Adria UpdateWird die Küste zum Luxusrevier?

Bodo Müller

 · 10.04.2026

Das „Monaco des Balkans“: Der Porto Montenegro ist einer der modernsten Tiefwasser-Yachthäfen der Adria.
Foto: Bodo Müller

Themen in diesem Artikel

Die Adria bleibt ein Topziel für Chartercrews – allerdings ein teures. Denn seit Jahren steigen die Kosten für Liegeplätze, Nationalparks und Restaurants. Was in der Region sonst noch los ist.

​Bei der Törnberatung während der diesjährigen boot in Düsseldorf war die Ostküste der Adria die mit Abstand am meisten gefragte Destination für einen Chartertörn oder eine Urlaubsreise auf eigenem Kiel. Das ist nicht neu. Und doch wurde in diesem Jahr eines kritischer hinterfragt: die explodierenden Preise. Seit der Euro-Einführung 2023 erlebt Kroatien eine Teuerungswelle, die nicht nur Einheimische, sondern besonders hart auch Segler trifft.

Teure Liegeplätze, Nationalparks und Restaurants

Um es klarzustellen: Es sind nicht die Charterpreise, die den Bootstourismus an der Adria verteuern. Im Gegenteil, nirgendwo am Mittelmeer kann man so preiswert chartern wie hier. Es sind die Nebenkosten, die den Törn teuer machen, angefangen bei den Liegegebühren in Häfen und Bojenfeldern, über Nationalparkgebühren bis hin zu den Rechnungen in einer Konoba.

Nach Recherchen des kroatischen Magazins „More“ bewegen sich die Gebühren für einen Liegeplatz aktuell in einer Preisspanne zwischen 5 und 30 Euro pro Meter Bootslänge. Für ein Charterboot von 40 Fuß kann man also bis zu 360 Euro für einen Liegeplatz pro Nacht berappen. Zum Vergleich: Dasselbe Boot würde im Passathafen Travemünde 22,50 Euro pro Nacht kosten. Bei den Bojenplätzen ist man in Kroatien inzwischen bei Preisen von bis zu sieben Euro pro Meter angekommen. Für unser Beispiel-Boot wären das 84 Euro für eine Nacht an der Boje ohne Service. Bei einigen Bojenfeldern kommen noch 30 Euro Reservierungsgebühr obendrauf.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

An der Spitze der Kostenexplosion stehen die Nationalparks. Im N. P. Kornati zahlte man 2025 für ein Zwölf-Meter-Boot satte 190 Euro pro Nacht. Ganz und gar aus dem Ruder gelaufen sind die Preise in den Konobas. 2025 zahlte man für einen 1.-Klasse-Fisch pro Kilo bereits über hundert Euro. Nicht wenige Charter-Crews fragen sich darum zu Recht: Können wir uns die Adria noch leisten?

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Wachsendes Charterangebot sorgt für niedrige Preise

2024 gab es bereits einen Buchungseinbruch von rund fünf Prozent. Doch laut Angaben der Kroatischen Zentrale für Tourismus hat sich das Land von dieser Delle wieder erholt. Für 2025 wurde sogar wieder ein Anstieg von einem Prozent im Charter-Tourismus vermeldet. Das deckt sich mit der amtlichen Statistik über den erneuten Anstieg der Charterflotte. Demnach ist mit Stand Februar 2026 die Charterflotte auf 4.718 Boote und Yachten angestiegen. Das ist Weltspitze! Auch die Zahl der Charterfirmen ist von 88 (2025) auf aktuell 100 gestiegen. Das große Angebot führt dazu, dass die Charterpreise zwischen Istrien und Süddalmatien die niedrigsten im gesamten Mittelmeerraum sind.

Spartipps für den Adria-Törn

Wie kann man also der Adria auch mit kleinem Budget treu bleiben? Schon in der letzten Saison war zu beobachten, dass sich Chartercrews im Ausgangshafen maximal bevorraten, um unterwegs möglichst autark zu sein. Viele ankern in nicht bewirtschafteten Buchten. Und clevere Bootsfahrer, die den N. P. Kornati besuchen wollen, melden sich vorab in einer Konoba an und gehen am Steg des Lokals längsseits, um die Parkgebühr einzusparen. Seit 2024 berichten Vercharterer, dass die Gasflaschen, die früher eine ganze Saison hielten, jetzt bei jedem Crewwechsel ausgetauscht werden müssen. Offensichtlich wird also mehr an Bord gekocht.

Ausblick: Bald neue Player an der Adria?

Dass aktuell nur wenige Marinas neu gebaut werden, mag auch mit den aufwendigeren Genehmigungsverfahren seit dem EU-Beitritt zu tun haben. Doch bald könnten die Karten an der Ostküste der Adria neu gemischt werden. Denn am 31. Dezember 2030 enden die Konzessionsverträge für 20 von 22 ACI Marinas. In einem EU-Land dürfen die Konzessionen nicht mehr automatisch einem staatsnahen Unternehmen zugeschoben werden, sie müssen ausgeschrieben werden. Und es gibt Interessenten, die einen Blick auf die an attraktiven Standorten gelegenen Marinas geworfen haben. Böse Zungen behaupten, dass der Reparatur- und Renovierungsstau, der in manchen ACI Marinas offensichtlich ist, im Zusammenhang mit dem baldigen Ablauf der Konzessionen zu sehen ist.


Hier stellen wir die aktuellen Projekte an der Adria vor:


​Karten und Literatur auf delius-klasing.de:

Bodo Müller

Bodo Müller

Freier Autor

Seit 1987 arbeitete Bodo Müller, damals noch in Rostock lebend, als DDR-Korrespondent des Magazins YACHT. Nach seiner Ausreise im August 1989 berichtet er als Reporter und Fotograf der Magazine YACHT und BOOTE über alle Charterreviere weltweit. Er schrieb 22 Bücher, darunter den bei Delius Klasing erschienenen Bestseller „Über die Ostsee in die Freiheit“, der von der ARD verfilmt wurde. Daneben ist er Drehbuchautor von zeitgeschichtlichen Filmen und arbeitet als Drohnen- und Unterwasser-Kameramann für den TV-Sender ARTE. Bodo Müller lebt heute auf der Halbinsel Priwall in Travemünde.

Meistgelesen in der Rubrik Reisen