Apps zum Boot fahrenDas Smartphone als digitale Schaltzentrale

David Ingelfinger

 · 11.07.2023

Apps zum Boot fahren: Das Smartphone als digitale Schaltzentrale
Foto: YACHT/A. Lindlahr
Ob als Kartenplotter oder bei der Wettervorschau, Apps können viele wichtige Aufgaben an Bord erleichtern. Einige sind darauf spezialisiert als mobile Instrumentenanzeige zu fungieren: Sie bilden dabei die Schnittstelle zur vorhandenen Bordelektronik und spiegeln die Informationen auf das Tablet oder Smartphone. Hier sind 15 nützliche Begleiter für Ihr digitales Cockpit.

Zunächst sollten Sie wissen: Um die meisten Apps effektiv als Bordinstrumente zu nutzen, ist häufig spezielle Hardware erforderlich, welche die einzelnen Bordmodule nahtlos mit der Software vernetzt. Sobald die Verbindung steht, bietet sich dem Bootsführer jedoch eine flexible wie kosteneffiziente Übersicht über alle relevanten Systeme. Viele Gerätehersteller bieten auch selbst spezialisierte Apps an, die bei vorhandener Hardware oft kostenlos genutzt werden können.

​​Da ein richtiger Praxistest aller verfügbaren Apps und ihrer Funktionen in der Praxis nur schwer umsetzbar ist, haben wir uns auf die Analyse der App-Funktionen und die Auswertung von App-Store-Bewertungen konzentriert. Dieser Überblick soll Ihnen dabei helfen, die Stärken und Schwächen der einzelnen Systeme besser einzuschätzen und die passende Wahl für Ihre persönlichen Anforderungen zu treffen.


Display0183M

Apps zum Boot fahren

Die Anwendung Display0183M ist ein spezialisierter Daten-Viewer für das NMEA-0183-Protokoll. Sie wandelt WLAN-Daten in numerische Werte oder grafische Kurven um. Bemerkenswert ist die Unterstützung von ActiveLook-Brillen (z. B. Engo), welche die Daten unmittelbar in das Sichtfeld des Skippers spiegeln. Für die Nische älterer Bordarchitekturen bleibt die kostenlose App ein funktionales Hilfsmittel und fungiert als kosteneffizienter Problemlöser: Daten bestehender NMEA-0183-Sensoren lassen sich so ohne teure Hardware-Umrüstung auf das Mobilgerät bringen. Während Nutzer moderner NMEA-2000-Netzwerke meist auf grafisch ansprechendere Alternativen ausweichen, wird die App von Bastlern und Nutzern entsprechender Hardware weiterhin geschätzt.

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  • nur für iOS
  • kostenlos

Garmin ActiveCaptain

Apps zum Boot fahren: Garmin ActiveCaptain
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Diese zentrale Schnittstelle für Garmin-Eigner ermöglicht den Erwerb und die drahtlose Übertragung von Seekarten via „OneChart“ sowie das Management sämtlicher Software-Updates im Bordnetz. Ein Highlight ist die „Helm“-Funktion, mit der das Display der GPSMAP-Serie auf ein Tablet gespiegelt und von dort aus fernbedient werden kann. Zudem bietet die App Zugriff auf Community-Feedbacks zu Hafenanlagen und selbst erstellte „Quickdraw“-Tiefenkarten. In der Praxis werden jedoch gelegentlich Fehlermeldungen bei großen Downloads (WLAN-Abbrüche) und Latenzen im OnDeck-Fernüberwachungssystem kritisiert. Die App selbst ist kostenlos, Karten müssen zusätzlich gekauft werden.

  • für iOS und Android
  • kostenlos aber angewiesen auf Karten-Abo

Lowrance App

Apps zum Boot fahren: Lowrance

Lowrance positioniert die Anwendung als spezialisierte mobile Schaltzentrale für den Angelsport. Neben den klassischen Segelparametern liegt der Fokus auf hochauflösenden Tiefenkarten (Bathymetrie). Durch das „Custom Depth Shading“ lassen sich spezifische Tiefenbereiche farblich hervorheben, um fischreiche Unterwasserstrukturen leichter zu erkennen. Wegpunkte können explizit als Angelstellen inklusive detaillierter Notizen zu Ködern und Fangbedingungen verwaltet werden. In den Nutzerkommentaren wurde häufig auf den sogenannten „Entitlement-Fehler“ hingewiesen, bei dem für den Kartenplotter erworbene Lizenzen in der App nicht freigeschaltet werden. Zudem führen Synchronisationsprobleme in der Wegpunkt-Verwaltung gelegentlich zu Einschränkungen in der Bordpraxis. Die Preisgestaltung ist dabei modular aufgebaut: Statt eines Pauschalpreises schließt man Jahresabonnements für spezifische Kartenregionen ab. Die Kosten hängen dabei direkt von der Größe des Gebiets und dem Detailgrad ab – kleine Binnenseen-Pakete sind deutlich günstiger als großflächige Küstenkarten mit hochauflösenden Premium-Features. Erst durch diese regionalen Abos werden Funktionen wie Offline-Karten und die AIS-Anzeige in der App aktiviert.

  • für iOS und Android
  • Kosten: Basisversion gratis / kleine Regionen (Jahresabo) ab 16,49€ / große Küstenpakete 32,99€ bis 55,99€ / Ozean-Abdeckung bis 59,99€.

Nauti-Control

Apps zum Boot fahren: Nauti Control

Nauti-Control ist eine spezialisierte Nachrüst-Lösung des Entwicklers Philip Black, um primär Autopiloten von Raymarine (via SeaTalk oder NMEA 2000) drahtlos per Smartphone oder Smartwatch zu steuern. Während die App herstellerübergreifende Netzwerkdaten wie Tiefe oder Geschwindigkeit auf individuellen Dashboards anzeigen kann, ist die aktive Steuerung (Kurskorrekturen +/- 1° oder 10°, Standby/Auto) auf Raymarine-Systeme spezialisiert. Für Motorbootfahrer bietet das System den Vorteil, den Kurs auch außerhalb des festen Steuerstandes – etwa beim Leinenklarmachen oder Ankern – korrigieren zu können.

Voraussetzung für den Betrieb ist ein passendes Funk-Gateway des Herstellers Nauti-Control, das als Schnittstelle fest im Bordnetz installiert werden muss. Ohne dieses Hardware-Modul ist keine Verbindung zum Autopiloten möglich.


navCenter

navCenter

navCenter ist eine reine Tochteranzeige für NMEA-Daten und kommuniziert herstellerübergreifend mit Systemen von Garmin, B&G und weiteren Anbietern. Besonders ist die Unterstützung von SeaTalk-Protokollen: Sofern ein entsprechendes Gateway vorhanden ist, lässt sich die App als Fernbedienung für den Autopiloten nutzen. Zudem bietet die Software eine Integration für die Apple Watch sowie die Anzeige klassischer Wind- und Logge-Daten. Die Benutzeroberfläche wird im Vergleich zu aktuellen Standards von den Nutzern als veraltet wahrgenommen, zudem erfolgt die Versorgung mit Updates unregelmäßig. Das Preismodell für 2026 sieht ein Jahresabonnement für 17,99€ oder eine einmalige Lizenzgebühr von 39,99€ vor.

  • nur für iOS
  • Kosten: 17,99€ pro Jahr oder Einmalkauf für 39,99€

NMEA Dashboard

​NMEA Dashboard

Das NMEA Dashboard dient Android-Nutzern als flexibles Anzeigeinstrument, um Daten aus dem Bordnetz via WLAN auf dem Tablet oder Smartphone zu spiegeln. Für Motorboot-Eigner liegt der Schwerpunkt auf der detaillierten Überwachung von Motorparametern wie Drehzahl, Öldruck, Batteriespannung und Temperaturen, die in vollkommen individuell gestaltbaren Layouts dargestellt werden können. Ein wesentlicher Sicherheitsaspekt sind die konfigurierbaren Alarme, die den Skipper sofort akustisch oder visuell über kritische Werte, wie etwa eine steigende Kühlwassertemperatur, informieren. Auch wenn das Design eher zweckmäßig und schlicht ausfällt, überzeugt die Anwendung durch eine sehr stabile Datenverarbeitung und einen geringen Ressourcenverbrauch im Dauerbetrieb.

  • nur für Android
  • Kosten: einmalige Zahlung von 5,99€

NMEAremote

​NMEAremote

NMEAremote fokussiert sich auf die stabile Verarbeitung und Anzeige komplexer Datensätze innerhalb eines Bordnetzes. Die App gilt als eines der verlässlichsten Werkzeuge am Markt und verarbeitet neben Standardwerten auch Navtex-Meldungen sowie AIS-Listen. Motorboot-Eigner profitieren dabei von der präzisen Überwachung kritischer Systemdaten wie Motortemperatur, Drehzahl oder Öldruck, was besonders bei langen Passagen die Sicherheit an Bord erhöhen kann. Technologisch bemerkenswert ist die ActiveLook-Integration, die es ermöglicht, Daten wie Kurs und Geschwindigkeit direkt in AR-Datenbrillen einzublenden. Von vielen Nutzern wird hingegen auch die Benutzeroberfläche und die verschachtelte Konfiguration der App kritisiert. Zudem bietet die Anwendung keine Kartenanzeige und fungiert ausschließlich als Instrumenten-Display. Die Lizenz ist für eine einmalige Zahlung von 22,99€ erhältlich.

  • nur für iOS
  • Kosten: einmalige Zahlung von 22,99€

Raymarine App

Apps zum Boot fahren: Raymarine

Die Raymarine App fungiert als digitale Erweiterung der Axiom-Serie und ermöglicht die Einrichtung eines zweiten Steuerstandes via Tablet. Durch die 1:1-Spiegelung lässt sich der Kartenplotter vollständig fernbedienen. Zum Funktionsumfang gehören das Management von LightHouse-Seekarten, ein Dashboard für Wind- und Tiefendaten sowie die Synchronisierung von Wegpunkten. In Verbindung mit der Hardware „YachtSense Link“ ist zudem ein Remote-Monitoring der Batteriespannung möglich. Massive Kritik erntet die Anwendung für den sogenannten „Login-Loop“: Da die App beim Start oft eine Internetverifizierung verlangt, das Tablet jedoch im internetlosen Bord-WLAN angemeldet ist, wird der Zugriff häufig blockiert.

Das Preismodell unterscheidet strikt zwischen lokaler Nutzung und Fernüberwachung: Während die Spiegelung des Plotters an Bord kostenlos ist, wird für den Zugriff aus der Ferne ein kostenpflichtiges Premium-Abo fällig. Dieses verwandelt die App in ein Sicherheitssystem, mit dem Eigner auch von zu Hause aus Batteriestände und Bilgepumpen prüfen oder einen Diebstahlschutz per Geofencing aktivieren können. Die Kosten skalieren hierbei deutlich, je nachdem, ob man nur ein einzelnes Boot oder eine kleine Flotte überwachen möchte und ob man eine monatliche Flexibilität oder ein vergünstigtes Jahresabo bevorzugt.

  • für iOS und Android
  • Kosten: Basisversion gratis / Fernüberwachung (YachtSense Link) für 1 Boot: 17,99€ monatlich / 174,99€ jährlich / für 2 Boote: 34,99€ monatlich / 349,99€ jährlich

Simrad App

Apps zum Boot fahren: Simrad

Simrad positioniert die Anwendung als digitale Erweiterung für Motorbootfahrer und Eigner von Fahrtenyachten. Im Fokus stehen die nahtlose Integration mit Simrad-Kartenplottern und die Nutzung von hochauflösendem C-MAP-Kartenmaterial. Die App ermöglicht eine komfortable Törnplanung von zu Hause aus, wobei Wegpunkte und Routen automatisch mit dem Bordgerät synchronisiert werden. Besonders für Nutzer neuerer Systeme (wie der NSX-Serie) dient das Smartphone als vollwertige Zweitstation inklusive AIS-Anzeige und detaillierten Wetter-Overlays. In Nutzerbewertungen wird jedoch regelmäßig der sogenannte „Entitlement-Fehler“ kritisiert, bei dem bereits bezahlte Kartenlizenzen nicht korrekt zwischen Plotter und App erkannt werden. Zudem führen gelegentliche Synchronisationsprobleme in der Datenverwaltung zu Einschränkungen in der Bordpraxis. Die Preisgestaltung ist dabei jedoch komplex: Während die Basisversion kostenfrei ist, variieren die Kosten für Premium-Features und Karten je nach Region und Modell erheblich. Jahres-Abos liegen zwischen 32,99€ und 55,99€, während der Zugriff auf einzelne Regionen meist ab 29,99€ startet, aber auch bis zu 44,99€ kosten kann.

  • für iOS und Android
  • Kosten: Basisversion gratis / Regional-Abos ab 29,99€ / Jahres-Abos 32,99€ – 55,99€ / 12 Monate inklusive bei Kartenkauf

VictronConnect

​VictronConnect

Wer Victron-Komponenten wie Batteriemonitore (BMV/SmartShunt) oder Solarladeregler an Bord hat, sollte sich die Hersteller eigene App anschauen. Sie liefert via Bluetooth oder das VRM-Portal den exakten Ladezustand der Batterien sowie den aktuellen Stromverbrauch in Echtzeit. Das ermöglicht eine präzise Energieüberwachung beim Ankern ohne zusätzliches NMEA-Netzwerk. Punktabzug in den App-Stores gibt es jedoch häufig für instabile Bluetooth-Verbindungen und technische Probleme nach Software-Updates. Da es sich um eine herstellereigene Lösung handelt, ist die Anwendung ohne die passenden Victron-Komponenten funktionslos.


Weit entfernt von den Küsten im Rhein-Main-Gebiet aufgewachsen, fand David Ingelfinger erst im Alter von elf Jahren auf den niederländischen Gewässern zum Segelsport. Was als Familienurlaub ohne großartige Vorkenntnisse begann, mündete in einer steilen Lernkurve, aus der die dauerhafte Leidenschaft fürs Segeln entsprang. Seine praktischen Erfahrungen festigte er über die Jahre mit dem Erwerb des SKS und zahlreichen Meilen als Skipper auf Charteryachten im Ijsselmeer, der Nordsee sowie im Mittelmeer. Nach seinem Studium der Publizistik schlägt er nun die Brücke zwischen dem journalistischen Handwerk und der Praxis auf dem Wasser und bringt seine Begeisterung für den Sport als Volontär in die Redaktion der YACHT ein.

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