InterviewWie moderne Technik das Angeln verändert

Thorsten Trojan

 · 19.08.2026

Das Angeln-Spezial wird präsentiert von
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Interview: Wie moderne Technik das Angeln verändertFoto: Jan Pusch
Der Angelguide, Ausbilder, Prüfer und Turnierangler Jan Pusch hat den Wandel vom ersten Echolot bis zum vernetzten Bootssystem miterlebt.
Jan Pusch: Der Unterschied ist enorm. Früher haben wir Wassertiefen und Unterwasserstrukturen mit einem einfachen Seil ausgelotet, an dem in regelmäßigen Abständen Knoten angebracht waren. Heute sprechen wir von vernetzten Systemen: LiveScope, Panoptix, SpyPole, Force Kraken, GPS-Anker, Kartenplotter und digitale Tiefenkarten arbeiten zusammen. Selbst mein Smartphone und meine Armbanduhr sind nahtlos eingebunden. Trotzdem bleibt die wichtigste Frage dieselbe: Was passiert unter dem Boot? Die Technik zeigt viel – fangen musst du den Fisch immer noch selbst.

Für Jan Pusch gehört das Erkennen von Unterwasserstrukturen schon immer zum Angeln dazu. Als kleiner Junge zeigte ihm sein Großvater auf dem großen Schweriner See, wie man mit einem einfachen Seil Wassertiefen bestimmt. Im Gespräch erklärt er, wie Technik das Angeln verändert – und warum Erfahrung, Naturverständnis und Leidenschaft unersetzlich bleiben.

BOOTE: Jan, wenn du an die ersten Echolote zurückdenkst: Wie weit sind wir heute davon entfernt?

Ist die Technik einfacher oder komplizierter geworden?

Eigentlich einfacher. Moderne Geräte sind wie ein Smartphone intuitiv aufgebaut, viele Funktionen erklären sich fast von selbst. Die Herausforderung liegt darin, Informationen richtig zu deuten und daraus Entscheidungen abzuleiten.

Was ist für dich das wichtigste Grund-Set-up auf einem Angelboot?

Ein sauber montierter Geber, ein guter Kartenplotter und eine präzise Tiefenkarte. Das ist die Basis. Mit 2D, Down­Scan und SideScan kann man viel erkennen: Kanten, Krautfelder, harte Böden, Futterfische oder Untiefen. Wichtig ist, von Anfang an ein erweiterbares System zu wählen. Viele Geräte vereinen Echolot und Kartenplotter. Digitale Tiefenkarten lassen sich mit Community-Daten aktualisieren und erweitern.

Wie hat Live-Sonar das Angeln beeinflusst?

LiveScope zeigt Verhalten. Man sieht nicht nur, dass Fische da sind, sondern nahezu in Echtzeit, wie sie auf den Köder reagieren. Steigen sie auf? Folgen sie? Drehen sie wieder ab? Diese unmittelbare Rückmeldung macht das Angeln spannend und lehrreich.

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Das klingt fast demütig.

Ist es auch. Man sieht nicht nur die Fische, sondern auch den eigenen Köder und dessen Lauf im Wasser. Dadurch lernt man viel über Köderführung, Köderwahl und Fischverhalten. Trotzdem ist LiveScope keine Fanggarantie. Man kann alles richtig machen und trotzdem bleibt der Biss aus.

Wo liegt für dich der größte Nutzen moderner Technik im Guiding?

Ich erkenne schneller, wo sich Fische aufhalten, und nutze die gemeinsame Zeit effektiver – denn Zeit ist Fisch. Viele Gäste buchen ein Guiding gerade deshalb, weil sie moderne Bootselektronik unter realen Bedingungen erleben möchten. Im Fachgeschäft sieht man meist nur einen Demo-Modus. Auf dem Wasser zeigt sich, was moderne Bootselektronik wirklich leistet. Für mich ist genau diese Kombination das Besondere: gemeinsam Fische finden, Technik verständlich erklären und unvergessliche Erlebnisse schaffen.

Wie hat moderne Technik die Rolle eines Guides verändert?

Früher war ein Guide vor allem Revierkenner. Heute erwarten viele Gäste mehr. Sie möchten nicht nur Fische fangen, sondern moderne Bootselektronik verstehen und sicher anwenden. Deshalb gehört es für mich genauso dazu, Technik verständlich zu erklären, wie das Gewässer zu kennen. Ein erfolgreicher Guiding-Tag bedeutet für mich deshalb nicht nur schöne Fische, sondern Gäste, die neues Wissen mit nach Hause nehmen.

Macht moderne Technik das Angeln zu einfach?

Nein. Moderne Technik hilft uns, Gewässer besser zu verstehen und uns sicher auf dem Wasser zu bewegen. Gerade auf unbekannten Gewässern sorgen digitale Seekarten für ein großes Plus an Sicherheit. Trotzdem nimmt sie dem Angler keine Entscheidungen ab. Den richtigen Platz, den passenden Köder und die richtige Köderführung muss jeder selbst finden. Technik erweitert Erfahrung – sie ersetzt sie nicht.

Gibt es Situationen, in denen du bewusst weniger auf den Bildschirm schaust?

Ehrlich gesagt nein. Meine Bootselektronik, mein Smartphone und meine Armbanduhr gehören bei jeder Ausfahrt dazu. Ein Gast sagte einmal: „Ohne deine Technik würdest du gar keine Fische fangen.“ Ich schaltete alle Displays aus – und wir fingen trotzdem Fische. Technik ist ein Werkzeug. Wassertrübung, Wind, Licht, Futterfische und Temperatur spielen genauso eine Rolle. Erst Erfahrung, Naturbeobachtung und Technik zusammen ergeben das Gesamtbild.

Was macht ein gutes Elektronik-Set-up aus?

Es muss zuverlässig funktionieren. Ich setze auf ein vollständig vernetztes Garmin-System. LiveScope, SpyPole, Force Kraken und ECHOMAP Ultra arbeiten zusammen, die Motordaten meines Suzuki-Außenborders werden direkt auf den Displays angezeigt. Genauso wichtig sind professionelle Installation, saubere Verkabelung, Stromversorgung, Batterien, Ladegeräte und ein stabiles Netzwerk. Ich bin das ganze Jahr auf dem Wasser – bei Hitze, Regen, Wind und Kälte. Da muss alles funktionieren. Die beste Technik ist die, über die man auf dem Wasser gar nicht mehr nachdenken muss.

Was bleibt trotz aller Technik unverändert?

Der Moment. Du bist draußen, hast Wind im Gesicht, das Boot unter den Füßen und einen Köder im Wasser. Du musst entscheiden, wo du stehst, wohin du wirfst und wie du führst. Die Technik hilft, Zusammenhänge zu verstehen. Aber sie nimmt dir das Angeln nicht ab. Und genau das ist gut so.

Macht moderne Technik das Angeln schöner?

Ja – wenn man sie richtig nutzt. Moderne Technik hilft, das Wasser besser zu verstehen. Man versteht mehr, lernt schneller und entdeckt Zusammenhänge, die früher verborgen geblieben wären. Genau das macht das Angeln für mich noch faszinierender. Die eigentliche Begeisterung entsteht erst, wenn Technik, Erfahrung und Natur zusammenkommen. Wenn meine Gäste am Abend mit einem Lächeln vom Boot steigen, war es ein erfolgreicher Tag – ganz unabhängig davon, wie viele Fische wir gefangen haben. Genau dafür fahren wir raus. Und genau deshalb gilt für mich heute mehr denn je: Zeit ist Fisch.


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Thorsten Trojan

Thorsten Trojan

Freier Autor, Angelexperte

Thorsten Trojan ist der Angelboot-Experte des BOOTE Magazins. Als Hersteller von Aluminium-Arbeits- und Angelbooten und als Partner internationaler Marken kennt er die gesamte Kette: von der ersten Skizze über den Bau in der Werkstatt bis zum Härtetest auf Nordsee, Rhein oder Fjord. Gleichzeitig ist er als Organisator großer Raubfisch-Events und Turniere tief in der Angelszene verwurzelt und im ständigen Austausch mit Profis, Guides und ambitionierten Freizeitanglern. Die Kombination aus Handwerk, Technikverständnis und gelebter Praxis macht ihn zu einem profilierten Kenner dieser Nische.

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