Die Absolventin der Boston University und des Massachusetts Institute of Technology (MIT), das sie mit Auszeichnung abschloss, fand den Einstieg den Motorbootrennsport erst spät. Vor ihrer Karriere auf dem Wasser hatte Betty Cook keinerlei Rennerfahrung.
Sie selbst beschrieb ihr früheres Leben als eher konventionell. Familie, Kinder und Einfamilienhaus. Bis die Wette mit einem Freund den entscheidenden Impuls zu einer Veränderung brachte: Als dieser behauptete, Cook wäre nicht in der Lage ein Boot selbstständig zu führen, war ihr Ehrgeiz geweckt. Der endgültige Wechsel ans Steuer einer Rennbootes erfolgte 1970 im Alter von 47, als sie das Rennteam ihres Mannes im Zuge einer Scheidung übernahm:
Wenn man sein Soll als Hausfrau, Mutter und Großmutter beim Bodenwischen und Rasenmähen erfüllt hat, ist es vielleicht an der Zeit, etwas anderes zu tun. Ich habe mich schlicht für Offshore-Powerboat-Racing entschieden.“
Mit einer Körpergröße von 1,63 m und einem Gewicht von etwa 50 kg steuerte sie die 9.000 Pfund schweren Boote mehrfach an Rennorten auf der ganzen Welt. Da sie aufgrund ihrer Statur kaum über den hohen Bug ihres Rennboots „KAAMA“ sehen konnte, entwickelte sie eine eigene Technik: Sie lehnte sich weit über die Bordwand hinaus und absolvierte das gesamten Rennen im stehen um das Wasser vor sich besser lesen zu können.
Mit ihren „KAAMA“-Booten bildete sie zusammen mit John Connor und dem Navigator Don Holloway eine Einheit, die sie selbst als “fast telepathisch” beschrieb. Technisch setzte sie auf einen Elf Meter langen Scarab-Rumpf mit zwei 635 PS starken Mercury-Motoren, die exklusiv mit Flugbenzin betrieben wurden.
1977 wurde sie in Florida mit 54 Jahren die erste Frau, die einen UIM-Weltmeistertitel gewann – ein Erfolg, den sie im Jahr 1979 gleich wiederholen konnte. Neben ihren Meistertiteln setzte sie 1978 einen beeindruckenden Strecken Rekord, als sie die 580 Meilen von San Felipe nach La Paz an einem einzigen Tag zurücklegte. Die nötige Ausdauer für die oft mehrstündigen Rennen erarbeitete sie sich nicht im Fitnessstudio, sondern durch Tenniseinheiten und eine tägliche Tanzklasse, die sie als ehemalige professionelle Tanzlehrerin selbst leitete.
Für Betty Cook verschwanden die gesellschaftlichen Rollenbilder in dem Moment, in dem sie das Steuer übernahm. Den von den Medien vergebene Name „Grandma“, insbesondere gegenüber den deutlich jüngeren männlichen Konkurrenten, nahm sie dabei immer mit Humor:
Ich glaube, sobald ich die Schwimmweste und den Helm anlege und mich hinter das Steuer setze, sind wir alle gleich. Dann spielt das Geschlecht keine Rolle mehr.“
Abseits der Wellen leitete sie als Präsidentin die Kaama Marine Industries, bis sie 1990 im Alter von 67 Jahren verstarb. Ihr Vermächtnis als strategische Pionierin wurde 1996 mit der Aufnahme in die Motorsports Hall of Fame of America endgültig gewürdigt.

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