Angriffe und Sabotageakte gegen kritische Infrastruktur in Ostsee und Nordsee haben 2024 und 2025 spürbar zugenommen. Unterseeische Kabel und Pipelines, die europäische Länder mit Ressourcen und Informationen versorgen, wurden teils von nicht identifizierten Akteuren manipuliert oder beschädigt. Als Reaktion auf die veränderte Bedrohungslage in der Ostsee testete die dänische Marine vier Segeldrohnen des US-Anbieters Saildrone.
Die Zahlen der sechsmonatigen Testphase sprechen für sich: So erfasste die kleine Saildrone-Flotte mehr als 170.000 einzelne Schiffe, legte über 20.000 Seemeilen zurück und erreichte eine Betriebszeit von 92 Prozent – und das bei allen Wetter- und Seebedingungen. Bemannte Schiffe erreichen im Vergleich häufig nur eine operative Verfügbarkeit von rund 30 Prozent. Diese hohe Effizienz ist vor allem den guten Segeleigenschaften der Drohnen zu verdanken: Sie unterstützen den diesel-elektrischen Antrieb so wirksam, dass nahezu unbegrenzte Reichweite und Ausdauer möglich werden.
Die in der Ostsee eingesetzten Segeldrohnen können auch Schiffe mit deaktiviertem AIS (Automatic Identification System) in Echtzeit erkennen und klassifizieren. Dafür nutzen sie eine Kombination aus Langstreckenradar, AIS-Tracking sowie Bordanalytik, ergänzt durch Infrarottechnik. Zuvor wurde die Technologie von der US-Marine erprobt, die solche Drohnen seit mehreren Jahren zur Bekämpfung von Drogen- und Menschenschmuggel nutzt. Laut Herstellerangaben haben die Systeme weltweit unter unterschiedlichsten Bedingungen bereits mehr als zwei Millionen Seemeilen zurückgelegt.
Bislang waren die Saildrones nicht nur unbemannt, sondern auch unbewaffnet. Das soll sich jedoch bald ändern. Der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin hatte bereits 2025 angekündigt, 50 Millionen Dollar in die maritime Drohnentechnik von Saildrone zu investieren. Ein beruhigender Gedanke ist das nicht: Wer möchte schon, dass das eigene Boot in absehbarer Zeit von einem schussbereiten Roboter beäugt wird? Aus der Luft wurden mutmaßliche Drogenschmuggelboote in der Karibik bereits ohne Vorwarnung angegriffen und versenkt. In der Ostsee soll diese Option für Segeldrohnen jedoch nicht vorgesehen sein.
Dänemark und Schweden planen, zusätzliche Schiffe und U-Boote zu beschaffen, um die Überwachung und den Schutz von Unterwasserinfrastruktur sowie ihrer territorialen Gewässer weiter auszubauen. Segeldrohnen des Typs Voyager sollen die Streitkräfte dabei unterstützen, indem sie ausgewählte Gebiete dauerhaft überwachen und als Frühwarnsystem dienen.
Saildrone Denmark, eine neu gegründete europäische Tochtergesellschaft, hat ihren strategischen Sitz in Kopenhagen. Die europäischen Einsätze werden von lokalen Ingenieuren, Piloten und regionalen Sicherheitsexperten gesteuert und personell abgesichert. In ernsten Lagen können Freizeit-Skipper die Segeldrohnen über Kanal 16 anfunken. Wie die Systeme dann reagieren – etwa bei drohender Kollision – wird sich in der Praxis erst noch zeigen. Im Zweifel sollte den rund zehn Meter langen Marinedrohnen stets ausgewichen werden, auch wenn sie unbewaffnet sind.

Redakteur News & Panorama
Morten Strauch entdeckte als Teenager seine Liebe zum Segeln. Angefangen mit der Jolle auf dem Steinhuder Meer, folgten Chartertörns auf der Ostsee und im Mittelmeer. Bisheriger Höhepunkt war eine Zweihand-Atlantiküberquerung auf einem GFK-Klassiker von Miami nach Cuxhaven. Mit dem eigenen Boot zieht es ihn meist in die dänischen Gewässer. Seit 2022 ist er Redakteur bei der YACHT im Ressort Panorama mit einem Faible für historische Schiffe und Abenteurer.