SchwedenEntlang der Sonnenküste – Harstena

Christian Tiedt

 · 10.05.2026

Unsere Trader passiert das Restaurang Loftet am Sund von Harstena.
Foto: Christian Tiedt
​Sonnenküste: So nennt sich der Südosten Schwedens. Ein wunderschönes Revier - auch wenn der Himmel mal nicht wolkenlos ist. Teil 3/4: Harstena.

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Wir verabschieden uns, lösen die Leinen, und der Skipper dreht die „RS2“ vorsichtig auf dem Teller, bis der Bug auf die schmale Ausfahrt zeigt. Die nächsten zwei Stunden sind schönste Revierfahrt durch die Schären Östergötlands. Im Zickzack steuern wir nach Norden, etwa zehn Seemeilen sind es nach Harstena. Die meisten der Inseln sind namenlos, zumindest auf unseren Karten. Für die Orientierung der Robbenfänger und Fischer in früheren Zeiten waren die größeren Eilande sicher völlig ausreichend.

Im Schärengarten von Östergötland

Enge Durchfahrten wechseln sich ab mit weiten Passagen. Viel Sportschifffahrt ist unterwegs, meist unter Motor. Die Geduldigen unter den Seglern versuchen den schwachen Hauch zu nutzen, doch selbst das leichteste Tuch fällt immer wieder ein. Fångö zieht an Backbord vorbei und es geht über das Reskärsdjupet.


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An der Zufahrt nach Harstena könnte man glatt vorbeifahren. Wir biegen nach Steuerbord in den engen Sund ein und vor uns liegt eine dicht gedrängte Szene, die nicht sommerlicher sein könnte: Yachten mit Heckanker entlang des Uferstegs, ein weißer Schärendampfer, ein Restaurant am Wasser, die Terrasse voll besetzt.

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Urlaubsstimmung in Harstena

Dahinter weitere Häuser und Wald. Menschen sind überall, die ausgelassene Stimmung ist bis an Bord spürbar. Zwei Mädchen auf dem SUP, ein paddelndes Pärchen, Familien vom Festland, Bootscrews und Tagesgäste, Kinderwagen, Klappstühle und ein alter Mann, der sorgfältig ein Netz zum Trocknen aufhängt.

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Fantastisch, hier müsste man bleiben! Zumindest zwei Stunden gönnen wir uns. Da am Steg kein Platz ist, ankern wir weiter vorne in einer kleinen Bucht bei einem Katamaran. Auch perfekt – und das Dingi ist im Nu im Wasser. Möchte mal wissen, was hier im August los ist.

Zwei Stunden zum Landgang

Landgang und gleich mittendrin: das Restaurang Loftet, die Touristinformation, die Handelsbod, alle an einer kleinen Kreuzung, an der als Deko ein alter Trecker parkt. Verlaufen kann sich hier niemand. Auf den warmen blanken Felsen über dem Wasser sind die Handtücher der Sonnenhungrigsten ausgebreitet. Vom lebhaften Hafenkino lassen sie sich nicht aus der Ruhe bringen.

Nur kleine Boote durchfahren den Sund bis zu seinem anderen Ende, der zwar betonnt, aber sehr flach ist. 1,50 Meter, warnt ein Schild. Daycruiser trauen sich, auch eine Wanderjolle. Und natürlich die fünf Kinder im Schlauchboot, der Skipper vielleicht zehn Jahre alt.

Es fällt schwer, sich loszureißen

Schwer, sich von diesem Paradies loszureißen, aber es muss sein. Next Stop: Arkösund, von dem Wikipedia nicht viel mehr zu berichten weiß, als dass es 180 Einwohner hat und im Sommer ein beliebter Anlaufpunkt für Yachten ist. Klingt erst mal nicht so spannend, ein Sail-in-Supermarkt. Wir lassen uns überraschen.

Noch einmal zweieinhalb Stunden, wobei wir schon bald auf das Hauptfahrwasser zurückkommen, mit Feuern an jeder Ecke. Sie heißen wie die Inseln, auf denen sie stehen: Enskär, Fågelön, Ådkobb. Sie gehören zum Sankt Anna skärgård. Nach Westen führt der Finnfjärden. An seinem inneren Ende, dem Slätbaken, etwa 15 Seemeilen entfernt, liegt Mem – der Beginn des Götakanals.

Revierinfos: Östergötland

​Der Cruising Club der Schweiz (CCS)

Auf diesem Törn waren wir mit dem Cruising Club der Schweiz (CCS) unterwegs. Der in Bern ansässige Zentralclub gehört mit rund 6.500 Mitgliedern zu den größten Wassersportvereinen der Schweiz und nimmt bei der Hochseeausbildung eine Führungsposition in der Sportschifffahrt des Landes ein.

Im Verein bildet die Motorbootabteilung mit ihrer eigenen Yacht, die für Ausbildungs- und Reisetörns in Nord- und Westeuropa eingesetzt wird, eine Untersparte. In der Reisesaison 2026 führt das Törnprogramm für Mitglieder von der Nordsee über den Ärmelkanal bis in die südliche Bretagne und zurück in den Solent, mit Abstechern nach London und Paris. ccs-motoryacht.ch

Die Yacht

„Rolling Swiss 2“ (Trader 42; Halbgleiter aus GFK). Länge: 13,30 m · Breite: 4,30 m · Höhe: 3,80 m · Tiefgang: 1,20 m · Kojen: 6 (in 3 Doppelkabinen) · WC/Dusche: 2/2 · CE-Kategorie: A · Motorisierung: 2 x 380 PS (Cummins-Diesel) · Besondere Ausstattung: UKW-Funkanlage, Autopilot, Plotter mit Radar- und AIS-Overlay (aktiv und passiv), Generator, Epirb, Bugstrahlruder, Dingi mit 15-PS-Außenborder in Davits.

Das Revier

Das auf diesem zweiwöchigen Törn bereiste Revier umfasst den Abschnitt der schwedischen Südostküste zwischen Kalmar und Stockholm (in diesem ersten Teil der Reportage bis Hävringe bei Landsort). Von Süden nach Norden berührt er die Provinzen Kalmar, Östergötland und Södermanland.

Während sich im Kalmarsund vergleichsweise wenige Inseln befinden, nimmt die Anzahl der Schären nach Norden hin zu. Zum Schärengarten von Östergötland gehört der Sankt-Anna-Schärengarten, der vor dem östlichen Zugang zum Götakanal liegt. Die direkte Distanz zwischen Kalmar und Hävringe beträgt 220 Kilometer oder 120 Seemeilen.

Die Navigation

Küste und Schären sind eiszeitlich geformt und durch flache Felsenlandschaft geprägt. Durchgehende Fahrwasser sind auf der Seekarte ausgewiesen und je nach Bedeutung betonnt und befeuert. Abseits dieser Fahrwasser, etwa bei der Absteuerung von Buchten oder Naturhäfen, muss sorgfältig navigiert werden. Gute Vorbereitung bei der Streckenplanung ist unerlässlich.

Häfen und Ankerplätze

Davon abgesehen bietet das Revier eine Vielzahl von Gasthäfen, Marinas und anderen Liegemöglichkeiten. Da es besonders im Sommer zur Ferienzeit dennoch sehr voll werden kann, sollten für die Übernachtungen Alternativen vorbereitet werden. Stadthäfen am Festland verfügen in der Regel über ein umfangreiches Serviceangebot mit guten Versorgungsmöglichkeiten.

Literatur und Seekarten

  • Delius Klasing Sportbootkartensätze 11 „Ostküste Schweden 1“ (Format A2, ISBN 978-3-667-13023-5, 129,90 Euro) und 12 „Ostküste Schweden 2“ (Format A2, ISBN 978-3- 667-13190-4, 139,90 Euro). delius-klasing.de
  • Hafenführer „Hamnguiden 7. Landsort – Skanör, Öland, Gotland, Bornholm“, ISBN 978-82-7997-243-3, 75 Euro. lmf.no

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Christian Tiedt

Ressortleiter Reise

Christian Tiedt wurde in Hamburg geboren, blieb lange aber ohne direkten Zugang zum Wassersport. Nach der Berufsausbildung bot das Studium dann endlich die Gelegenheit, auf dem Wasser aktiv zu werden – und die entsprechenden Führerscheine zu machen. Zuerst beim Fahrtensegeln und dann, mit dem Einstieg bei BOOTE im Jahr 2004, auch mit Motorbooten aller Art. Christian konnte inzwischen fast ganz Europa (und einige weiter entfernte Destinationen) auf eigenem Kiel kennenlernen und teilt seine Erlebnisse und Erfahrungen für die YACHT und BOOTE am liebsten in Törnreportagen.

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