Test: Aqualine 750 Ultra Edition - Familienboot aus DeutschlandFoto: Rex Schober

MotorbooteTest: Aqualine 750 Ultra Edition - Familienboot aus Deutschland

 

30.10.2016, Lesezeit: 5 Minuten

Aqualine 750 Ultra Edition: Gut trailerbares und farbenfrohes Kajütboot für die vierköpfige Familie.

Wer nicht auf eigenem Kiel die unterschiedlichen Reviere anfahren möchte, muss entweder einen Spediteur beauftragen oder ein Boot wählen, das man auch selbst noch gut trailern kann. In die zuletzt genannte Kategorie passt unser Testboot, die Aqualine 750.

Praktisch: Mit einer Bootsbreite von 2,50 m darf man sie auch ohne Sondergenehmigung in ganz Europa selbst transportieren.

Mit dem Leergewicht (mit Motor) von etwa 1500 kg und der Sonderausstattung der Ultra Edition empfiehlt Frank Schaper vom Boots-center B1 einen 3000-kg-Trailer. Wer leichter unterwegs sein möchte, muss bei Zubehör und Motorisierung abspecken und kommt dann noch mit einem 2500-kg-Trailer aus.

Test Aqualine 750 Ultra Edition: Layout
Test Aqualine 750 Ultra Edition: Layout
Foto: Rex Schober
Test Aqualine 750 Ultra Edition: Bugkabine
Test Aqualine 750 Ultra Edition: Bugkabine
Foto: Rex Schober
Test Aqualine 750 Ultra Edition: Nasszelle
Test Aqualine 750 Ultra Edition: Nasszelle
Foto: Rex Schober
Test Aqualine 750 Ultra Edition: auf dem Trailer
Test Aqualine 750 Ultra Edition: auf dem Trailer
Foto: Rex Schober
Test Aqualine 750 Ultra Edition: Kurvenfahrt
Test Aqualine 750 Ultra Edition: Kurvenfahrt
Foto: Rex Schober
Test Aqualine 750 Ultra Edition: Fahrstand
Test Aqualine 750 Ultra Edition: Fahrstand
Foto: Rex Schober
Test Aqualine 750 Ultra Edition: Cockpit
Test Aqualine 750 Ultra Edition: Cockpit
Foto: Rex Schober
Test Aqualine 750 Ultra Edition: Layout
Test Aqualine 750 Ultra Edition: Layout
Foto: Rex Schober
Test Aqualine 750 Ultra Edition: Bugkabine
Test Aqualine 750 Ultra Edition: Bugkabine
Foto: Rex Schober
Test Aqualine 750 Ultra Edition: Bugkabine
Test Aqualine 750 Ultra Edition: Nasszelle
Test Aqualine 750 Ultra Edition: auf dem Trailer
Test Aqualine 750 Ultra Edition: Kurvenfahrt
Test Aqualine 750 Ultra Edition: Fahrstand
Test Aqualine 750 Ultra Edition: Cockpit
Test Aqualine 750 Ultra Edition: Layout

Besonders auffällig an unserem Testboot ist die Farbgebung. Hier will die Werft frisches Leben in die Branche bringen und verpasst nicht nur Rumpf, Fahrstand und Cabrioverdeck ein maritimes Blau, sondern auch dem Honda einen markanten Zierstreifen längs über die Haube.

Die Lackierungsarbeiten am Motor wurden genauso gut erledigt wie an dem gesamten Boot. Auch die Innenseiten des GFK sind bis auf wenige Ausnahmen sorgfältig gestrichen. Bei der Inneninrichtung störten uns teilweise zu große Spaltmaße zwischen Schrank und Seitenwand, abstehende Abschlusskanten, das fehlende Schließblech an der Nasszellentür und die – trotz gepolstertem Skymaterial – „hügelige" Decke.

Besser: die Befestigung der Scharniere mit Durchgangsschrauben. Im Grunde also vieles solide, aber im Detail noch Nachholbedarf.

Fahren und Manövrieren

Aufgrund der Außenbordermotorisierung hat der Käufer eine große Auswahl an Motoren. Unser Boot ist mit der maximal zulässigen Leistung von 250 PS ausgerüstet.

„Wir empfehlen jedoch auch die 135-PS- und 150-PS-Motoren für Eigner, denen schnelle Gleitfahrt nicht so wichtig ist"

so der Werftchef. Mit unserem Testmotor erreichten wir immerhin mehr als 40 kn, was für ein Kajütboot dieser Kategorie durchaus als sportlich zu bezeichnen ist. Dass der Motor dann mehr als 2 l/sm schluckt, muss auch jedem klar sein.

Nur etwa die Hälfte läuft bei 3500 U/min mit 23,3 kn durch die Spritleitung und der 180-l-Tank reicht für akzeptable 136 sm plus die obligatorischen 15 % Reserve. Getrimmt wird über den gesamten Gleitbereich nach Gefühl, denn wer es mit dem Powertrimm übertreibt, bemerkt das ruck, zuck an einem wippenden Bug.

Bei Vollgasfahrt muss man den Motor ganz ohne Powertrimm fahren, damit die Aqualine nicht wippt. Zur Vollausstattung unseres Testbootes gehören zwar Trimmklappen, diese jedoch bei Vollgas und glattem Wasser einzusetzen, wäre kontraproduktiv.

Gut sind sie zum Ausgleichen von Schräglagen, hervorgerufen durch Wind oder einseitige Beladung. In der Über- gangsphase von Verdränger- in Gleitfahrt sind die Trimmklappen von Vorteil, jedoch nicht wirklich nötig, da die Aqualine auch ohne problemlos ins Gleiten kommt.

Im schnellen Kreisel darf man den Radius nicht zu eng ziehen, da der Rumpf sonst zu schaukeln beginnt. Mit angepasster Geschwindigkeit oder nicht zu engen Kurven bremst sich der Rumpf von selbst ab und nimmt nach dem Geradeauslenken sofort wieder schnelle Fahrt auf. Auf Salomkursen und beim Verreißen der Steuerung hat der Fahrer alles fest im Griff. Gleiches gilt bei Hafenmanövern, bei denen die Aqualine ansprechendes Fahrverhalten zeigt.

Die Verdrängerfahrt verläuft typisch, man muss nur ab und zu leicht den Kurs korrigieren. Hier fällt jedoch dem 1,80 m großen Fahrer auf, dass er die Reling genau im Sichtfeld hat. Ein Punkt, der sich bei Gleitfahrt aufgrund des ansteigenden Bugs spürbar verbessert.

Dabei schaut man durch eine nur gering getönte Windschutzscheibe. Da sie aus Kunststoff besteht, wird auf die Installation eines Scheibenwischers verzichtet, was die Fahrt bei Regenwetter zum Blindflug macht. Der Blick auf die Instrumente ist gut, besonders gefallen hat die umfangreich Ausstattung mit Navigationselektronik.

Skipper und Beifahrer sitzen auf sportlich gepolsterten Schalensitze, die sehr guten Seitenhalt bieten. Für die Fahrt im Stehen lässt sich die vordere Hälfte der Sitzfläche hochklappen, und man hat so, wie auch im Sitzen, passende Beinfreiheit.

Schaltung, Lenkrad (höhenverstellbar) und Wippschalter (Symbole und Kontroll- lampen) bedient der Fahrer uneingeschränkt.

Die dazugehörigen Leitungen verlegen die Techniker ausreichend fest gebündelt oder in Kabelkanälen. Allerdings mussten wir feststellen, dass ein Kanal im Motorraum bereits losgerüttelt war. Die Kraftstoffanlage überzeugt mit Absperrhahn, Inspektionsluk im Tank (aus Kunststoff, mit Gurten gesichert) und Filterpatrone im Heckkasten.

Dort stehen ebenfalls die beiden leistungsstarken und mit Gurten gesicherten 100-Ah-Batterien in Kunststoffkästen. Geschaltet werden sie über einen gut erreichbaren Wahlschalter.

Von den insgesamt vier Kojen ist die Doppelkoje im Bug leichter zu erreichen, als die in der Mittelkabine mit ihrem fla- cheren Einstieg. Hier krabbeln am besten die Kinder hinein. Beide Kojen sind nicht unterlüftet, haben jedoch gemütliche Polster.

In der Nasszelle haben auch Erwachsene genügend Platz. Ein Bullauge zum Lüften, Waschtisch und ein elektrisches Pump- WC erhöhen den Komfort. Manko: Der Fäkalientank gehört nicht zum Standard.

Gekocht wird im Cockpit, dort stehen dem Smutje 1-Flammen-Gaskocher, Spülbecken, Kühlschublade und ausreichend Stauraum sowie Arbeitsfläche zur Verfügung. Kaffeekränzchen oder Sonnenbaden ermöglicht die clever zu klappende Heckbank. Eine weitere Sonnenmöglichkeit bietet das Vordeck, Badelustige tummeln sich auf der geteilten Badeplattform mit langer Leiter.

Unser Fazit:

Die Aqualine 750 Ultra Edition ist bis auf wenige Ausnahmen ein gut ausgerüstetes Kajütboot für die vierköpfige Familie. Mit der maximalen Motorisierung von 250-PS ist sie sportlich unterwegs. Wer es nicht so rasant möchte, kommt mit einem kleineren Außenborder gut zurecht und spart nebenbei noch Geld.

Datenblatt: Aqualine 750 Ultra Editition

Werft: Aqualine

Typbezeichnung: Aqualine 750 Ultra Editition

CE-Kategorie: C - Küstennahe Gewässer

Material von Rumpf und Deck: Kunststoff

Länge: 7,50 m

Breite: 2,50 m

Verdrängung: 1,50 t

Preis: 89.900,00 €