Traben-Trarbach wurde vom 17. bis 19. Juli zum Treffpunkt für Bootsfahrer, die ihre Manöverpraxis gezielt verbessern wollten. Beim ersten BOOTE-Fahrtraining auf der Mosel drehte sich alles um sicheres und souveränes Handling auf dem Binnenrevier – mit besonderem Fokus auf das Schleusenmanöver. Denn gerade vor dem Ein- und Ausfahren in Schleusen haben viele Skipper großen Respekt.
Insgesamt 21 Teilnehmer meldeten sich zu dem Training an, darunter Paare ebenso wie Einzelpersonen. Organisiert wurde das Event gemeinsam mit unseren Boote Polch, der Bootsschule OnWater, dem WeBoat Club und Pantaenius. Die Bedingungen auf dem Wasser waren dabei weitgehend ideal: Bei Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad überwog die Sonne, auch wenn auffrischender Wind das eine oder andere Anlegemanöver anspruchsvoller gestaltete.
Bereits der Auftakt am Freitagabend bot einen besonderen Einstieg. Patric Polch begrüßte die Teilnehmer auf dem Firmengelände und gab ihnen bei einer Führung durch die Hallen einen Blick hinter die Kulissen. Anschließend ging es per Boot zum historischen Firmengelände, wo ein gemeinsames Abendessen mit einer Weinprobe des Weinguts Bindges auf dem Programm stand. Bei einem malerischen Sonnenuntergang konnten sich die Teilnehmer und Trainer besser kennenlernen. Siegbert Hettche erzählt an dem Abend, dass er bereits viermal am BOOTE-Fahrtraining teilgenommen hat. „Ich besitze kein eigenes Boot, deshalb nutze ich das Fahrtraining gerne dazu, verschiedene Reviere und – vorallem Gleichgesinnte – kennenzulernen.” Teilnehmerin Carmen Kanow berichtet gegenüber BOOTE, dass für sie vorallem das richtige Handling bei einem Solo-Törn im Vordergrund stehe. Mit ihrem Partner war sie zuvor segeln, jedoch wünschte sie sich eine Möglichkeit, um alleine aufs Wasser zu fahren. Im Mai 2019 machte sie ihren Sportbootführerschein, der seit April 2021 auf ihrer Seamaster zum Einsatz kommt.
Für das Fahrtraining auf der Mosel standen eine Axopar 29 XC, eine Nimbus C11 und eine Storebro 410 Commander bereit. In rotierenden Gruppen konnten die Teilnehmer unterschiedliche Bootstypen kennenlernen – und unmittelbar erleben, wie verschieden sich die Modelle in Hafenmanövern und beim „gefürchteten“ Schleusen verhalten. Einige Teilnehmer berichteten, dass es für sie das erste Mal gewesen sei, ein Boot mit zwei Maschinen oder mit Unterstützung durch ein Bugstrahlruder zu fahren.
Nach präzisen Manövern an verschiedenen Stegen auf dem Binnenrevier führte die gemeinsame Strecke bis zur Hochmoselbrücke. Im Fokus des ersten Ausgabe der Veranstaltung stand vor allem das Schleusentraining. Von Hafen Traben-Trarbach aus fuhren die Boote zur Schleuse Enkirch. Dort konnten die Teilnehmer gleich zwei unterschiedliche Schleusentypen erleben: die große Schleuse für die Berufsschifffahrt mit 175 Metern Länge und 12 Metern Breite sowie die separate Bootsschleuse mit 18 Metern Länge und 3,2 Metern Breite. Die Storebro und die Nimbus fuhren teilweise zeitgleich mit der Berufsschifffahrt in die große Kammer ein. So konnten die Gruppen unmittelbar erfahren, wie wichtig präzises Manövrieren auf engem Raum ist und worauf es in der Schleusenkammer ankommt. Alle Teilnehmer bekamen gleich mehrmals die Gelegenheit, sowohl eine Tal- als auch eine Bergfahrt in beiden Schleusen mitzuerleben. „Am Anfang war ich ein bisschen nervös, aber bis auf die glitschigen Spundwände, an die man sich erst gewöhnen muss, ging das ganz gut”, lautet das Fazit von Daniela Rodenbach, die sich mit ihrem Mann Rolf zum Training anmeldete.
Unterstützt wurden sie dabei von den erfahrenen Skippern von Boote Polch, die jeden Schritt erklärten und begleiteten. Auf dem Trainingsplan standen unter anderem Funkkommunikation, Einfahren in die Schleuse, richtige Positionierung der Fender, Leinenführung, sicheres Ausfahren sowie das korrekte Verhalten gegenüber der Großschifffahrt. „Das Schleusen mit in der Kammer mit den großen Schiffen war total spannend”, sagt Matthias Ganter. Siegbert Hettche schließt sich dem an.
Für viele war das Schleusentraining der ausschlaggebende Grund für die Anmeldung. Das Schleusen gilt als anspruchsvoll, vor allem wenn Strömung, Wind oder enge Platzverhältnisse hinzukommen. Umso wertvoller war für die Teilnehmer die Möglichkeit, die Abläufe mehrfach unter Anleitung zu üben und dabei Routine zu gewinnen. „Es war ein rundum gelungenes Wochenende, das uns nicht nur fachlich viel gebracht hat, sondern auch richtig viel Freude bereitet hat“, lautet das Fazit von Matthias Ganter.
Neben der Praxis spielte auch die Theorie eine wichtige Rolle. Ole Pietschke von Pantaenius vermittelte den Teilnehmern, worauf es bei einem Seenotfall oder einem Brand an Bord ankommt. Sicherheit habe an Bord immer oberste Priorität, machte der Experte deutlich. Zwei Teilnehmer demonstrierten das Auslösen einer Rettungsweste.
Anschließend wurden zwei Rettungsinseln ins Wasser geworfen und die Abläufe erklärt. Dabei betonte der Versicherungsexperte, wie wichtig die richtige Vorbereitung ist: Die Rettungsinsel müsse vorab an Bord gesichert werden, damit sie nicht abtreibt. Ebenso warnte er davor, im Ernstfall vorschnell vom sinkenden Boot ins Wasser zu springen, um anschließend in die Rettungsinsel zu klettern – das sei nur die letzte Option.
Zum Sicherheitstraining gehörten außerdem die Demonstration eines Person-über-Bord-Manövers sowie das Auslösen von Signalraketen. Auch dieser Programmpunkt stieß bei den Teilnehmern auf großes Interesse und zeigte, wie eng Fahrpraxis und Theorie auf dem Wasser zusammengehören. „Ich nehme eine Menge neuer Anregungen, tollen Eindrücken und schönen Erinnerungen mit“, sagt Carmen Kanow abschließend.
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Redakteurin Wassersport Digital-Redaktion
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