Für viele Eigner gehört das Kranen zu den heikelsten Momenten der Saison. Spätestens wenn das eigene Boot frei in den Gurten hängt, steigt der Puls. Dabei ist es oft nicht der eigentliche Hub, der Probleme macht, sondern die Vorbereitung.
Manchen Eignern fehlt die Routine. Die meisten kranen schließlich nur ein- oder zweimal im Jahr, im Frühjahr und Herbst. Umso wichtiger ist es, die entscheidenden Punkte vorher zu kennen und vor Ort ohne Hektik abzuarbeiten.
Größere Boote werden meist per Kran oder Travellift zu Wasser gelassen oder herausgenommen. An vielen Binnenrevieren und bei Trailerbooten gehört das Kranen dagegen fast zum Alltag. Vor allem Einsteiger fragen sich oft, worauf es wirklich ankommt. Die gute Nachricht: Wer sauber vorbereitet, senkt das Risiko deutlich.
Bevor das Boot ins Wasser geht, sollten alle Ventile kontrolliert werden. Sie müssen geschlossen sein und auch die angeschlossenen Schläuche verdienen einen Blick. Sind sie noch flexibel, sehen sie intakt aus und sitzen sie sauber auf dem Anschluss? Zwei Schlauchschellen sind hier die sichere Lösung.
Auch Geber können zur bösen Falle werden. Wurden sie im Winter gezogen, etwa zum Reinigen oder weil sie nicht mit Antifouling gestrichen werden sollten, müssen sie vor dem Krantermin wieder korrekt eingesetzt sein.
Wichtig ist auch die Kontrolle direkt nach dem Zuwasserlassen. Solange das Boot noch im Geschirr hängt, sollten Ventile, Geber, Stopfbuchse einer Wellenanlage und die Dichtmanschette eines Saildrives zügig geprüft werden. Ein Ventilplan an Bord hilft dabei, keine Stelle zu vergessen. Wird in dieser Phase eine Leckage entdeckt, kann das Boot sofort wieder gehoben werden.
Eine der wichtigsten Fragen vor dem Anheben lautet: Wo müssen die Gurte sitzen? Kranmarken sind dafür die beste Hilfe. Wer keine Markierungen hat, kann die Werft fragen oder sich an baugleichen Booten orientieren. Auch Schotten unter Deck geben oft gute Hinweise, weil der Rumpf dort belastbarer ist.
Der hintere Gurt muss frei von Saildrive oder Wellenanlage verlaufen. Der vordere sollte weit genug achtern sitzen, damit er nicht nach vorn herausrutschen kann. Gibt es keine sicheren Erfahrungswerte, hilft nur vorsichtiges Anheben und schrittweises Versetzen.
Ein schief hängendes Boot darf niemals weit angehoben werden. Was einmal zu rutschen beginnt, lässt sich kaum noch kontrollieren. Deshalb sollten die Gurte schon beim Probieren und erst recht beim eigentlichen Kranen gegen Verrutschen gesichert werden. Wer regelmäßig mit demselben Geschirr arbeitet, spart später Zeit, wenn die richtige Position dauerhaft markiert ist.
Ein kleiner Rest Antifouling sollte beim Krantermin griffbereit sein. Kielsohle und Auflageflächen lassen sich im Winterlager oft nicht vollständig streichen. Diese Stellen können dann nachgearbeitet werden, wenn das Boot in den Gurten hängt.
Ideal ist das nicht. Der Untergrund ist häufig nicht perfekt vorbereitet, und nasse Farbe direkt vor dem Zuwasserlassen ist ebenfalls nicht optimal. Trotzdem ist es meist besser, als die Stellen ganz ungeschützt zu lassen. Wichtig ist nur, dass Material und Werkzeug bereitliegen und es dadurch nicht zu unnötigen Verzögerungen kommt. Unter einer schwebenden Last sollte außerdem nur gearbeitet werden, wenn das Boot sicher und stabil angeschlagen ist.
Die Vorbereitung sollte so erfolgen wie vor einem Anlegemanöver. Fender raus, Festmacher klar, Zuständigkeiten geklärt. Auf der Seite, an der das Boot unter dem Kran festgemacht wird, sollten mindestens vier Fender hängen.
Auch die Leinen müssen lang genug sein. Sie müssen selbst dann noch gut zu greifen sein, wenn das Boot bereits angehoben ist oder beim Absenken tief hängt. Eine Person sollte eine Leine am Bug führen, eine weitere am Heck. Besonders bei Wind hilft das, unkontrolliertes Schaukeln oder Drehen zu verhindern.
Wie das Boot am Kran angeschlagen wird, hat großen Einfluss auf Stabilität und Belastung. Ideal sind Vier-Punkt- oder Scheren-Traversen. Sie halten die Gurte weitgehend senkrecht und verteilen die Last günstig. Ähnlich entspannt ist das Kranen mit einem Travellift.
Bei kleineren Booten ist aber Vorsicht geboten. Ist der Gurtabstand zu groß, können Boote leichter zwischen den Gurten hindurchrutschen. Dann muss die Gurtposition besonders sorgfältig gesichert werden.
Eine Quertraverse ist für kleinere Boote oft eine gute Lösung, solange sie wirklich quer und nicht längs zum Boot eingesetzt wird. Problematischer ist das Kranen direkt an nur einem Haken. Dann steigt die Belastung des Rumpfs deutlich, und die Gurte müssen besonders sauber gesichert werden. Heißstropps eignen sich dafür nur dann gut, wenn sie von der Werft vorgesehen sind und die Anschlagpunkte entsprechend verstärkt wurden. Außerdem muss die Last im Boot gleichmäßig verteilt sein, damit es nicht stark vor- oder achterlastig hängt.
Beim Absetzen auf einen Trailer muss nicht jeder Zentimeter sofort passen. Oft geht es schneller, den Trailer kurz vor dem Aufsetzen noch etwas per Hand zu rangieren, als das Boot millimetergenau mit dem Kran einzuschwenken.
Bei doppelachsigen Trailern kann das Rangieren leichter werden, wenn das Bugrad so eingestellt ist, dass eine der beiden Achsen entlastet wird. Der Grund: Bei engen Kurven arbeiten die Achsen wegen ihrer unterschiedlichen Kreisradien gegeneinander. Das erzeugt viel Reibung und macht das Verschieben schwer.
Wird das Manöver von geschultem Personal oder einem Kranunternehmen durchgeführt, liegt die Verantwortung im Schadensfall in der Regel dort. Trotzdem ist es sinnvoll, den eigenen Versicherer sofort zu informieren. Das kann wichtig sein, wenn vom Kranunternehmen nur der Zeitwert ersetzt wird und eine Lücke entsteht.
Eigner sollten außerdem die AGB des Kranunternehmens, des Hafenbetreibers oder auch des Vereins prüfen. Dort können Regressansprüche eingeschränkt oder ausgeschlossen sein. Genau solche Punkte sollte der eigene Versicherer kennen.
An manchen Binnenrevieren oder bei kleineren Anlagen müssen Eigner selbst kranen. In solchen Fällen haften sie für Schäden am eigenen Boot in aller Regel selbst, mitunter auch für Schäden am Kran. Deshalb sollte vorher geprüft werden, ob Kasko- und Haftpflichtversicherung solche Fälle abdecken.
Wer einen Kran selbst bedient, sollte sich die Anlage unbedingt erklären lassen. Die zugelassene Höchstlast darf natürlich nicht überschritten werden. Beim Bedienen gilt: langsam anfangen, nie hektisch werden und möglichst immer nur eine Funktion gleichzeitig auslösen. Ein Boot sollte zudem nie höher angehoben werden als nötig. Je weiter es vom Boden entfernt ist, desto schwieriger wird die Kontrolle über Hilfsleinen.
An stark gebuchten Kranterminen entsteht schnell Druck. Dahinter warten die Nächsten, der Zeitplan ist eng, und plötzlich soll alles schneller gehen. Genau das ist der Moment, in dem Fehler entstehen.
Deshalb gilt: den äußeren Druck nicht annehmen. Nach dem Zuwasserlassen sollte das Boot nicht sofort aus dem Geschirr genommen werden. Erst kommt der schnelle Dichtigkeitscheck. Dann erst der nächste Schritt. Wer dafür einen Ventilplan an Bord hat, spart Zeit und gewinnt Sicherheit. Sollte über den Winter doch ein Schaden entstanden sein, kann das Boot noch im Geschirr sofort wieder aus dem Wasser genommen werden.
Wird das Manöver vom Kranunternehmen oder vom geschulten Hafenpersonal durchgeführt, ist dort in der Regel auch die Haftung zu suchen. Der eigene Versicherer sollte trotzdem sofort informiert werden.
Nicht sofort nach dem Zuwasserlassen. Sinnvoll ist ein kurzer Kontrollgang, solange das Boot noch im Geschirr hängt. So lassen sich mögliche Leckagen sofort erkennen.
Vor allem die richtige Gurtführung und die Sicherung gegen Verrutschen. Bei kleinem Boot und großem Gurtabstand steigt das Risiko, dass das Boot ungünstig hängt oder zwischen den Gurten rutscht.

Chefredakteur Digital