Das „Segelhandbuch der Adria“, seinerzeit herausgegeben von der k. u. k. Kriegsmarine, hatte keinen Sinn für das Schöne, nur für das Praktische – und auch das strikt im nautischen Sinn. Den Golf von Cattaro, südlichster Zipfel Österreich-Ungarns, beschrieb es lediglich als Kriegshafen, und zwar „in seiner ganzen Ausdehnung“.
Kein Wort vom imposanten Panorama der tief eingeschnittenen, gebirgigen Bucht von Kotor, wie sie heute heißt. Immerhin: In Friedenszeiten war die Einfahrt „Yachten gestattet“, versprach der Wälzer.
Und die kamen schon während der Donaumonarchie: Wenn der Deutsche Kaiser für die Sommerfrische nach Norden dampfte, orientierte man sich von Wien und Budapest aus eher nach Süden, wo die Bucht von Kotor ein ähnliches Naturerlebnis versprach wie Norwegens Fjorde – nur eben deutlich sommerlicher und weniger frisch.
So kann man SMS „Miramar“, die elegante Staatsyacht Franz Josephs, als Vorläuferin der vielen modernen Superyachten sehen, die heute Montenegro ansteuern. Und anders als zu Zeiten der Monarchie gibt es auch einen standesgemäßen Hafen für Gäste auf eigenem Kiel: Porto Montenegro in der Hafenstadt Tivat. Bis zu einer Länge von 250 Metern kommt man hier unter, natürlich bei umfassendem Serviceangebot. Davon konnten die kaiserlich und königlichen Matrosen anno 1900 nur träumen.

Ressortleiter Reise