Ein Bootsführerschein vermittelt das theoretische Fundament, doch die Praxis sieht oft anders aus: Enge Hafenbecken, starker Wind, Wellengang oder Dunkelheit stellen Skipper vor Herausforderungen, die nur durch Übung zu meistern sind. Wer ein Motorboot souverän steuern möchte, muss raus aufs Wasser. Genau das taten vom 9. bis 11. April 25 Teilnehmer beim BOOTE-Fahrtraining im Port Calanova auf Mallorca. Bei optimalen Bedingungen mit Sonnenschein und Grad vertieften sie ihre Kenntnisse beim Bootfahren.
Organisiert wurde das Event gemeinsam mit unseren Partnern Boote Polch, der Bootsschule OnWater und Pantaenius. Gefahren wurde mit aktuellen Modellen von Axopar und Nimbus. Sie boten den Teilnehmern ideale Voraussetzungen, um unterschiedliche Bootstypen und Antriebskonzepte kennenzulernen. Die Teilnehmer konnten direkt vergleichen, wie sich Boote mit einem oder zwei Motoren sowie Außen- und Innenborder im Fahrverhalten unterscheiden.
Ausgebildete Skipper standen mit Rat und Tat zur Seite und demonstrierten, wie sich ein Boot auch bei hohem Tempo jederzeit kontrollieren lässt. “Alle Trainer gehen individuell auf die Fragen ein, was wirklich sehr hilfreich ist”, sagt Tina Moersdorf aus Trier. Sie meldete sich gemeinsam mit ihrem Mann Tobias an und gibt zu, dass sie nicht gerne die Kontrolle abgibt. “Die erfahrenen Skipper geben auch mir mehr Sicherheit an Bord.”
Auf dem Lehrplan standen klassische Manöver wie das An- und Ablegen bei unterschiedlichen Windverhältnissen, präzises Geradeaus- und Kurvensteuern sowie kontrolliertes Fahren bei höherem Tempo und in der Welle. “Ich habe gedacht, dass wir vielleicht ein bisschen hin- und herfahren, aber das sogenannte Hafenballet war eine gute Bedingung zum Lernen. Das habe ich so nicht erwartet”, sagt Oliver Preiss aus Gießen. Er machte seinen Sportbootführerschein vor vier Jahren. “Dadurch, dass die Gruppen wechseln, bekommt man Input von jedem Skipper und die Chance aus der Schnittmenge seinen eignen Fahrstil zu finden.” Ihm sei aufgefallen, dass wenn der Gashebel versehentlich in die falsche Richtung rutschte, die Skipper alle Ruhe bewahren. Diese Erkenntnis nimmt auch Teilnehmer Achim mit, der mit seiner Frau die Baleareninsel als zweite Heimat gewählt hat.
Ein weiterer Programmpunkt widmete sich dem Thema Ankern: Woran erkennt man einen sicheren Ankerplatz? Wie bringt man das Ankergeschirr korrekt aus? Und welche Möglichkeiten gibt es, den Halt des Ankers zu überwachen? Diese Fragen wurden den Teilnehmern in der Praxis beantwortet.
Ein besonderes Highlight war die Nachtfahrt, die 2025 in das Programm aufgenommen wurde und auf positive Resonanz stieß. Vom Wasser aus genossen die Teilnehmer einen spektakulären Blick auf Palma und die illuminierte Kathedrale. Das bestätigt Teilnehmer Malte Seyen: “Die Nachtfahrt ist einzigartig und hat viel Spaß gemacht.”
Doch die nächtliche Ausfahrt war mehr als nur Sightseeing: Sie zeigte deutlich, wie anspruchsvoll die Navigation bei Dunkelheit sein kann. Hell erleuchtete Küstenabschnitte erschweren das Erkennen und Identifizieren von Seezeichen erheblich. Moderne Navigationstechnik wie AIS, Radar oder Nachtsichtkameras können hier unterstützen – vorausgesetzt, der Skipper beherrscht den Umgang damit. Auf den im Port Calanova bereitstehenden Trainingsbooten konnten die Teilnehmer solche Systeme realitätsnah testen. Das war für den Teilnehmer Carlo Calchera wichtig: “Das muss man einmal selbst erlebt haben. Wenn man ohne Skipper unterwegs ist, sollte man eine Fahrt bei Nacht schließlich auch alleine schaffen und wissen worauf es ankommt.” Der Teilnehmer aus Trier findet es zudem hilfreich die verschiedenen Bootstypen zu testen.
Am letzten Tag stand das Thema Sicherheit im Fokus: Pantaenius-Experte Ole Pietschke erklärte, worauf Bootsfahrer bei Rettungswesten, Feuerlöschern, EPIRB und weiteren Rettungsmitteln achten müssen. Malte Seyen konnte seine Annahme vom Vortag somit verifizieren: “Beim Thema Sicherheit lernen wir nie aus. Hilfe an Bord ist nicht zu unterschätzen.”
Theorie allein reichte auch hier nicht: Ein mutiger Teilnehmer sprang freiwillig mit Neoprenanzug in das knapp 16 Grad kalte Wasser, um die automatische Auslösung der Rettungsweste zu testen und verschiedene Techniken im Umgang mit der Rettungsinsel auszuprobieren. Zum Abschluss gab es eine letzte gemeinsame Fahrt mit Lunch auf den Booten. “Wir hatten mit dem BOOTE-Fahrtraining eines der schönsten Wochenenden”, lautet das Fazit von Tina Moersdorf nach drei intensiven Tagen auf Mallorca.
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Redakteurin Wassersport Digital-Redaktion