InterviewWas mit der Insel Ostervilm im Greifswalder Bodden geschehen soll

Lasse Johannsen

 · 21.07.2026

Die künstlich angelegte Plattform Ostervilm im Greifswalder Bodden, östlich der Insel Vilm gelegen und rund drei Seemeilen vom Hafen Lauterbach auf Rügen entfernt. Die ehemalige Entmagnetisierungsanlage der DDR-Volksmarine ist ein Sanierungsfall. Zwei Enthusiasten wollen sich der Sache annehmen, es können Anteile im Wert von 999 Euro gezeichnet werden.
Foto: Oliver Pesendorfer
Am 4. Juni wurde die künstliche Insel Ostervilm im Greifswalder Bodden versteigert. Die ehemalige Entmagnetisierungsanlage der DDR-Volksmarine ging an den Österreicher Oliver Pesendorfer und seinen Geschäftspartner Daniel Pflieger aus Hannover. Nach der Wende blieb Ostervilm ungenutzt. 2021 wurde die Betoninsel an Privatpersonen verkauft, die jedoch angesichts der hohen Sanierungskosten aufgaben. Nun berichtet Oliver Pesendorfer von seinen Plänen für das ungewöhnliche Eiland.

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Sagen Sie mal, Herr Pesendorfer, was macht ein Steirer mit einer Ostsee-Insel?

Das weiß ich selber noch gar nicht so genau. Wenn Ihre Leser Ideen haben, ich bin noch für alles offen.

Dafür ist das aber ein ganz schön kostspieliges Projekt, was Sie da angeschoben haben, wieviel haben Sie für die Insel hingelegt?

60.000 Euro, aber die Rettung wird noch einmal 1,5 Millionen Euro kosten.

Warum so viel?

Die Insel besteht aus einer 720 Quadratmeter großen Plattform, die auf etwa 600 Pfählen in 10 Meter tiefem Wasser steht. Die sind von einem Betonkranz eingefasst, und der zerfällt und muss saniert werden.

Das konnte Sie aber nicht vom Kauf abhalten…

Es war vor der Versteigerung ja gar nicht möglich, sich die Insel anzusehen. Wir waren jetzt aber da und haben den Status Quo erhoben, um entscheiden zu können, was, wie, wann repariert werden muss.

Das heißt, sie haben die Katze im Sack gekauft?

Wir haben vorher Videos gesehen, und dabei wurde schon deutlich, dass die Insel in einem schlimmen Zustand ist. Aber dass sie in so einem schlimmen Zustand ist, war nicht vorauszusehen. Im letzten Winter sind durch den Eisdruck manche Spalten noch einmal größer geworden. Da besteht wirklich Bedarf, baldmöglichst zu sanieren. Das haben wir auch vor, damit die Insel nicht auseinanderfällt.

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Wie sind Sie denn überhaupt auf Ostervilm aufmerksam geworden?

Ein Kollege von mir hat das entdeckt. In einem österreichischen Zeitungsartikel wurde von der Versteigerung berichtet. Da haben wir beschlossen, sie zu kaufen und mit unseren Produkten von Mc Cube ein nachhaltiges Sanierungskonzept umzusetzen.

Werden Sie eins Ihrer Fertighäuser auf die Plattform stellen?

Wir werden ein oder zwei dort aufstellen, aber uns geht es grundsätzlich um Nachhaltigkeit und Ökologie. Und wir sind relativ schnell zu dem Schluss gekommen, dass Veranstaltungen oder ein großes Gebäude keinen Sinn machen, weil die Insel zu wenig Tragkraft hat und die Behörden das wahrscheinlich nicht genehmigen würden.

Wie wollen Sie das Vorhaben finanzieren?

Ich habe die Insel mit meinem Geschäftspartner Daniel Pflieger zusammen gekauft und wir überführen sie in eine Genossenschaft, die wir gerade gründen. Es können 999 Anteile zu je 999 Euro gekauft werden.

Und diese Anteilsinhaber können dann über die Nutzung auch selber bestimmen?

Mitbestimmen, nicht bestimmen. Jeder hat eine Stimme und jeder kann mitstimmen.

Gibt es schon Resonanz?

Ja, erstaunlich viel. Gleich nach dem ersten Bericht in der Bild haben wir, glaube ich, 150 bis 180 Anteile verkauft. Und bis heute kommen nach wie vor Mails und Anfragen rein. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Interesse da ist.

Ging das schon einher mit Äußerungen, was man da machen könnte?

Nein, gar nicht. Die Leute sind einfach interessiert, da mitzuwirken. Was wir jetzt schon wissen, ist, dass wir einen YouTube-Creator dort etwas machen lassen werden, der sehr kreativ mit Gebäuden umgeht. Mehr darf ich noch nicht sagen, weil wir noch keinen Vertrag haben. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass andere YouTuber dort auf der Insel Content produzieren.

Was mag das für Content sein?

Sie wissen ja, wie die sind – eher verrückte Sachen. Wir haben auch mit einem mittelgroßen Yacht-Hersteller diskutiert, ob man dort eine Yacht-Präsentation machen könnte, wenn die Veranstaltungsfläche adaptiert und fertig ist. Der war nicht abgeneigt. Aber das ist alles noch nicht fix.

Und wenn Sportbootfahrer mit Nutzungsideen auf Sie zu kommen…

…nur zu. Der Drive-In für Sportboote wurde allerdings schon verworfen. Aber wir sind für alle Vorschläge sehr offen. Ich bin ja selber begeisterter Segler, bisher allerdings auf der Adria.

Bisher kann man an der Insel nicht gut festmachen.

Aber es werden auf alle Fälle Stege gebaut, die es ermöglichen, immer auf der windabgewandten Seite anzulegen, dann kann man dort auch mit einem Sportboot anlegen.

Das heißt, es können Gastlieger kommen? Oder bleibt die Insel den Genossen vorbehalten?

Das müssen wir noch diskutieren. Das größere Problem in den letzten Jahren war der Vandalismus. Wenn man das einfach frei zugänglich macht, kann der wieder zurückkommen. Aber es wird auf alle Fälle eine Möglichkeit geben, dass dort Segelschiffe anlegen können.

Der nächste Hafen ist Lauterbach auf Rügen…

… Genau, das sind, glaube ich, drei Seemeilen, also nicht weit.

Wir es in der Saison denn einen Shuttle für Tagesgäste geben?

Daran wurde schon gedacht. Aber dafür braucht man zuerst den Steg und dann auch Leute, die das anbieten können, also externe Firmen. Man bräuchte ein größeres Schiff, um wetterunabhängig zu sein, sonst hat vielleicht jemand einen Termin gebucht, um auf die Insel zu fahren, und man kommt nicht rüber, weil die Wellen zu hoch sind.

Was motiviert Sie, aus dem tiefsten Binnenland eine verfallene DDR-Anlage mitten im Wasser vor dem sicheren Untergang zu retten?

Die Absicht, etwas Wertvolles am Leben zu erhalten. Nicht einfach zu sagen: Keiner macht was, also machen wir auch nichts.

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Lasse Johannsen

Lasse Johannsen

Stellvertretender Chefredakteur YACHT

Geboren in Kiel, aufgewachsen am Wasser und an Bord, seglerisch ausgebildet im Verein und beim Segeln auf Nord- und Ostsee. Nach Schule, Marine und juristischer Ausbildung 2007-2009 Volontariat bei der YACHT im Ressort Panorama, welches er heute leitet. Daneben verantwortet er die Sonderausgabe YACHT classic, veröffentlichte mehrere Bücher im Verlag Delius-Klasing und ist stellvertretender Chefredakteur der YACHT. Johannsen ist begeisterter Fahrtensegler auf eigenem Kiel und aktiver Begleiter der deutschen Klassiker-Szene.

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