Betty CookDie „Grandma“ die bis an die Weltspitze fuhr

David Ingelfinger

 · 08.03.2026

März 1977: Billy Martin übergibt Betty Cook die Zielflagge beim Bushmills Grand Prix in Newport Beach. Nach Martins Disqualifikation wurde Cook der Sieg im Offshore-Rennen nachträglich zugesprochen.
Foto: Getty Images
Betty Cook gewann Ende der 1970er Jahren zwei Weltmeisterschaften im Offshore-Racing und war die erfolgreichste Motorboot Rennfahrerin ihrer Zeit. Sie bewies, dass ein gutes technisches Verständnis vom Boot entscheidender sein kann als die reine physische Überlegenheit. Man müsse kein „Gorilla“ sein, um ein Boot sicher durch die See zu führen, es gäbe andere Talente, die den Ausschlag geben. Ihre Geschichte zum Weltfrauentag.

Die Absolventin der Boston University und des Massachusetts Institute of Technology (MIT), das sie mit Auszeichnung abschloss, fand den Einstieg den Motorbootrennsport erst spät. Vor ihrer Karriere auf dem Wasser hatte Betty Cook keinerlei Rennerfahrung.

​Vom Rasenmähen zum Powerboat-Racing

Sie selbst beschrieb ihr früheres Leben als eher konventionell. Familie, Kinder und Einfamilienhaus. Bis die Wette mit einem Freund den entscheidenden Impuls zu einer Veränderung brachte: Als dieser behauptete, Cook wäre nicht in der Lage ein Boot selbstständig zu führen, war ihr Ehrgeiz geweckt. Der endgültige Wechsel ans Steuer einer Rennbootes erfolgte 1970 im Alter von 47, als sie das Rennteam ihres Mannes im Zuge einer Scheidung übernahm:

Wenn man sein Soll als Hausfrau, Mutter und Großmutter beim Bodenwischen und Rasenmähen erfüllt hat, ist es vielleicht an der Zeit, etwas anderes zu tun. Ich habe mich schlicht für Offshore-Powerboat-Racing entschieden.“

​Training und Technik

Mit einer Körpergröße von 1,63 m und einem Gewicht von etwa 50 kg steuerte sie die 9.000 Pfund schweren Boote mehrfach an Rennorten auf der ganzen Welt. Da sie aufgrund ihrer Statur kaum über den hohen Bug ihres Rennboots „KAAMA“ sehen konnte, entwickelte sie eine eigene Technik: Sie lehnte sich weit über die Bordwand hinaus und absolvierte das gesamten Rennen im stehen um das Wasser vor sich besser lesen zu können.


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Weg an die Weltspitze

Mit ihren „KAAMA“-Booten bildete sie zusammen mit John Connor und dem Navigator Don Holloway eine Einheit, die sie selbst als “fast telepathisch” beschrieb. Technisch setzte sie auf einen Elf Meter langen Scarab-Rumpf mit zwei 635 PS starken Mercury-Motoren, die exklusiv mit Flugbenzin betrieben wurden.

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1977 wurde sie in Florida mit 54 Jahren die erste Frau, die einen UIM-Weltmeistertitel gewann – ein Erfolg, den sie im Jahr 1979 gleich wiederholen konnte. Neben ihren Meistertiteln setzte sie 1978 einen beeindruckenden Strecken Rekord, als sie die 580 Meilen von San Felipe nach La Paz an einem einzigen Tag zurücklegte. Die nötige Ausdauer für die oft mehrstündigen Rennen erarbeitete sie sich nicht im Fitnessstudio, sondern durch Tenniseinheiten und eine tägliche Tanzklasse, die sie als ehemalige professionelle Tanzlehrerin selbst leitete.

Gesellschaftliche Rollenbilder

Für Betty Cook verschwanden die gesellschaftlichen Rollenbilder in dem Moment, in dem sie das Steuer übernahm. Den von den Medien vergebene Name „Grandma“, insbesondere gegenüber den deutlich jüngeren männlichen Konkurrenten, nahm sie dabei immer mit Humor:

Ich glaube, sobald ich die Schwimmweste und den Helm anlege und mich hinter das Steuer setze, sind wir alle gleich. Dann spielt das Geschlecht keine Rolle mehr.“

Abseits der Wellen leitete sie als Präsidentin die Kaama Marine Industries, bis sie 1990 im Alter von 67 Jahren verstarb. Ihr Vermächtnis als strategische Pionierin wurde 1996 mit der Aufnahme in die Motorsports Hall of Fame of America endgültig gewürdigt.


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Weit entfernt von den Küsten im Rhein-Main-Gebiet aufgewachsen, fand David Ingelfinger erst im Alter von elf Jahren auf den niederländischen Gewässern zum Segelsport. Was als Familienurlaub ohne großartige Vorkenntnisse begann, mündete in einer steilen Lernkurve, aus der die dauerhafte Leidenschaft fürs Segeln entsprang. Seine praktischen Erfahrungen festigte er über die Jahre mit dem Erwerb des SKS und zahlreichen Meilen als Skipper auf Charteryachten im Ijsselmeer, der Nordsee sowie im Mittelmeer. Nach seinem Studium der Publizistik schlägt er nun die Brücke zwischen dem journalistischen Handwerk und der Praxis auf dem Wasser und bringt seine Begeisterung für den Sport als Volontär in die Redaktion der YACHT ein.

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