Lasse Johannsen
· 20.07.2026
KKpt Jasper: Um sämtliche Regattafelder großräumig zu umfahren hätten wir um den gesamten Stollergrund herumfahren müssen. Letztendlich fahren wir aber, um unseren Auftrag zur See zu erfüllen. Wir müssen zu einer bestimmten Zeit ein Ziel erreichen. Wir sind daher die Strecke gefahren, die wir immer fahren und haben uns darauf eingestellt, dass viel los ist und wir dicht an Sportfahrzeuge herankommen. Auf dem Weg lag dann dieser Pulk an Seglern, die sich aber nicht in einer Regatta befanden, sondern auf Wind warteten. Darauf hat die Brücke dann reagiert und die Fahrt reduziert. Man sieht auf dem Video ja, dass wir sehr, sehr langsam gefahren sind. Wir sind dann auf geradem Kurs und der reduzierten Fahrt durchgefahren.
Nein. Es war ja auch völlig harmlos. Ein Sicherungsboot der Segler war auch dabei, hat aber gar keinen Kontakt zu uns aufgenommen. Nach meinem Dafürhalten sind wir sehr langsam durch das Feld gefahren, haben nett gewunken – und dann war die Situation für mich vom Erleben her auch beendet.
Ich kann es nicht genau sagen, aber es werden etwa drei bis vier Knoten gewesen sein. Der Vorteil ist: Da wir einen Elektromotor haben, ist unsere Stoppstrecke extrem kurz. Wenn wir bei drei Knoten Fahrt aufstoppen, dann stehen wir innerhalb von nicht mal einer Bootslänge. Wir hatten also immer die Möglichkeit, im Zweifelsfall schnell reagieren zu können – und das gibt natürlich auch Sicherheit.
… Allerdings, die Faszination U-Boote ist ja beidseitig. Wir haben die Erfahrung gemacht: Wenn ein U-Boot im Seegebiet ist, dann kommen Sportboote gern mal dichter und schauen sich das an.
Ich glaube, viele unterschätzen ein bisschen, wie groß wir tatsächlich auch unter Wasser sind...
Alles, was sich im unmittelbaren Vorausbereich abspielt, ist für uns relevant. Wir wollen schließlich niemanden gefährden und ganz sicher keinen Unfall mit einem Sportboot produzieren. Deshalb ist das Wichtigste aus meiner Sicht: sich vom Vorausbereich freizuhalten. Was uns schwerfällt ist, die Sportboote einzuschätzen, weil deren Manövrierfähigkeit viel höher ist als unsere.
Der überwiegende Teil ist nicht sichtbar. Was man beim aufgetauchten U-Boot sieht, ist ein bisschen Verkleidung. Aber links und rechts ist da noch über einen Meter zusätzlich – und darunter natürlich der Stahlrumpf.
FKpt Nickelsdorf: Als Anhaltspunkt kann man sagen: das Boot ist so breit, wie die Turmruder, die man oben sieht. Das kann man auch in dem Video ganz gut erkennen. Diese vorderen Tiefenruder am Turm – ungefähr so breit ist darunter der Schiffskörper. Wenn man zusätzlich noch fünf Meter Abstand hält – dann ist man auf der sicheren Seite.
Ja, aber das ist natürlich auch interessant. Was für ein Bild – wenn man da ein Selfie mit dem Sehrohr machen kann, auf dem eigenen Segel- oder Sportboot. Dabei wird manchmal echt unterschätzt, dass da noch fast zweitausend Tonnen Stahl dranhängen.
KKpt Jasper: Ja, ja. Aber es ist ja auch verständlich. Die meisten erkennen wahrscheinlich im ersten Moment gar nicht, was das ist. Da ist irgendetwas, das sich durchs Wasser bewegt – also fährt man mal hin und schaut.
FKpt Nickelsdorf: Wenn man das Sehrohr eines U-Bootes erkannt hat, darf man gerne zum Winken vorbeikommen oder einen Flaggengruß machen – das ist völlig in Ordnung. Man sollte aber etwas Abstand halten.
KKpt Jasper: Für uns ist das Fahren auf Sehrohrtiefe sehr anspruchsvoll. Wir müssen die Tiefe exakt halten. Das Sehrohr schaut vielleicht ungefähr einen Meter raus, und zwei Meter darunter beginnt dann schon das Boot – beziehungsweise der Turm. Das ist eine Situation, die bei uns mit höchster Konzentration verbunden ist und bei der wir bestimmte Verfahren und Abstände einhalten müssen. Wir wollen dann eigentlich niemanden dicht bei uns haben, weil wir immer sicherstellen wollen, dass wir aus der Sehrohrtiefe auch auftauchen könnten. Und wenn gerade jemand ein Selfie mit dem Sehrohr macht, können wir das ja nicht. Aber ich möchte unbedingt vermeiden, dass hier ein falscher Eindruck entsteht: 99 von 100 Begegnungen sind in diesem Sinne positiv. Dann kommt jemand ran, macht einen Flaggengruß, winkt und freut sich einfach – und das ist auch für uns ein schönes Erlebnis, weil es eine Form der Wertschätzung ist. Dass eine Begegnung wirklich unsicher wird, ist extrem selten.
Wir können gar nicht überall tauchen, weil wir dafür eine gewisse Wassertiefe brauchen. In der Eckernförder Bucht können wir tauchen. In der Stollergrundrinne ist es hingegen zu flach.
Das lässt sich so pauschal gar nicht sagen. Zum einen brauchen wir wie gesagt ausreichend Wassertiefe. Dann muss es natürlich auch zum Auftrag passen. Zur Kieler Woche etwa sollten wir möglichst schnell ins Arsenal fahren. Da war Tauchen gar nicht notwendig. Aber sonst transitieren wir, wenn wir die Möglichkeit haben, auch häufig getaucht.
Wir gehen ja zunächst auf Sehrohrtiefe. Und tauchen erst danach auf. Das heißt: In dem Moment, in dem ein externer Beobachter das U-Boot deutlich sieht, haben wir schon längst alles gesehen. Wir stellen vor dem Auftauchen also sicher, dass wir keine gefährliche Situation mit anderen Fahrzeugen produzieren.
Den Zwischenschritt über die Sehrohrtiefe haben Sie immer. Es gibt nur für den Fall ein Notverfahren, dass das Boot beschädigt ist.
FKpt Nickelsdorf: Dann gibt es eine sogenannte Notanblaseeinrichtung – vereinfacht gesagt mit Treibsätzen beziehungsweise Generatoren, die dafür sorgt, dass das Boot hochkommt. Das wäre tatsächlich der Moment, in dem das Lagebild oben gegebenenfalls nicht vollständig klar ist. Das ist aber wirklich für den absoluten Notfall. Und das ist noch nie passiert.
Nein. Für uns auf dem U-Boot ist es von allerhöchster Bedeutung zu wissen, was oben passiert. Dafür ist das Boot mit unterschiedlichster Sensorik ausgerüstet. Und dieser Wechsel vom tief getauchten Zustand auf knapp unter die Wasseroberfläche ist für uns ein besonders sensibler Moment. Ab dann können wir sehen. Und das wird mit äußerster Sorgfalt und allen Sensoren vorbereitet, die wir haben. Da können Wassersportler guten Gewissens sagen: Da gibt es gefährlichere Dinge.
KKpt Jasper: Es ist auch nicht so, dass wir uns erst dann um das Lagebild kümmern, wenn wir auftauchen wollen. Der Anspruch ist tatsächlich immer zu wissen, was um uns herum los ist. Es gibt einen schönen Spruch: Das getauchte U-Boot ist immer ausweichpflichtig. Denn letztendlich müssen wir davon ausgehen: Niemand anders sieht uns. Das heißt, es liegt komplett in unserer Verantwortung, sämtliche Situationen so zu lösen, dass sie für niemanden gefährlich werden. Deswegen halten wir immer ein Lagebild. Also nicht erst in dem Moment, in dem wir sagen: Jetzt tauchen wir auf.
FKpt Nickelsdorf: Unser Anspruch ist, immer zu wissen, was oben passiert. Und gute Seemannschaft ist für uns oberstes Gebot. Wir kennen die Regeln, wir wissen auch, wer ausweichpflichtig ist. Und dass die See unser gemeinsamer Wirtschafts-, Lebens-, Operations- und Freizeitraum ist. Wenn sich Seeleute begegnen, verhalten sie sich daher kameradschaftlich, so haben wir es bisher auch wirklich fast immer erlebt. Aus meinen zehn Jahren U-Boot-Fahrt kann ich da eigentlich gar nichts anderes sagen. Wünschen würde ich mir vielleicht ein bisschen mehr Sicherheit vor Neugier.
Die sogenannte Sicherheitstiefe. Das U-Boot ist selbst etwa zwölf Meter von Unterkante Kiel bis Oberkante Turm hoch. Die Sicherheitstiefe erfordert, dass wir zusätzlich noch ausreichend Wasser über uns haben. Das ist der Abstand zum Kiel über uns, den wir brauchen, damit nichts passiert – selbst wenn es zu einem direkten Überlauf käme, was wir natürlich vermeiden wollen. Und um die Sorge gleich zu nehmen: Das berechnen wir nicht nach einem Segler, sondern nach einem Tanker – also nach dem Fahrzeug mit dem größten Tiefgang, das wir im Seegebiet erwarten. Segler sind also nicht in Gefahr.
Sechs.
Ganz grob kann man sagen: drei bis vier Monate im Jahr.
Ja. Grundsätzlich ist weltweiter Einsatz vorgesehen und möglich. Wir waren viel im Mittelmeer unterwegs, wir waren auch schon an der US-Ostküste. Der Schwerpunkt liegt zur Zeit aber im Ostseeraum und im Nordatlantik.
Grundsätzlich kann man sagen: U-Boote fahren immer getaucht – außer sie wollen irgendwo hin und haben es eilig. Aber das eigentliche Ziel eines U-Boots – je nach Einsatz- und Missionsprofil – ist natürlich das Tauchen. Es kommt durchaus vor, dass wir vor dem Hafen tauchen und erst im nächsten Hafen wieder auftauchen.
KKpt Jasper: Als Kriegsschiff haben wir grundsätzlich immer die Möglichkeit, unser AIS zu schalten. Das wird auftrags- und lagebezogen entschieden. Also: vielleicht ja, vielleicht nein. Das kommt darauf an.
FKpt Nickelsdorf: Meine Weisung ist grundsätzlich: AIS aus. Weil nicht jeder jederzeit wissen soll, wo welches Kriegsschiff ist. Aber selbstverständlich wird der Kommandant entscheiden, es einzuschalten, wenn die nautische Sicherheit es gebietet. Getaucht besteht die Möglichkeit des Sendens aber schlicht nicht.
Das ist schnell erzählt: Das sind eigentlich nur die U-Boote der Schweden und die der russischen Marine. Polen hat auch noch U-Boote, aber die sind schon sehr alt, und sollen ersetzt werden.
Nein, ich würde nicht sagen, dass es mehr wird, aber es ist fokussierter auf die Räume Ostsee und Nordatlantik. Früher waren wir deutlich häufiger im Mittelmeer.
KKpt Jasper: Davon kann man ausgehen. Ausnahmen in einzelnen Laufbahnen mag es immer geben. Aber grundsätzlich hat jeder Marineoffizier einen Segelschein der Marine, der sich auch in den zivilen Segelschein umschreiben ließe. Das ist die Grundidee, weil Segeln zur nautischen Ausbildung gehört.
FKpt Nickelsdorf: Und jeder hat den Kraftbootschein. Genau. Und wenn man das im Zusammenhang mit dem Bild von der Kieler Woche sieht, wird jeder verstehen, warum es sinnvoll ist, dass die Marine auch auf Segelbooten ausbildet. Deswegen haben wir unter anderem auch die Gorch Fock immer verteidigt, trotz aller Widerstände. Es gibt kaum eine bessere Art, jungen Kadetten zu erklären, welchen Einfluss die Natur trotz aller Technologie auf unseren Beruf hat, wie wichtig Teamarbeit und Zusammenhalt sind. Das kann man auf einem Segelboot perfekt lernen.
KKpt Jasper: Und ich hatte das eben schon angedeutet: Die Entscheidung, Soldat zu werden und dann zur Marine zu gehen, ist ja oft auch mit einer gewissen Hinwendung zum Wasser verbunden. Wir haben viele Kameraden, die privat auch segeln.

Stellvertretender Chefredakteur YACHT
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