Diebstahl im WinterlagerMehrere Außenborder in Laboe und Wendtorf gestohlen - 80.000 Euro Schaden

Ursula Meer

 · 20.01.2026

Diebstahl im Winterlager: Mehrere Außenborder in Laboe und Wendtorf gestohlen - 80.000 Euro SchadenFoto: Thorsten Moench
Viele Sicherungen für Außenborder lassen sich in Sekundenschnelle knacken. Aber auch vor größerem Aufwand schrecken professionelle Diebe nicht zurück.

​In der Probstei haben bislang unbekannte Täter über den Jahreswechsel drei schwere Außenbordmotoren aus Winterlagern gestohlen. Die Wasserschutzpolizei vermutet, dass die Diebstähle von professionell organisierten Tätern verübt wurden, und bittet Zeugen um Hinweise.

Schwere Motoren professionell entwendet

Bootseigner in Laboe und Wendtorf sind beunruhigt: Zwischen dem 23. Dezember 2025 und dem 13. Januar 2026 kam es in mehreren Winterlagern zu Diebstählen. Unbekannte entwendeten drei hochwertige Außenbordmotoren von abgedeckten Yachten, ein weiterer Versuch blieb erfolglos. Nach Angaben der Polizei liegt der Schaden bei rund 80.000 Euro.

Die Ermittler gehen von einem gezielten Vorgehen aus. Vor Ort heißt es, die Täter hätten dafür umfangreiche Vorbereitungen treffen müssen. Da ein Motor bis zu 300 Kilogramm wiegt, ist ein spontaner Diebstahl praktisch ausgeschlossen. Vermutlich kamen passende Hebetechnik wie Kräne und geeignete Transportfahrzeuge zum Einsatz, um die großen, schweren Motoren vom eingezäunten Gelände abzutransportieren.

Thomas Krüger, Hafenmeister in Wendtorf, vermutet gegenüber den Kieler Nachrichten eine professionelle Vorgehensweise: „Die Täter müssen sich ausgekannt haben. So einen großen Außenborder nimmt man nicht einfach so mit.“

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Winterlager im Visier organisierter Banden

Die Diebstähle reihen sich in ein wiederkehrendes Muster ein. Laut Landespolizei Kiel häufen sich Übergriffe auf Bootslager systematisch in der kalten Jahreszeit. „Wenn die Sportboothäfen geschlossen sind und sich ein Großteil der Boote samt Zubehör im Winterlager befindet, mehren sich die Diebstähle“, erklärt eine Polizeisprecherin.

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Das Vorgehen der Täter variiert: Neben dem Abschrauben von Motoren werden auch komplette Bootsrümpfe auf Trailern abtransportiert, Propeller demontiert oder Boote aufgebrochen. In drastischen Fällen sägen Diebe sogar den gesamten Heckspiegel mitsamt Motor aus dem Rumpf.

Bundesweites Problem: Über 700 Außenborder pro Jahr gestohlen

Die aktuellen Diebstähle sind kein Einzelfall. Erst im September 2025 wurden in der Nacht vom 2. auf den 3. September sieben Außenbordmotoren von einer Steganlage an der Kleinen Müritz in Vipperow gestohlen. Die Vorgehensweise der Täter ist dabei oft raffiniert: Besonders Trockenlieger sind gefährdet, aber auch vom Wasser aus finden Raubzüge statt. Meist fahren die Diebe mit einem Schlauchboot an die Hecks der Boote, lösen die häufig schlecht gesicherten Außenborder und heben diese ins Boot.

Bei größeren Motoren gehen die Täter noch drastischer vor, erläutert die Wasserschutzpolizei an der Müritz: „Da wird ein Schwimmreifen unter das Heck geschoben und dann der ganze Spiegel herausgesägt. Der Motor fällt dann in den Schwimmreifen“, wobei die Diebe auch das Sinken des Bootes in Kauf nehmen. Die meisten Diebstähle finden in der Vor- und Nachsaison statt, wenn die Häfen noch nicht komplett voll sind und nur wenige Crews an Bord übernachten.

Auch wenn die Zahlen der offiziellen Polizeistatistik seit 2018 deutlich rückläufig sind, wurden im Schnitt in den vergangenen vier Jahren allein in Deutschland jeweils über 700 Außenborder entwendet.

Erinnerungen an 2016: Deutsch-polnische Bande operierte im großen Stil

Vor zehn Jahren begann eine Serie von Außenborder-Diebstählen ganz ähnlich, die die Sportbootfahrer in Ostholstein in Atem hielt. Seit dem Frühjahr 2016 verschwanden rund 90 Außenborder im Bereich Fehmarn/Großenbrode/Grömitz. Die geschätzte Schadenshöhe lag bei 200.000 Euro.

Der Polizei gelang schließlich ein Fahndungserfolg: Eine deutsch-polnische Bande wurde dingfest gemacht. Vier Männer – einer von Fehmarn, drei aus Stettin – standen im dringenden Tatverdacht, Bootsmotoren im großen Stil gestohlen und nach Polen verfrachtet zu haben. Der Zugriff wurde durch eine Zeugenbeobachtung und intensive Ermittlungen der Kriminalpolizei Oldenburg in Holstein und des Kommissariats 2 der Bezirkskriminalinspektion Lübeck ermöglicht.

So schützen Sie Ihr Boot im Winterlager

Die Aufklärungsquote bei Diebstählen aus Bootslagern lässt sich laut Polizei schwer beziffern, da keine spezifischen Statistiken geführt werden, sondern nur Gesamtzahlen für größere geografische Bereiche erfasst werden. Umso besser, wenn es erst gar nicht zum Diebstahl kommt oder sich das Diebesgut als solches klar identifizieren lässt.

Lassen sich kleinere Außenbordmotoren im Winter noch vergleichsweise leicht abbauen und mit nach Hause nehmen, ist dies bei leistungsstarken Modellen nicht ohne erheblichen Aufwand möglich. Der aktuelle Fall zeigt, dass professionelle Diebe nicht vor diesem Aufwand zurückschrecken.

Einen gewissen Schutz können Durchgangsbolzen bieten, mit denen der Motor fest mit dem Bootsrumpf verbunden ist. Auch hochwertige Schlösser bieten sich an. Tests von Außenborder-Schlössern zeigen jedoch, dass kaum ein Schloss wirklich sicher vor Profis schützt. Allerdings ist Zeit ein kritischer Faktor – je länger am Boot hantiert werden muss, desto unattraktiver wird es für die Diebe. Eine Kombination mehrerer Sicherungsmaßnahmen dürfte daher am wirksamsten sein.

Am Ende aber stößt fast jede mechanische Sicherung an Grenzen. Dann kann es hilfreich sein, das Diebesgut nachverfolgen zu können, etwa mit mobilen Trackern. Diese können für den Bordgebrauch durchaus nützlich sein, der unsichtbare Einbau in einen Außenbordmotor kann jedoch schwierig sein.

Versicherer und die Wasserschutzpolizei empfehlen daher, Boote, Motoren und Ausrüstungsgegenstände mit einer fälschungssicheren Individualnummer zu gravieren. Häufig sind diese Individualnummern, anhand derer beispielsweise der Motor nach einem Diebstahl zugeordnet werden kann, auf Aufklebern oder genieteten Schildern angebracht, die sich relativ einfach entfernen lassen. In den meisten Bundesländern, wie etwa in Hamburg, bietet die Wasserschutzpolizei einen besonderen Service: Bootseigner können sämtliche Individualnummern auf Boote, Motoren oder sonstige nautische Ausrüstungsgegenstände dauerhaft gravieren lassen.

Zwar schützt auch eine Gravur nicht vor dem Entwenden, bei Diebstahlserien hat sich aber gezeigt, dass die Wertsachen dadurch als Diebesgut unattraktiver werden, denn sie sind schwerer zu verkaufen. Zudem können sie im Fall einer Kontrolle oder nach einer Sicherstellung dem rechtmäßigen Besitzer besser zugeordnet werden. Die Daten können in einen polizeilichen Bootspass eingetragen werden.

Hinweise erbeten

Die Wasserschutzpolizei bittet Zeugen, die im Tatzeitraum verdächtige Beobachtungen in Laboe oder Wendtorf gemacht haben, sich zu melden. Hinweise werden unter der Telefonnummer 0431 1601610 oder per E-Mail an kiel.wsprv@polizei.landsh.de entgegengenommen.

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