Pro und ContraHat die Papierseekarte endgültig ausgedient?

Die in Deutschland hergestellten nicht amtlichen  Seekarten entsprechen nicht allen Vorgaben der  Internationalen Hydrographischen Organisation.
Foto: Christian Tiedt
Die Papierseekarte spaltet immer wieder die Gemüter an Bord: Für die einen ist sie ein Auslaufmodell, ersetzt durch Plotter, Apps und GPS-Back-ups. Für die anderen bleibt sie ein unverzichtbares Sicherheitsnetz und das beste Training, um auch ohne Elektronik Kurs und Position sicher zu bestimmen. Testchef Ole Puls und Textchef Pascal Schürmann beziehen klar Stellung und erklären, warum sie für oder gegen die Papierseekarte argumentieren.

Themen in diesem Artikel


​Pascal Schürmann stimmt für Papierseekarten

Man muss kein Ewiggestriger sein, kein Technologiegegner oder gar Anhänger kruder Verschwörungstheorien, um der Meinung zu sein, dass eine Papierseekarte nach wie vor an Bord gehört. Nicht um im Navitisch zu verschimmeln, sondern um damit zu arbeiten. Ganz klassisch, mit Stechzirkel und Anlegedreieck. Warum? Um nicht aus der Übung zu geraten! Nur wer ohne elektronische Unterstützung sicher Position und Kurs bestimmen kann, ist unabhängig. Es ist noch nicht lange her, dass wir über mutmaßlich von Russland manipulierte GPS-Signale auf der Ostsee berichtet haben. Und von Bootsfahrern, die damit unliebsame Erfahrungen machten. Die Gefahr, dass dies künftig öfters vorkommt, nimmt angesichts all der Krisenherde nicht ab. Das Risiko, dass die eigene Bordelektrik ausfällt und unversehens weder Plotter noch GPS zur Verfügung stehen, scheint hingegen vernachlässigbar. Ein anderes Argument: Eine große Karte auf dem Navitisch vermittelt einen zigmal besseren Überblick als ein kleines Plotter-Display. Und nicht zuletzt: Es hat doch auch etwas wunderbar Befriedigendes, mit dem Bleistift seine Kurslinie in die Karte zu zeichnen!


Ole Puls stimmt gegen die Papierseekarte

​Jetzt mal Hand aufs Herz, wir leben im Jahr 2026. Die klassische Papierseekarte hat ihren festen Platz längst verloren. Natürlich ist es sinnvoll, ein grundlegendes Verständnis für Navigation zu besitzen, keine Frage. Doch im tatsächlichen Einsatz spielt sie kaum noch eine Rolle. Die Realität sieht anders aus: Kurse werden nicht mehr mit Zirkel und Dreieck abgesteckt, sondern mit wenigen Fingertipps auf Smartphone, Ta­blet oder Plotter geplant. Ziel eingeben, Route berechnen lassen – fertig. Fällt ein Gerät aus, gibt es Back-ups. Und sollte tatsächlich die komplette Elektronik versagen, liegt das Pro­blem ohnehin tiefer – dann ist die Frage nach Papierkarten längst zweitrangig. Auch das Argument der Positionsbestimmung greift in der Praxis nur bedingt. Wer sich ausschließlich auf klassische Methoden verlässt, kann seine Position oft nur ungenau bestimmen, besonders auf offener See ohne erkennbare Fixpunkte. Strömung und Versatz erschweren das zusätzlich. Moderne GPS-Systeme liefern hier eine Präzision und Verlässlichkeit. Für viele ist die Papierseekarte daher heute vor allem eines: ein Stück Tradition. Technisch sind wir längst weiter.

Umfrage

Hat die Papierseekarte endgültig ausgedient?
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B: Nein, die Papierseekarte gehört an Bord.

Umfrage läuft bis 01.05.2026

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Jan-Ole Puls

Jan-Ole Puls

Redakteur Test & Technik

Ole Puls wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf und kam so früh mit dem Segeln in Berührung. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Bootsbauer im Bereich Hightech-Kohlefaserbau. Seit 2022 ist er im Ressort Test & Technik tätig. Zu seinen Aufgaben zählen Bootstests von Motorbooten aller Art sowie praxisnahe Technikthemen. Die Sommer verbringt er auf dem Wasser und meist auf der Ostsee oder Schlei.

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