Ursula Meer
· 13.04.2025
Die Atlantiküberquerung mit der "Sowitasgoht V" war zweifellos ein Höhepunkt in Plunders Leben. Nach 61 Tagen auf See erreichte die vierköpfige Crew am 13. September 1923 den Hafen von New York. Doch schon vor dieser Pionierleistung hatte sich Plunder als innovativer Bootsbauer einen Namen gemacht. Seine Karriere begann unkonventionell: Nachdem er das Gymnasium vorzeitig verlassen musste, besuchte er die Kaiserlich-Königliche Fachschule für gewerbliches Zeichnen und später die Akademie der bildenden Künste in Wien. Er wurde Bildhauer – und blieb seinen Träumen treu: Segeln, Boote und Amerika.
Plunders Leidenschaft für den Bootsbau zeigte sich schon früh. Als Kind baute er Modellboote, 1904 entstand unter seinen Händen ein Ruderboot, das er später mit einem Segel ausstattete. Um 1910 folgte ein Sieben-Meter-Segelboot. Seine Karriere als Bootsbauer fußte auf einem mehrwöchigen Werft-Praktikum in Hamburg, viel Inspiration und autodidaktischem Lernen. Schon vor dem Ersten Weltkrieg verkaufte Plunder seine erste "Sowitasgoht", der noch neun weitere folgen sollten. Der wirtschaftliche Höhepunkt seines Schaffens begann nach dem Ersten Weltkrieg mit der Gründung der "Plunder Werft" in Bregenz am Bodensee. Bereits ein Jahr nach der Gründung beschäftigte die Werft 30 Mitarbeiter und produzierte Boote der 7-bis-8-Meter-Klasse förmlich am Band.
Plunders Risse zeichneten sich durch stäbige Zuverlässigkeit aus, wobei kein Boot dem anderen glich. Seine "Sowitasgoht V" gilt als eine der ersten Yachten, die ohne Gaffelrigg den Atlantik überquerten. 1921 ließ sich Ferdinand Porsche einen 45er nach Plunders Plänen bauen und stieg in den Werftbetrieb ein. Die "Plunder Werft" wurde zur "Bodensee Werft" und erweiterte ihr Portfolio um Motorboote. Doch Plunder zog es vom Bodensee in die Welt Er beschloss, aus der GmbH auszuscheiden und sich seinem Traum von Amerika zu widmen.
Franz Plunders Schaffen umfasste eine beeindruckende Bandbreite an Booten. Wann genau er mit dem Bootsbau begann, ist nicht näher bekannt. Schon vor dem Ersten Weltkrieg aber verkaufte Plunder seine erste „Sowitasgoht“, ihr sollten weitere neun folgen. Nummer fünf machte ihn berühmt und gilt als eine der ersten Yachten, die ohne Gaffelrigg über den Atlantik segelten. Seine Yachten hatten indes nur den Namen gemein: Sie waren zwischen sechs und 14 Meter lang, mit Schwert oder festem Kiel, für Binnenreviere oder die hohe See konstruiert.
Die „Sowitasgoht VI“ baute Plunder mitten in der Weltwirtschaftskrise bei Ernst Burmester in Bremen. Mit ihr segelte er in die Adria und Ägäis. Die „Sowitasgoht VII“ folgte in den dreißiger Jahren und ist noch heute in Hard am Bodensee zu Hause. Plunders letztes eigenes Boot „Sowitasgoht X“ kam 1961 ins Wasser. Er segelte es bis kurz vor seinem Tod 1974.
Neben den wenigen noch erhaltenen Booten aus Plunders Feder zeugen heute noch zehn Rollen mit Konstruktionsplänen von seinem regen bootsbauerischen Schaffen. Sein damaliger Nachbar, der heute 84- jährige Wolfgang Allgeuer vom Yacht Club Bregenz, rettete sie nach Plunders Tod 1974 vor der Vernichtung und übergab sie dem Stadtarchiv. Nur noch antiquarisch ist Plunders Autobiografie mit dem naheliegenden Titel „Sowitasgoht“ erhältlich. Die aber, das hat der Kurator des Vorarlberg Museums, Markus Barney, herausgefunden, changiert zwischen Dichtung und Wahrheit. Im Museumsfernsehen ist ein unterhaltsamer Vortrag von Barney über das Leben Franz Plunders zu sehen.
Die aktuelle Sonderausstellung im Vorarlberg Museum präsentiert noch bis Herbst 2026 Franz Plunder als facettenreiche Persönlichkeit. Drei beleuchtete Schiffsmasten im ersten Ausstellungsraum geben Einblicke in seine Kindheit, seine Tätigkeit als Bildhauer und seine Zeit in Amerika. Besucher können ein originalgetreues Modell der “Sowitasgoht V” im Maßstab 1:10 erkunden, das der Schwaneweder Modellbauer Jürgen Oltmann eigens für die Ausstellung angefertigt hat. In einem Erlebnisraum lassen sich meterhohe Wellen auf Leinwänden erleben, begleitet von einem Hörspiel über die Strapazen einer Atlantiküberquerung.
Das Vorarlberg Museum in Bregenz zeigt die Ausstellung von April 2025 bis Herbst 2026 immer Dienstags bis Sonntags von 10.00 bis 18.00 Uhr, an jedem 1. Donnerstag von 10.00 bis 20 Uhr.

Redakteurin Panorama und Reise