BootsangelnSascha Todtenhausen verrät im Interview, wie ein Angelturnier abläuft

Thorsten Trojan

 · 04.04.2026

Wer richtig vorbereitet, hat auch Erfolg: Sascha Todtenhausen verrät, wie es beim Turnier abläuft – und was für ihn zählt.
Foto: Jochen-Elpers
​Sascha Todtenhausen über Druck, Bootssysteme und die Ruhe im entscheidenden Moment. Sascha fischt alle großen Wettbewerbe und hält viele Titel. Nicht um lauter zu sein als andere. Sondern um genauer zu werden. Wir sprechen über sein Boot als Arbeitsplatz, über die Kunst, Stress in Routine zu verwandeln – und da­rü­ber, warum Nachwuchsformate und lange Nächte auf dem Wasser den Sport verändern.

​Wenn du Wettbewerb in einem Satz erklären müsstest, wie klingt er?

„Wettbewerb ist Angeln ohne Ausreden.“ Du merkst sofort, was wirklich funktioniert – am Boot, an der Technik, im Team. Und du merkst genauso schnell, wo du dir im Alltag etwas „schönredest“. Im Turnier zählt nur: Ist dein Ablauf stabil?

Was ist die wichtigste Eigenschaft deines Boots: PS, Tempo, Layout?

Layout. Das ist unsexy, aber wahr. Wenn alles seinen Platz hat, bleibst du ruhig. Und Ruhe ist am Ende schneller als jede Hektik. Ein schnelles Boot ohne Ordnung ist wie ein Sportwagen mit losem Werkzeug im Fußraum.


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Wie organisiert ihr das Deck, damit es unterwegs nie chaotisch wird?

Wir haben Zonen. Bug ist Bug – da liegt nur, was dort gebraucht wird. Heck ist Heck. Das Board hat seinen Platz. Kescher hat seinen Platz. Und alles, was nicht zwingend ist, bleibt weg. Chaos ist Zeitverlust – und Zeitverlust macht Fehler.

Was ist im Wettkampf die größte Falle?

Diskussionen. „Sollen wir …? Vielleicht doch …?“ Du brauchst Entscheidungsregeln: Wenn Spot A nicht läuft, wechseln wir nach X Minuten. Wenn der Wind dreht, nehmen wir Plan B. Und dann ziehen wir das durch.

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Welche Technik hilft – und welche kann auch stören?

Alles, was schnell bedienbar ist, hilft. Stören kann alles, was dich in Menüs zieht. Du musst dein Set-up so kennen, dass du es nicht „bedienst“, sondern nutzt. Sonst bist du irgendwann mehr Techniker als Angler.

Wie bereitest du Boot und Crew am Vorabend vor?

Wir gehen das Boot wie eine Checkliste durch: Fixpunkte, Batterien/Stecker, Notfall-Kit, Werkzeug, Köderlogik. Dann ist Schluss. Du kannst dich nicht in die Nacht hinein optimieren. Schlaf ist auch Performance.

Wer macht was an Bord – und warum ist das so wichtig?

Rollen sparen Worte. Einer fährt. Einer ist für das „Handling“ zuständig. Einer für die „Dokumentation“. Und jeder kann den anderen ablösen, aber nicht gleichzeitig. Wenn jeder alles macht, macht irgendwann keiner etwas richtig.

Welche Modifikation würdest du jedem empfehlen?

Saubere Installation und klare Beschriftung. Das klingt klein, ist aber riesig. Wenn im Stress etwas ausfällt, willst du nicht raten. Du willst wissen.

Der JuniorCup: Was bedeutet dir Nachwuchs?

Der JuniorCup ist mehr als „süß“. Er ist ernst. Die Kids lernen Respekt, Routine, Sicherheit. Und sie bringen frischen Blick. Das tut dem Sport gut – und uns Erwachsenen auch.

Und das neue 24-h-Format: Reizt dich das?

Total. Weil es Rhythmus ist. Nicht nur „schnell“, sondern „lange gut“. Da zeigt sich, ob dein System auch nachts trägt – körperlich, mental, technisch. Das ist eine andere Art von Druck.

Dein Rat an jemanden, der Turnierluft schnuppern will?

Fang bei deinem Boot an, nicht bei deinem Köder. Bau dir einen Ablauf. Üb das Handling. Mach’s sauber. Wenn du ruhig bleibst, wirst du automatisch besser – und irgendwann auch schneller. Das Turnier in Kampen, die 24h, ist im Übrigen wie gemacht für Angler, die „Turnier“ einmal ausprobieren wollen. Letztes Mal haben „Newcomer“ das Feld dominieren können.


Thorsten Trojan

Thorsten Trojan

Freier Autor, Angelexperte

Thorsten Trojan ist der Angelboot-Experte des BOOTE Magazins. Als Hersteller von Aluminium-Arbeits- und Angelbooten und als Partner internationaler Marken kennt er die gesamte Kette: von der ersten Skizze über den Bau in der Werkstatt bis zum Härtetest auf Nordsee, Rhein oder Fjord. Gleichzeitig ist er als Organisator großer Raubfisch-Events und Turniere tief in der Angelszene verwurzelt und im ständigen Austausch mit Profis, Guides und ambitionierten Freizeitanglern. Die Kombination aus Handwerk, Technikverständnis und gelebter Praxis macht ihn zu einem profilierten Kenner dieser Nische.

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