Lago MaggioreSchwebender Hafen setzt neue Maßstäbe für Binnengewässer

Jill Grigoleit

 · 16.02.2026

Lago Maggiore: Schwebender Hafen setzt neue Maßstäbe für BinnengewässerFoto: Studio Sciarini
Eine kleine Revolution in Sachen nautischer Infrastruktur. Der “schwebende” Hafen in der Schweiz soll 280 Liegeplätze schaffen.

Am Schweizer Ufer des Lago Maggiore entsteht ein bislang einzigartiges nautisches Projekt – ein Yachthafen, dessen Fundament nicht im Seegrund verankert ist, sondern scheinbar schwebend im Wasser hängt. Mit einem innovativen Tragwerk, 280 Liegeplätzen und einer Investition von rund 19 Millionen Euro könnte der Porto del Gambarogno ein wegweisendes Beispiel für Binnen-Marinas an steil abfallenden Ufern werden.

Not macht erfinderisch

Die Architektur des geplanten Hafens bei Gambarogno, am südlichen Ufer des Schweizer Teils des Lago Maggiore, sprengt klassische Hafenbauregeln: Statt einer flachen Wasserzone, in der Dalben, Spundwände oder Molen den Hafen stabilisieren, soll eine 1.000 Tonnen schwere schwebende Unterwasserkonstruktion aus Stahl die Stege tragen. Notwendig wurde dieser Ansatz aufgrund der besonderen Topographie des Sees.


Reviertipps für die Schweiz:


Wer schonmal im nördlichen Teil des Lago Maggiore unterwegs war, kennt die Lücke: Während das nördliche Ufer historische Anlegestellen wie Locarno, Ascona und Brissago aufweist, war das südliche Ufer (Kanton Tessin) rund um San Nazzaro aus nautischer Sicht seit jeher unzugänglich: steile Küsten und felsige Wände, die gleich hinter dem Ufer auf 60 bis über 100 Meter Tiefe abstürzen. Klassische Hafenbecken waren hier nicht realisierbar. Um dieses Hindernis zu überwinden, hat die Gemeinde Gambarogno eine Investition von 19 Millionen Schweizer Franken - umgerechnet knapp 20 Millionen Euro - für ein visionäres Projekt bereitgestellt. Das Ergebnis ist eine schwebende Konstruktion, entworfen vom Studio Sciarini mit technischer Unterstützung von Ingemar. Von der dreidimensionalen Stahlkonstruktion steigen vertikale Pfähle auf, an denen die schwimmenden Stege wie an einem Aufzug entlanggleiten. Sie passt sich variablen Wasserständen an und minimiert laut Planern außerdem Eingriffe in Boden und Ökosystem.

Zeitplan und Perspektiven

Die Fertigstellung ist bereits für Frühjahr 2027 geplant, und schon jetzt weckt der Hafen Erwartungen weit über die Region hinaus. Denn während klassische Hafenanlagen an flache Uferzonen gebunden sind, eröffnet der neue Hafen am Lago Maggiore auch für andere Seen, in denen Tiefen, Gelände und Uferverhältnisse Großmarinas bislang schwer zugänglich machten, neue Perspektiven.

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​Die Anlagen werden von spezialisierten Ingenieuren und nautischen Zulieferern errichtet. Mit 280 Liegeplätzen für Yachten zwischen acht und 20 Metern Länge, rund 440 Metern Stegflächen und 137 Fingerstegen soll innerhalb eines Jahres ein Marina-Komplex entstehen, der allen Anforderungen moderner Freizeit- und Sportboote gerecht wird. Ergänzt wird die Konstruktion von einer ebenfalls schwimmenden Wellenbrechermole von rund 340 Metern Länge.

Beliebtes Wassersportrevier Lago Maggiore

​Der Lago Maggiore ist ein 212 Quadratkilometer großer Alpensee, der sich von der Lombardei durch die Schweiz bis ins Piemont erstreckt. Er ist einer der tiefsten Süßwasserseen Europas (Bis 372 Meter) und ein etabliertes Revier für Segler und Motorbootsport. Er gehört zu den international geschätzten Binnenrevieren Europas, neben Gardasee, Comer See oder Luganer See. Mit seiner alpinen Kulisse, dem mediterranen Klima und der wachsenden nautischen Infrastruktur hat der See bereits viele Wassersportler überzeugt. Die neue Marina soll das touristische Angebot am See ergänzen und einen weiteren Anlaufpunkt für internationale Gäste schaffen.

Mit dem „schwebenden“ Hafenbecken zeigt die Schweiz nicht das erste Mal, wie technischer Fortschritt und Revitalisierung von Freizeit- und Tourismusinfrastruktur Hand in Hand gehen können. Das Projekt ist ein Statement für die Zukunft des Binnenbootsports: weg von starren, klassischen Hafenbecken, hin zu flexiblen, wasserstandsunabhängigen Lösungen, die dem Revier und seinen Nutzern gerecht werden.


Jill Grigoleit

Jill Grigoleit

Redakteurin Reise

Jill Grigoleit lebte zehn Jahre mit ihrer Familie auf einem Hausboot im eigenen Hafen südlich von Hamburg und schrieb ein Buch über den Hausbootbau und das Leben mit Kindern auf dem Wasser. Seit 2020 schreibt sie vor allem Reisereportagen und Revierporträts für YACHT und BOOTE und konnte damit ihre zwei großen Leidenschaften zum Beruf machen: Reisen und darüber schreiben. Seit Januar 2024 gehört sie fest zum Team des Reiseressorts der Wassersportredaktion von Delius Klasing. Seither sammelt sie in den verschiedensten Regionen Reviertipps und Geschichten über Menschen, die am und auf dem Wasser leben - von der Mecklenburgischen Seenplatte über die bretonische Küste bis ins kanadische Ontario.

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