Lesen Sie hier unsere Meldung von damals, kurz nach dem Verschwinden des Hamburger Unternehmers:
Was bisher bekannt ist: Am 29. April 2024 startet Frank Procopius um 8.41 Uhr mit seinem hochseetauglichen Festrumpfschlauchboot vom Anleger Grünendeich an der Elbe. Der 60-jährige plant eine Testfahrt mit neuem Motor. Gegen 15.30 Uhr zeigen Positionsdaten ein Achterkreis-Manöver auf der Nordsee – typisch für das Einsammeln von Objekten aus dem Wasser. Kurz darauf deutet alles auf ein führerloses Boot hin. Das Funksignal seines Handys verschwindet. Seine Lebensgefährtin alarmiert die Polizei. Die Wasserschutzpolizei findet das leere Boot 46 Kilometer nordwestlich von Cuxhaven zwischen Cuxhaven und Helgoland.
Zehn Wochen später, am 9. Juli 2024, machen Mitarbeiter der Schutzstation Wattenmeer einen schockierenden Fund. Bei einer Vogelzählung auf der Sandbank Süderoogsand westlich von Pellworm im Kreis Nordfriesland entdecken sie eine stark verweste Leiche. Die rechtsmedizinische Untersuchung identifiziert den Toten als Frank Procopius. Der Fundort liegt rund 50 Kilometer vom aufgefundenen Boot entfernt. Die Mordkommission K1 der Bezirkskriminalinspektion Flensburg übernimmt gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Flensburg die Ermittlungen.
Die Ausstrahlung bei Aktenzeichen XY am 8. April 2026 war nach Angaben der Redaktion eine der aufwendigsten Produktionen in der Geschichte der Sendereihe. Erstmals geben die Ermittler in der Sendung Details bekannt, die für einen Mord sprechen. Über die Bild-Zeitung war bereits 2024 über den Kabelbinder am Hals berichtet worden. Nun kommen weitere Indizien hinzu. Die Staatsanwaltschaft Flensburg lobt eine Belohnung von 7.000 Euro für Hinweise aus, die zur Ermittlung des Täters führen.
Noch während der Sendung meldet sich ein Zeuge aus dem direkten Umfeld des Opfers. Florian Puchelt vom LKA Bayern berichtet Moderator Rudi Cerne am Ende der Sendung von dem Hinweis. Die Polizei nimmt sofort Kontakt auf und vereinbart einen Vernehmungstermin. Der Zeuge macht „sehr konkrete Angaben". Bis Donnerstagvormittag gehen rund 50 Hinweise bei der Polizei Flensburg ein. Etwa 40 Medien wie Fotos und Videos werden gesichtet. Viele Hinweise betreffen die spezielle Form der Schäkel. Ein Zeuge aus dem Steinkohlebergbau bestätigt, dass solche Verbindungshaken in seiner Branche für die Befestigung von Gewichten genutzt werden.
Die Untersuchung bringt verstörende Details ans Licht. Ein eng zugezogener Kabelbinder schnürt den Hals der Leiche zu. Die Rettungsweste wurde zwar ausgelöst, aber eine Luftkammer mit einem Messer mutwillig zerstört. Die Messerscheide an der Weste ist leer. An der Weste befinden sich Metallschäkel – Verbindungshaken, die nicht zum Boot gehören. Möglicherweise waren daran Gewichte befestigt. Der Tote trägt einen schwarzen Neoprenanzug. „In dem Fall ist alles möglich", sagt Staatsanwalt Roman Mulke in der ZDF-Sendung Aktenzeichen XY am 8. April 2026. Ein Suizid wird als sehr unwahrscheinlich eingestuft.
Die Ermittler vermuten ein Tötungsdelikt im Drogenmilieu. GPS-Daten zeigen, dass das Boot im Bereich der Nordsee eine Acht fuhr. „Insbesondere der Bereich auf der Nordsee ist für sogenannte Drop-Off-Geschäfte bekannt", erklärt Mulke. Der Abtransport von Drogenpaketen erfolge häufig mit kleinen, wendigen Booten – „eben genau mit einem Boot, wie es Frank Procopius besaß". Procopius könnte in Drogengeschäfte verwickelt gewesen oder zufällig in eine Drogenabholung geraten sein. Der Geschäftsmann soll eine Kiez-Vergangenheit haben und bis zu seinem Tod Kontakte ins Milieu gehabt haben. Vor Nordseeinseln wie Juist oder Amrum werden immer wieder Drogenpakete angespült.
Frank Procopius war in Hamburg durch seine Speedbootfahrten bekannt. Er leitete das Unternehmen RIB-Piraten, das Hafenrundfahrten mit Festrumpfschlauchbooten anbietet. Mit einem solchen RIB (Rigid Inflatable Boat), welches auf bis zu 90 Kilometer pro Stunde beschleunigt, war Procopius an dem Tag seines Verschwindens unterwegs. Das Unternehmen bietet die Touren weiterhin an.
2017 besuchten wir Frank Procopius und seine Partnerin Caroline Schmidt bei ihrer RIB-Basis im City-Sportboothafen. Alles zur Geschichte des Unternehmens erfahren Sie in der Reportage von damals: RIB-Piraten - Eins, zwei, drei – Vollgas!
Die Kriminalpolizei hofft auf weitere Zeugen, die am 29. April 2024 etwas im Bereich zwischen Grünendeich und der Elbmündung beobachtet haben. „Auch Hinweise, die zunächst unbedeutend erscheinen, können für die Ermittlungen relevant sein", erklärt Polizeisprecher Jan Krüger. Hinweise nimmt die Polizei unter der Telefonnummer 0461-484 5555 entgegen. Eine anonyme Hotline ist unter 0160-20 68 666 eingerichtet. Über das Hinweisportal der Landespolizei Schleswig-Holstein können Fotos, Videos sowie allgemeine Beobachtungen hochgeladen werden. Alle Polizeidienststellen können Kontakt zu den Flensburger Ermittlern herstellen.

Redakteurin Reise