft ein Anker unter Berücksichtigung von Wassertiefe, Kettenvorlauf, Gewicht und Ruckdämpfern seine Haltekraft verlieren könnte. Die App wird in der Community vor allem für ihre mathematische Genauigkeit geschätzt und kann ein wertvolles Instrument sein, wenn man mal länger vor Anker liegt. Ein Einmalkauf schlägt mit etwa 8,99€ zu Buche, ohne weitere Abonnement-Kosten. Die App hilft Motorbootfahrern dabei, das Risiko eines ausbrechenden Ankers in engen Buchten zu minimieren, indem sie die physikalischen Kräfte präzise auf die jeweilige Bootsform zuschneidet.
Navily hat sich als Community-Tool für die Törnplanung in europäischen Gewässern und im Mittelmeer etabliert. Mit über 300.000 Nutzerkommentaren zu Ankerbuchten und Häfen bietet die App eine Informationsdichte, die über klassische Handbücher hinausgeht. Ein technisches Kernmerkmal ist der „Schutz-Score“, ein Algorithmus, der basierend auf Geografie sowie Wind- und Schwellprognosen die Sicherheit eines Liegeplatzes kalkuliert. In über 700 Partner-Marinas lassen sich Liegeplätze zudem direkt über die Plattform reservieren. Die kostenfreie Basisversion setzt eine permanente Internetverbindung voraus. Für den Offline-Modus und eine 72-Stunden-Vorhersage ist das Premium-Abonnement für 29,99€ pro Jahr erforderlich. Da die App keine präzisen Tiefenlinien liefert, ist die Nutzung einer amtlichen Seekarte zwingend notwendig.
Savvy Navvy bietet eine einfache Benutzeroberfläche die gezielte Funktionen für die Motorschifffahrt integriert. Im Gegensatz zu reinen Segel-Anwendungen verfügt die App über einen dedizierten Motorboot-Modus, der keine Kreuzschläge berechnet, sondern direkte Routen unter Berücksichtigung von Wassertiefen und Hindernissen plant. Ein entscheidender Mehrwert für Motorbootfahrer ist die integrierte Kraftstoff-Kalkulation: Basierend auf den individuellen Bootsdaten und der Marschgeschwindigkeit schätzt die App den voraussichtlichen Verbrauch für die geplante Strecke. Zudem liefert das System präzise Ankunftszeiten (ETA), die Strömungen und Gezeiten direkt in die Zeitplanung einbeziehen, ohne dass der Nutzer komplexe nautische Berechnungen manuell durchführen muss.
In Nutzerkommentaren wird häufig angemerkt, dass der Routing-Algorithmus Kurse teils sehr nah an Kaps oder Untiefen plant, weshalb eine manuelle Kontrolle der Route vor Fahrtbeginn unerlässlich bleibt. Viele Anwender kritisieren zudem den hohen Energiebedarf der App, der durch permanente Hintergrundberechnungen für Wetter- und Positionsdaten verursacht wird. Bei der Kostenplanung ist zu beachten, dass die Karten für dänische Gewässer aufgrund spezieller Lizenzbestimmungen einen Aufpreis auf das jeweilige Abo-Modell erfordern.
Diese zentrale Schnittstelle für Garmin-Eigner ermöglicht den Erwerb und die drahtlose Übertragung von Seekarten via „OneChart“ sowie das Management sämtlicher Software-Updates im Bordnetz. Ein Highlight ist die „Helm“-Funktion, mit der das Display der GPSMAP-Serie auf ein Tablet gespiegelt und von dort aus fernbedient werden kann. Zudem bietet die App Zugriff auf Community-Feedbacks zu Hafenanlagen und selbst erstellte „Quickdraw“-Tiefenkarten. In der Praxis werden jedoch gelegentlich Fehlermeldungen bei großen Downloads (WLAN-Abbrüche) und Latenzen im OnDeck-Fernüberwachungssystem kritisiert. Die App selbst ist kostenlos, Karten müssen zusätzlich gekauft werden.
Nauti-Control ist eine spezialisierte Nachrüst-Lösung des Entwicklers Philip Black, um primär Autopiloten von Raymarine (via SeaTalk oder NMEA 2000) drahtlos per Smartphone oder Smartwatch zu steuern. Während die App herstellerübergreifende Netzwerkdaten wie Tiefe oder Geschwindigkeit auf individuellen Dashboards anzeigen kann, ist die aktive Steuerung (Kurskorrekturen +/- 1° oder 10°, Standby/Auto) auf Raymarine-Systeme spezialisiert. Für Motorbootfahrer bietet das System den Vorteil, den Kurs auch außerhalb des festen Steuerstandes korrigieren zu können.
Voraussetzung für den Betrieb ist ein passendes Funk-Gateway des Herstellers Nauti-Control, das als Schnittstelle fest im Bordnetz installiert werden muss. Ohne dieses Hardware-Modul ist keine Verbindung zum Autopiloten möglich.
Das NMEA Dashboard dient Android-Nutzern als flexibles Anzeigeinstrument, um Daten aus dem Bordnetz via WLAN auf dem Tablet oder Smartphone zu spiegeln. Für Motorboot-Eigner liegt der Schwerpunkt auf der detaillierten Überwachung von Motorparametern wie Drehzahl, Öldruck, Batteriespannung und Temperaturen, die in vollkommen individuell gestaltbaren Layouts dargestellt werden können. Ein wesentlicher Sicherheitsaspekt sind die konfigurierbaren Alarme, die den Skipper sofort akustisch oder visuell über kritische Werte, wie etwa eine steigende Motortemperatur, informieren. Auch wenn das Design eher zweckmäßig und schlicht ausfällt, überzeugt die Anwendung durch eine sehr stabile Datenverarbeitung und einen geringen Ressourcenverbrauch im Dauerbetrieb.