SchwedenEntlang der Sonnenküste – Arkösund und die Insel Hävringe

Christian Tiedt

 · 14.05.2026

Hävringe aus der Vogelperspektive: Die historische rot-weiße Bake als Tagessichtzeichen dominiert das Bild.
Foto: Christian Tiedt
​Sonnenküste: So nennt sich der Südosten Schwedens. Ein wunderschönes Revier - auch wenn der Himmel mal nicht wolkenlos ist. Teil 4/4: Von Arkösund zur Insel Hävringe.

Themen in diesem Artikel

Wenn ich in Arkösund eine anonyme Riesenmarina erwartet hatte, werde ich eines Besseren belehrt. Auch hier sind Ausflügler unterwegs, es gibt Eis, Bier und einen Imbisswagen, der Wild grillt. Am Ufer einige stattliche hölzerne Villen. Ein Bohlenweg führt hinüber zu den Badholmarna, den Badeinseln, komplett mit kleinem Sandstrand und Sauna zwischen den Felsen. Ein RIB nimmt uns in Empfang und weist uns einen Platz zwischen anderen Yachten an, darunter eine Hallberg-Rassy mit US-Flagge.

Sommerkonzert in Arkösund

Das wichtigste Ziel für Bootsgäste ist der Supermarkt, Arkösunds Livs, 300 Meter die Straße hinauf, vorbei am oberhalb thronenden Hotel. Außerdem hinter den Bäumen: das Friluftsteater, zu dem viele Menschen mit Klappstühlen unterwegs sind.

Denn heute findet ein kostenloses Sommerkonzert statt. Der Headliner heißt Jay Smith, klingt wie Bruce Springsteen und passt perfekt in die rustikale Umgebung. Wir sind zwar nicht vor der Bühne mit dabei, kriegen aber trotzdem alles mit, nebenan auf der Terrasse des Arkö Krog.


Auch interessant:Auch interessant:


Von Arkö nach Nordosten

Ein weiterer strahlender Tag folgt, wir werden ihn ausnutzen. Auf dem Weg nach Landsort, der in halbwegs gerader Linie nach Nordosten verlaufen wird, wollen wir auf der kleinen Insel Hävringe vorbeischauen. Kein Schärenslalom, mehr offene See. Noch glitzert die endlose Fläche ringsum.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Es geht um die Südspitze von Arkö nach Nordosten. Auch wenn das Wetter unschuldig ist – ab mittags soll es auffrischen, ab Mitternacht ist Starkwind angesagt. Dann werden wir hoffentlich längst im Loch sein.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Eine Lösung findet sich immer

Nach etwa 15 Seemeilen haben wir Hävringe fast erreicht, seine markante mehrstöckige Bake ist wie ein Scherenschnitt im Gegenlicht schon lange auszumachen. An der Einfahrt, die kaum breiter ist als unsere Trader, begrüßt uns das Schild „Fullt“ – voll.

Aber der freundliche Mann, der uns in Empfang nimmt (Reservierungen sind nicht möglich), findet eine Lösung: Für die kurze Zeit können wir am Kai der Anlieger festmachen, der bis auf eine Axopar gerade frei ist. Am mit Schild gekennzeichneten „Gästplats“ gegenüber liegen vier Yachten mit Heckanker nebeneinander.

Inselrundgang auf Hävringe

Für uns ist das perfekt. Die Zeit drängt eh. Das gilt allerdings nicht für die anderen Menschen auf der Insel: Familien mit Kindern, ein Trio in Tarnfarben und Angelausrüstung, eine Frau mit Fernrohr fürs Birdwatching. Mädchen plantschen am meterlangen Kiesstrand, und auf den Veranden wartet man in Ruhe darauf, was der Tag noch bringen wird.

Klar, auch auf Hävringe war das Leben einst hart. Fischer, Lotsen, Leuchtturmwärter: In einer Zeit, als Urlaub noch nicht erfunden war, musste hier draußen alles dem Meer abgerungen werden, wie an anderen Küsten der Welt auch.

Nein, kein Alltag in Sicht.

Aber wer sagt, dass damals an einem Tag wie heute nicht auch einmal die Füße hochgelegt wurden? So ist die Zeit auf den Schären doch ein Stück stehen geblieben. Mit dem kleinen Unterschied, dass man sich heute glücklich schätzen darf, nach Lust und Laune genießen zu können.

Der Pfad windet sich hinauf zur hölzernen Bake, dann zu einer alten Geschützstellung, von der nur noch die von gelben Blüten umrandete Bettung geblieben ist, und dann zum Rundumblick auf den höchsten Felsen. Nein, kein Alltag in Sicht.

Revierinfos: Östergötland

​Der Cruising Club der Schweiz (CCS)

Auf diesem Törn waren wir mit dem Cruising Club der Schweiz (CCS) unterwegs. Der in Bern ansässige Zentralclub gehört mit rund 6.500 Mitgliedern zu den größten Wassersportvereinen der Schweiz und nimmt bei der Hochseeausbildung eine Führungsposition in der Sportschifffahrt des Landes ein.

Im Verein bildet die Motorbootabteilung mit ihrer eigenen Yacht, die für Ausbildungs- und Reisetörns in Nord- und Westeuropa eingesetzt wird, eine Untersparte. In der Reisesaison 2026 führt das Törnprogramm für Mitglieder von der Nordsee über den Ärmelkanal bis in die südliche Bretagne und zurück in den Solent, mit Abstechern nach London und Paris. ccs-motoryacht.ch

Die Yacht

„Rolling Swiss 2“ (Trader 42; Halbgleiter aus GFK). Länge: 13,30 m · Breite: 4,30 m · Höhe: 3,80 m · Tiefgang: 1,20 m · Kojen: 6 (in 3 Doppelkabinen) · WC/Dusche: 2/2 · CE-Kategorie: A · Motorisierung: 2 x 380 PS (Cummins-Diesel) · Besondere Ausstattung: UKW-Funkanlage, Autopilot, Plotter mit Radar- und AIS-Overlay (aktiv und passiv), Generator, Epirb, Bugstrahlruder, Dingi mit 15-PS-Außenborder in Davits.

Das Revier

Das auf diesem zweiwöchigen Törn bereiste Revier umfasst den Abschnitt der schwedischen Südostküste zwischen Kalmar und Stockholm (in diesem ersten Teil der Reportage bis Hävringe bei Landsort). Von Süden nach Norden berührt er die Provinzen Kalmar, Östergötland und Södermanland.

Während sich im Kalmarsund vergleichsweise wenige Inseln befinden, nimmt die Anzahl der Schären nach Norden hin zu. Zum Schärengarten von Östergötland gehört der Sankt-Anna-Schärengarten, der vor dem östlichen Zugang zum Götakanal liegt. Die direkte Distanz zwischen Kalmar und Hävringe beträgt 220 Kilometer oder 120 Seemeilen.

Die Navigation

Küste und Schären sind eiszeitlich geformt und durch flache Felsenlandschaft geprägt. Durchgehende Fahrwasser sind auf der Seekarte ausgewiesen und je nach Bedeutung betonnt und befeuert. Abseits dieser Fahrwasser, etwa bei der Absteuerung von Buchten oder Naturhäfen, muss sorgfältig navigiert werden. Gute Vorbereitung bei der Streckenplanung ist unerlässlich.

Häfen und Ankerplätze

Davon abgesehen bietet das Revier eine Vielzahl von Gasthäfen, Marinas und anderen Liegemöglichkeiten. Da es besonders im Sommer zur Ferienzeit dennoch sehr voll werden kann, sollten für die Übernachtungen Alternativen vorbereitet werden. Stadthäfen am Festland verfügen in der Regel über ein umfangreiches Serviceangebot mit guten Versorgungsmöglichkeiten.

Literatur und Seekarten

  • Delius Klasing Sportbootkartensätze 11 „Ostküste Schweden 1“ (Format A2, ISBN 978-3-667-13023-5, 129,90 Euro) und 12 „Ostküste Schweden 2“ (Format A2, ISBN 978-3- 667-13190-4, 139,90 Euro). delius-klasing.de
  • Hafenführer „Hamnguiden 7. Landsort – Skanör, Öland, Gotland, Bornholm“, ISBN 978-82-7997-243-3, 75 Euro. lmf.no

​Auch interessant:

Christian Tiedt

Christian Tiedt

Ressortleiter Reise

Christian Tiedt wurde in Hamburg geboren, blieb lange aber ohne direkten Zugang zum Wassersport. Nach der Berufsausbildung bot das Studium dann endlich die Gelegenheit, auf dem Wasser aktiv zu werden – und die entsprechenden Führerscheine zu machen. Zuerst beim Fahrtensegeln und dann, mit dem Einstieg bei BOOTE im Jahr 2004, auch mit Motorbooten aller Art. Christian konnte inzwischen fast ganz Europa (und einige weiter entfernte Destinationen) auf eigenem Kiel kennenlernen und teilt seine Erlebnisse und Erfahrungen für die YACHT und BOOTE am liebsten in Törnreportagen.

Meistgelesen in der Rubrik Reisen