Das hat tatsächlich alte Wurzeln. Ich bin seit 1971 Segelflieger, und da ist Aerodynamik natürlich ein zentrales Thema. Hier geht es im Grunde immer um den Wirkungsgrad. Kleine Veränderungen am Profil können enorme Auswirkungen haben, auch wenn man sie optisch kaum erkennt. Genau dieser Gedanke hat mich nie losgelassen: Wie kann man Strömung effizienter nutzen? Irgendwann habe ich dann bei einem Schiff einen kleinen Wulstbug gesehen. Der Eigner erzählte mir, er sei auf seiner Standardstrecke messbar schneller gewesen, in etwa fünf Prozent. Da habe ich gerechnet und gedacht: Das könnte funktionieren.
Weil der Umbau dadurch erstaunlich simpel war. Das Rohr wurde vorne angepasst und mit Sikaflex befestigt. Wichtig war dabei, dass der Untergrund richtig vorbereitet wurde, also kein Antifouling mehr darunter war. Die größte Herausforderung war die Position und die Größe der Kugel. Die muss oben leicht aus dem Rohr herausragen, unten aber nicht. Sonst hebt sich der gewünschte Wellen-Effekt wieder auf. Es hat am Ende drei Winter gedauert, bis die finale Form gefunden war.
Messungen auf längeren Touren zeigen etwa drei bis fünf Prozent weniger Verbrauch. Außerdem erreichen wir unsere Marschfahrt mit rund 200 Umdrehungen weniger pro Minute. Und selbst wenn es nur fünf Prozent sind: Bei größeren Strecken summiert sich das. Aber ehrlich gesagt, mir ging es weniger ums Geld. Mich freut einfach, wenn eine technische Idee funktioniert.
Ich habe einen gewissen Optimierungsfimmel und auch schon den Verbrauch von Autos optimiert, Motoren effizienter abgestimmt. Ich probiere solche Dinge einfach gern aus. Also war relativ schnell klar: Das teste ich. Einfach aus Neugierde. Mich hat interessiert, ob die Idee in der Praxis funktioniert.
Interesse ja, aber viele Bootseigner legen mehr Wert auf Optik als auf Effizienz. Einige haben allerdings wortwörtlich gefragt: „Wenn das spart, warum macht das denn keiner?“ Ich habe sogar überlegt, das Konzept einer Werft anzubieten. In der Serienfertigung ließe sich so etwas noch sauberer integrieren.
Man kann an vielen kleinen Stellschrauben drehen. Nicht nur beim Boot, sondern überall. Wenn jeder drei oder fünf Prozent optimiert – beim Verbrauch, bei Energie, bei Technik – dann ist das in Summe enorm. Ich bin der Meinung, dass Innovation nicht durch Verbote entsteht, sondern durch kluge Verbesserungen. Und manchmal beginnt das einfach mit einem Rohr und einer Kugel am Bug.
Zu Hause herumzusitzen würde dem 70-jährigen Ruheständler Gerhard Kropp niemals einfallen. Ob Boot, Auto oder Flugzeug, alles wird laufend hinterfragt und optimiert. Auch sein ehemaliges Motorboot.

Redakteur Test & Technik