Franz PlunderAusstellung des abenteuerlichen Lebens des Bootskonstrukteurs vom Bodensee

Ursula Meer

 · 13.04.2025

Franz Plunder: Ausstellung des abenteuerlichen Lebens des Bootskonstrukteurs vom BodenseeFoto: Vorarlberg Museum.
Drei Österreicher mitten auf dem Großen Teich: Franz Plunder an der Pinne, links neben ihm Josef Einsle, rechts Fred Jochum, von seinen Mitseglern Slocum genannt, fotografiert von ihrem deutschen Mitsegler Josef Ledergerber.
Vor mehr als 100 Jahren liefen in der Bodensee Werft von Ferdinand Porsche und Franz Plunder die Boote förmlich vom Band. Doch der innovative Konstrukteur, Plunder hatte mehr vor: Als Teil der ersten österreichisch-deutschen Crew überquerte er 1923 in einem selbstgebauten Boot den Atlantik. Das Vorarlberg Museum in Bregenz würdigt nun mit einer interaktiven Ausstellung die Pionierleistung und das vielseitige Schaffen des Bootskonstrukteurs, Bildhauers und Lebenskünstlers.

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Atlantik- und Bootsbau-Pionier

Die Atlantiküberquerung mit der "Sowitasgoht V" war zweifellos ein Höhepunkt in Plunders Leben. Nach 61 Tagen auf See erreichte die vierköpfige Crew am 13. September 1923 den Hafen von New York. Doch schon vor dieser Pionierleistung hatte sich Plunder als innovativer Bootsbauer einen Namen gemacht. Seine Karriere begann unkonventionell: Nachdem er das Gymnasium vorzeitig verlassen musste, besuchte er die Kaiserlich-Königliche Fachschule für gewerbliches Zeichnen und später die Akademie der bildenden Künste in Wien. Er wurde Bildhauer – und blieb seinen Träumen treu: Segeln, Boote und Amerika.

Mehr als 10.000 Schaulustige kamen am 1. April 1923 zum Stapellauf der “Sowietasgoht V”. Nicht alle waren überzeugt davon, dass den vier Abenteurern die Atlantiküberquerung gelingen würde.Mehr als 10.000 Schaulustige kamen am 1. April 1923 zum Stapellauf der “Sowietasgoht V”. Nicht alle waren überzeugt davon, dass den vier Abenteurern die Atlantiküberquerung gelingen würde.

Vom Modellboot zur eigenen Werft

Plunders Leidenschaft für den Bootsbau zeigte sich schon früh. Als Kind baute er Modellboote, 1904 entstand unter seinen Händen ein Ruderboot, das er später mit einem Segel ausstattete. Um 1910 folgte ein Sieben-Meter-Segelboot. Seine Karriere als Bootsbauer fußte auf einem mehrwöchigen Werft-Praktikum in Hamburg, viel Inspiration und autodidaktischem Lernen. Schon vor dem Ersten Weltkrieg verkaufte Plunder seine erste "Sowitasgoht", der noch neun weitere folgen sollten. Der wirtschaftliche Höhepunkt seines Schaffens begann nach dem Ersten Weltkrieg mit der Gründung der "Plunder Werft" in Bregenz am Bodensee. Bereits ein Jahr nach der Gründung beschäftigte die Werft 30 Mitarbeiter und produzierte Boote der 7-bis-8-Meter-Klasse förmlich am Band.

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Innovation und Zusammenarbeit mit Ferdinand Porsche

Plunders Risse zeichneten sich durch stäbige Zuverlässigkeit aus, wobei kein Boot dem anderen glich. Seine "Sowitasgoht V" gilt als eine der ersten Yachten, die ohne Gaffelrigg den Atlantik überquerten. 1921 ließ sich Ferdinand Porsche einen 45er nach Plunders Plänen bauen und stieg in den Werftbetrieb ein. Die "Plunder Werft" wurde zur "Bodensee Werft" und erweiterte ihr Portfolio um Motorboote. Doch Plunder zog es vom Bodensee in die Welt Er beschloss, aus der GmbH auszuscheiden und sich seinem Traum von Amerika zu widmen.

Lebenswerk und Vermächtnis

Franz Plunders Schaffen umfasste eine beeindruckende Bandbreite an Booten. Wann genau er mit dem Bootsbau begann, ist nicht näher bekannt. Schon vor dem Ersten Weltkrieg aber verkaufte Plunder seine erste „Sowitasgoht“, ihr sollten weitere neun folgen. Nummer fünf machte ihn berühmt und gilt als eine der ersten Yachten, die ohne Gaffelrigg über den Atlantik segelten. Seine Yachten hatten indes nur den Namen gemein: Sie waren zwischen sechs und 14 Meter lang, mit Schwert oder festem Kiel, für Binnenreviere oder die hohe See konstruiert.

Die „Sowitasgoht VI“ baute Plunder mitten in der Weltwirtschaftskrise bei Ernst Burmester in Bremen. Mit ihr segelte er in die Adria und Ägäis. Die „Sowitasgoht VII“ folgte in den dreißiger Jahren und ist noch heute in Hard am Bodensee zu Hause. Plunders letztes eigenes Boot „Sowitasgoht X“ kam 1961 ins Wasser. Er segelte es bis kurz vor seinem Tod 1974.

Neben den wenigen noch erhaltenen Booten aus Plunders Feder zeugen heute noch zehn Rollen mit Konstruktionsplänen von seinem regen bootsbauerischen Schaffen. Sein damaliger Nachbar, der heute 84- jährige Wolfgang Allgeuer vom Yacht Club Bregenz, rettete sie nach Plunders Tod 1974 vor der Vernichtung und übergab sie dem Stadtarchiv. Nur noch antiquarisch ist Plunders Autobiografie mit dem naheliegenden Titel „Sowitasgoht“ erhältlich. Die aber, das hat der Kurator des Vorarlberg Museums, Markus Barney, herausgefunden, changiert zwischen Dichtung und Wahrheit. Im Museumsfernsehen ist ein unterhaltsamer Vortrag von Barney über das Leben Franz Plunders zu sehen.

Die Hohe See, simuliert mit Wort und Ton in der AusstellungFoto: Daniel Furxer / Vorarlberg MuseumDie Hohe See, simuliert mit Wort und Ton in der Ausstellung

Sonderausstellung im Vorarlberg Museum

Die aktuelle Sonderausstellung im Vorarlberg Museum präsentiert noch bis Herbst 2026 Franz Plunder als facettenreiche Persönlichkeit. Drei beleuchtete Schiffsmasten im ersten Ausstellungsraum geben Einblicke in seine Kindheit, seine Tätigkeit als Bildhauer und seine Zeit in Amerika. Besucher können ein originalgetreues Modell der “Sowitasgoht V” im Maßstab 1:10 erkunden, das der Schwaneweder Modellbauer Jürgen Oltmann eigens für die Ausstellung angefertigt hat. In einem Erlebnisraum lassen sich meterhohe Wellen auf Leinwänden erleben, begleitet von einem Hörspiel über die Strapazen einer Atlantiküberquerung.

Das Vorarlberg Museum in Bregenz zeigt die Ausstellung von April 2025 bis Herbst 2026 immer Dienstags bis Sonntags von 10.00 bis 18.00 Uhr, an jedem 1. Donnerstag von 10.00 bis 20 Uhr.


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Ursula Meer

Ursula Meer

Redakteurin Panorama und Reise

Ursula Meer ist Redakteurin für Reisen, News und Panorama. Sie schreibt Segler-Porträts, Reportagen von Booten, Küsten & Meer und berichtet über Seenot und Sicherheit an Bord. Die Schönheit der Ostsee und ihrer Landschaften, erfahren auf langen Sommertörns, beschrieb sie im Bildband „Mare Balticum“. Ihr Fokus liegt jedoch auf Gezeitenrevieren, besonders der Nordsee und dem Wattenmeer, ihrem Heimatrevier.

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