Christian Tiedt
· 10.08.2026
Es gibt diese Plätze am Ende der Welt. So entlegen, dass sie sich in der Wahrnehmung der meisten Menschen an der Grenze zum Irrealen befinden - oder schon dahinter. Selbst in der modernen Zeit. Wer sich dort hinbegibt, jenseits der Netzabdeckung, wagt den Schritt ins Nichts. Die Flannan Isles sind so ein Ort. Eine kleine Gruppe vulkanischer Felsen, belagert von der ewigen Brandung des Nordatlantiks.
Sie liegen rund 17 Seemeilen westlich der Insel Lewis, die zu den den Äußeren Hebriden gehört - ihrerseits in Großbritannien bereits der Inbegriff für Abgeschiedenheit und Einsamkeit. Da wundert es kaum, dass die Flannans des Namen eines Heiligen des siebten Jahrhunderts tragen, einem jener asketischen Eremiten, die Einkehr in der Abkehr suchten. Und ebenso wenig, dass sie unbewohnt blieben - bis im Dezember 1899 drei Männer auf dem gerade fertiggestellten Leuchtturm ihren Dienst begannen.
Ein knappes Jahr später, im Dezember 1900, bemerkte ein nachts passierendes Schiff, dass das Feuer des Turms nicht brannte - die schwerste Verfehlung, die sich die Wärter zu Schulden kommen lassen konnten. Das aufgrund von Stürmen erst Tage später zur Kontrolle entsandte Versorgungsboot fand die Station jedoch verwaist vor. Die drei Männer, der Leuchtturmwärter und seine beiden Assistenten, waren spurlos verschwunden.
Das Rätsel befeuerte die Fantasie der Zeitgenossen. Gerüchte machten die Runde, dass das Essen noch auf dem Tisch gestanden hatte, dass die Männer geflohen waren, um ein neues Leben anderswo zu beginnen, dass eine Seemonster sie verschlungen hatte. Ein Logbuch machte die Runde - gefälscht.
Die Untersuchung der Leuchtturmbehörde kam jedoch zu einem sehr viel nüchternen, wenn auch nicht weniger dramatischen Schluss: Eine Monsterwelle musste die drei während eines Kontrollgangs am Klippenrand mit sich gerissen haben. Entsprechende Zerstörungen hatte man gefunden - 34 Meter über der Meeresoberfläche.
Hier finden Sie noch mehr besondere Leuchttürme.
Bis heute zählt das Verschwinden der Besatzung der Flannan Isles zu den bekanntesten der zahlreichen tragischen und mysteriösen Geschichten, mal mehr, mal weniger verbrieft, die sich auf Leuchttürmen zugetragen haben. Auf diesem wilden Außenposten blieb es jedoch der einzige Zwischenfall. Trotz seiner Lage “am Ende der Welt” kam hier kein Mensch mehr zu schaden. 1971 wurde der Turm schließlich automatisiert. Wie seit ewigen Zeiten sind erneut Seevögel die einzigen dauerhaften Bewohner.
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Ressortleiter Reise
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