Besondere LeuchttürmeFastnet - Felsen der Tränen und Triumphe

Christian Tiedt

 · 01.06.2026

Besondere Leuchttürme: Fastnet - Felsen der Tränen und TriumpheFoto: Adobe Stock / timursalikhov
Der Leuchtturm auf Fastnet Rock ist bereits der zweite. Das Fundament des ersten ist noch sichtbar. Im Hintergrund im Dunst die irische Südküste.
Besondere Leuchttürme: Fastnet, weit draußen vor Irlands Südküste, hat schon immer die Gemüter bewegt - zuerst als Ort des Abschieds ohne Wiederkehr, heute als herbeigesehnter Wendepunkt.

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Sie nannten ihn die Träne Irlands: Für viele der Millionen von Iren, die mit dem Schiff über den Atlantik in die USA auswanderten, war Fastnet Rock das letzte Stückchen ihrer Heimat, dass sie zu sehen bekamen. Sein Leuchtturm war - bei Tag und Nacht - das Symbol ihres Abschieds, oft auf ewig.

Eine fast unmögliche Baustelle

Das Seegebiet rund um Fastnet Rock ist seit jeher berüchtigt. Im Süden Irlands trifft der tiefe, offene Nordatlantik auf das europäische Kontinentalschelf und die vergleichsweise flache Keltische See. Immer wieder gingen Schiffe an der felsigen Küste verloren. Man musste die Seefahrt viel früher warnen - und das ging nur von einem Leuchtfeuer weit draußen vor der Küste. 1853 wurde der einsame Granitpfeiler als Standort auserwählt - eine fast unmögliche Baustelle.

  • Name: Fastnet Lighthouse, Irland
  • Lage: Keltische See, Nordatlantik
  • Position: 51°23′16.0″N, 009°36′11.0″W
  • Turmhöhe: 54 m
  • Feuerhöhe: 49 m
  • Kennung: Fl W. 5s

Bei Fastnet blieb das Land achteraus

Am 1. Januar 1854 konnte das erste Licht an der Spitze des gusseisernen Turms angezündet werden – zur rechten Zeit. Die Große Hungersnot in Irland war gerade erst zu Ende gegangen. Die Wirtschaft der Insel lag am Boden und bot kaum noch Zukunft. Die Verheißung lag auf der anderen Seite des Ozeans in Amerika – und einzige der Weg dorthin führte über das Wasser.

Viele der Schiffe starteten im irischen Queenstown, heute Cobh, folgten der Südküste des County Cork, bevor es auf den offenen Atlantik hinausging und das Land achteraus blieb - bei Fastnet Rock. Eine knappe Millionen Menschen Auswanderer waren es allein zwischen 1851 und 1860.

​Der erste Turm auf Fastnet Rock hielt 43 Jahre. Er war zu schwach gebaut. In Stürmen vibrierte er so stark, dass Geschirr vom Tisch fiel. Auch die Lichtstärke reichte bei immer schnelleren Schiffen nicht mehr aus, um rechtzeitig warnen zu können. So begann der Bau des heutigen, schlanken Turms aus Granit. Sieben Jahre dauerte es, bis er 1904 in Betrieb gehen konnte.

Die berühmteste Wendemarke der Welt

Rund zwei Jahrzehnte später, 1925, führte ein Ereignis dazu, dass der Turm auf andere Weise ins öffentliche Bewusstsein rückte: Er war nicht mehr trauriger Startpunkt einer Reise, sondern ersehnter Wendepunkt - beim ersten Fastnet Race.

Die Regatta, die inzwischen zweijährlich stattfindet, startet traditionell in Cowes auf der Isle of Wight im Süden Englands, führt an Cornwall vorbei, nimmt dann Kurs auf Fastnet Rock, der gerundet werden muss, bevor es auf fast gleichem Kurs zurückgeht, bis die Ziellinie im französischen Cherbourg überquert wird. Der Leuchtturm von Fastnet ist damit zur berühmtesten Wendemarke der Welt geworden. Nicht jeder, der ihn zuerst erreicht, bleibt auch am Ende Sieger. Aber schon das Sichten des Turms gilt vielen zu Recht als Triumph.

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Christian Tiedt

Christian Tiedt

Ressortleiter Reise

Christian Tiedt wurde in Hamburg geboren, blieb lange aber ohne direkten Zugang zum Wassersport. Nach der Berufsausbildung bot das Studium dann endlich die Gelegenheit, auf dem Wasser aktiv zu werden – und die entsprechenden Führerscheine zu machen. Zuerst beim Fahrtensegeln und dann, mit dem Einstieg bei BOOTE im Jahr 2004, auch mit Motorbooten aller Art. Christian konnte inzwischen fast ganz Europa (und einige weiter entfernte Destinationen) auf eigenem Kiel kennenlernen und teilt seine Erlebnisse und Erfahrungen für die YACHT und BOOTE am liebsten in Törnreportagen.

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