AtlantikDie Kapverden - Boa Vista, die Wüsteninsel

Christian Tiedt

 · 27.06.2026

Atlantik: Die Kapverden - Boa Vista, die WüsteninselFoto: Christian Tiedt
Die Praia da Varandinha im Westen von Boa Vista, der Wüsteninsel der Kapverden.
Die Kapverden im Atlantik sind eine kleine Welt für sich. Keine ihrer Inseln ist wie die andere. Wer sie entdecken möchte, kann das nur mit dem Boot. Teil 3/6: die Wüsteninsel Boa Vista.

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Der Tag ist grau. Durch den Winddreher gibt es eine kurze, steile See. Das Schiff muss arbeiten, fliegende Gischt hält das Vorschiff bis zum Großmast nass. Der begehrteste Platz in der ersten Tageshälfte: die Sitzbank entlang des Salons in Luv, wie auf der Kante.

Alle Mahlzeiten finden aber nach Plan statt, eine akrobatische Höchstleistung des Serviceteams. Weit achtern kämpft sich taumelnd eine Katamaranfähre durch, da will man nicht an Bord sein. Um 22 Uhr fällt der Anker auf der Reede von Sal Rei im Westen Boa Vistas, zur Sicherheit etwas weiter draußen. Der Chief Mate schließt das Logbuch.

Die Boma Seca trübt die Sicht

Boa Vista – Schöne Aussicht – macht ihrem Namen erst mal keine Ehre. Dunstiger könnte es kaum sein: Die Boma Seca bringt den Sand der Sahara und überzieht alles mit einem blassen Schleier. Der Wind hat Boa Vista zur Wüsteninsel gemacht. Zwei Dutzend Yachten ankern in der Bucht von Sal Rei, dem Hauptort, darunter viele Katamarane, viele Franzosen.

Wir liegen weiter draußen, eine knappe Seemeile vor dem Ort. An der Pier zwischen den ankernden Fischerbooten landen die Dingis an. Oben ein Café, eine Souvenirbude mit Tüchern, Trikots und getöpferten Schildkröten. Wie sehr Boa Vista Wüsteninsel ist, sehen wir beim Landausflug, diesmal mit Pick-ups, unverwüstlichen Toyotas.

In der kleinste Wüste der Welt

Auf der Ladefläche geht es quer durch Sal Rei. Palmen, flache, quaderförmige Häuser, deutlich afrikanischer als Mindelo. Bars und Supermärkte, Straßen im Rastermuster. Diesel gibt es für einen Euro bei Shell, allerdings bei einem Jahreseinkommen von 5.000 Dollar. Es wird trotzdem viel gebaut: „Invest in Boa Vista! New Project coming soon!“ Der einzige Fünf-Sterne-Bus im Ort ist von TUI, auch die beiden größten Hotels und beide Ferienflieger auf dem Flugfeld.

Was geht noch? Kaffee von der Insel Fogo werde auf Boa Vista geröstet und der Zement für die Hotelneubauten werde hier hergestellt, erzählt unser lokaler Guide und setzt die Skibrille auf – denn jetzt geht es in die Viana. Angeblich ist die Wüste die kleinste der Welt, neun Quadratkilometer groß. Entstanden, nachdem im 19. Jahrhundert die Tamarindenbüsche im Inselinneren für die Feuer der Ziegeleien geopfert wurden. Der Sand kam aus Afrika herüber und blieb liegen. Der Ausblick: eindrucksvoll.

Ein Fischerdorf in den Bergen

Wir fahren über Land in die Berge nach Povoação Velha, einem Fischerdorf, gut versteckt im Landesinneren, wegen der vorbeisegelnden Piraten früher. Von der kleinen Kirche mit dem Sarg zum Ausleihen schlendern wir ins Dorf. „Hello, welcome! Where are you from?“, begrüßen uns die Männer. „No stress!“ Die einzige Frau schmeißt die Bar Zazi, die einzige am Platz. Flaschen kommen auf den Tisch. Es gibt Cola und Strela, das Bier von Cabo Verde.

Die Praia de Varadinha

Zurück in Richtung Küste, nach neuem Teer und Kopfsteinpflaster, Piste und Wüstensand, haben die Toyotas jetzt Dünen unter den Reifen. Die Praia da Varandinha soll einer der schönsten Strände überhaupt sein. Imposant ist er. Türkises Meer, anrollende Brandung und feiner weißer Strand, so weit das Auge reicht.

Zum Abschluss steuern wir die Beachbar Pérola d’Chaves an. Wehende Vorhänge und Palmen, Bikinis und Badeshorts in den Liegestühlen, gestreichelt von Loungemusik, so sanft wie der Wind. „No stress!“, da war es wieder, das beinahe offizielle Motto der Kapverden. Wir werden es in den nächsten Tagen noch öfter hören.

Informationen: Boa Vista

  • Größe der Insel: 620 km2
  • Lage: 16°6′N, 022°49′W
  • Einwohner: 12.000
  • Hauptort: Sal Rei
  • Liegemöglichkeiten: Sal Rei (vor Anker)
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Christian Tiedt

Christian Tiedt

Ressortleiter Reise

Christian Tiedt wurde in Hamburg geboren, blieb lange aber ohne direkten Zugang zum Wassersport. Nach der Berufsausbildung bot das Studium dann endlich die Gelegenheit, auf dem Wasser aktiv zu werden – und die entsprechenden Führerscheine zu machen. Zuerst beim Fahrtensegeln und dann, mit dem Einstieg bei BOOTE im Jahr 2004, auch mit Motorbooten aller Art. Christian konnte inzwischen fast ganz Europa (und einige weiter entfernte Destinationen) auf eigenem Kiel kennenlernen und teilt seine Erlebnisse und Erfahrungen für die YACHT und BOOTE am liebsten in Törnreportagen.

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