Dorothy Levitt stammte aus einer bürgerlichen, jüdischen Familie und wurde am 5. Januar 1882 als Elisabeth Dorothy Levi in Hackney, London, geboren. Ihr Weg in den Motorsport verlief alles andere als gradlinig. Sie begann zunächst als Schreibkraft bei der Motorenschmiede Napier & Son. Dort erkannte der Direktor Selwyn Edge schnell ihr Talent und machte sie zu seiner Markenbotschafterin. Sie lernte den Umgang mit Motoren und Technik und konnte eine Fahrausbildung absolvieren. Allein dadurch wurde sie zu einem echten Unikat ihrer Zeit.
Die ersten Erfolge feierte sie jedoch auf dem Wasser. Ihr Sieg beim „Harmsworth Cup“ in Irland im Sommer 1903, der ihren Ruf als Pionierin bereits mit 21 Jahren zementierte, gelang ihr noch, bevor sie im Oktober desselben Jahres in Southport ihren ersten Sieg mit dem Auto feierte. Dabei stellte sie mit 19,3 Meilen pro Stunde den weltweit ersten Wassergeschwindigkeitsrekord für Frauen auf.
In der Frühphase des professionellen Motorrennsports setzte sie sich in diversen Rennen gegen die ausschließlich männliche Konkurrenz durch und galt zu ihrer Zeit völlig zu Recht als die „schnellste Frau der Welt“, nachdem sie 1905 in Brighton mit 79,75 Meilen pro Stunde einen Damen-Weltrekord an Land aufstellte und diesen 1906 in Blackpool auf 90,88 Meilen pro Stunde steigerte.
Dabei war sie weit mehr als eine Rennboot- und Rennauto-Pilotin. Levitt war eine versierte Mechanikerin, die ihre Boote und Autos oft unter vollen Rennbedingungen selbst instand setzen konnte. Sie entwickelte eigene Ideen und bewies zu einer Zeit, in der viele dies für unmöglich hielten, dass Frauen eine ernsthafte Rolle im Rennsport spielen können.
Bereits 1909 empfahl sie in ihrem Handbuch „The Woman and the Car“, einen Handspiegel beim Fahren mitzunehmen, um das Geschehen hinter sich zu beobachten – eine Idee, die Jahre später als Rückspiegel zum Standard werden sollte.
Auch außerhalb ihrer sportlichen Erfolge war sie ihrer Zeit viele Jahre voraus. Levitt floh von zu Hause, als ihre Eltern versuchten, sie zu verheiraten. Sie lebte stattdessen unabhängig in einer Frauen-Wohngemeinschaft und finanzierte ihr Leben durch den Motorsport und journalistische Projekte. Den zu dieser Zeit eigenwilligen Kurs hielt sie auch abseits der Rennstrecken konsequent bei.
So fiel sie gleich mehrfach durch zu hohe Geschwindigkeiten im Straßenverkehr auf. Dass sie für ihre persönliche Sicherheit auf Langstrecken immer eine Waffe mitführte, unterstreicht nur die Härte dieser Frau, die den Weg für alle nachfolgenden Generationen von Rennfahrerinnen ebnete.

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