David Ingelfinger
· 07.04.2026
Um die Lage an den Stegen an der Ostsee zu erfassen, haben wir mehr als 200 Häfen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern kontaktiert. Eine detaillierte Datenbasis lieferten uns schließlich 83 Betriebe – vom kleinen Verein bis zur großen kommerziellen Marina.
Unterm Strich gibt es entlang der Küste wieder mehr freie Dauerliegeplätze. In unserer Umfrage kletterte die Zahl der verfügbaren Boxen von 419 im Vorjahr auf nun 486 Plätze für die Saison 2026. Das klingt zwar nach Entlastung, passt aber kaum zur Erfahrung vieler Eigner, die oft monatelang nach einem passenden Liegeplatz für ihr Boot suchen.
Tatsächlich sind viele Häfen, gerade in der westlichen Ostsee, nach wie vor zu 100 Prozent belegt und die Wartelisten entsprechend lang. Dieser Widerspruch zieht sich durch die gesamte Erhebung: Über die Hälfte der befragten Marinas meldete für die neue Saison bereits "vollbesetzt", obwohl in der Summe mehr freie Kapazitäten gemeldet wurden als 2025.
Das liegt schlicht daran, dass die neuen Plätze nur in wenigen Häfen entstanden sind. In der breiten Masse, vor allem in Schleswig-Holstein, bleibt dagegen fast alles restlos ausgebucht.
Neben der Kapazität zeigt die Umfrage auch, dass die Kosten für einen Liegeplatz regional stark variieren können. So kann ein Liegeplatz in der Marina deutlich teurer sein als ein vergleichbarer Platz in einem nahegelegenen Naturhafen. Die Spanne kann hier mitunter zwischen 20 und 70 Euro pro Quadratmeter liegen. Bei einer 12-Meter-Yacht kann das einen Unterschied von bis zu 1.750 Euro pro Jahr ausmachen. Das gilt auch für Gastliegeplätze. Auch hier herrscht ein hohes Preisgefälle. Die Bandbreite reicht von 14 bis 40 Euro pro Nacht.
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Das liegt mitunter daran, dass insbesondere für große Marinas, die tendenziell teurer sind, die Instandhaltungskosten bei den Steg- und Sanitäranlagen ebenfalls höher sind. Der wirtschaftliche Erfolg der Marinas hängt daher immer mehr von einer stabilen Mischkalkulation ab, bei der Dienstleistungen an Land das Defizit im Wasser ausgleichen müssen.
In der Theorie bieten die Ostseehäfen im Hinblick auf ihre Ausstattung ausreichend Optionen. Mit einer mittleren Boxenbreite von 4,80 Metern und einer durchschnittlichen Wassertiefe von 2,60 Metern sollten die meisten Fahrtenyachten in einem Großteil der Häfen problemlos eine Box finden. Gleiches gilt für die maximale Schiffslänge, die im Mittel bei 16 Metern ausreichend Platz bietet.
Auch die Infrastruktur ist laut unseren Daten entlang der kompletten deutschen Ostseeküste gut ausgebaut. So haben fast drei Viertel der Häfen (74,7 %) einen Mastkran und 87 Prozent bieten Essensmöglichkeiten in Reichweite. Anders sieht es in Sachen Digitalisierung aus: Weniger als die Hälfte aller von uns befragten Häfen (41 %) haben einen Kassenautomaten in Betrieb, hier besteht noch Nachhohlbedarf. Auch bei der Kalkulation der Nebenkosten gibt es Unterschiede: Während Frischwasser (81,0 %) und Landstrom (78,5 %) meist im Liegegeld enthalten sind, müssen Segler in fast jedem dritten Hafen (31,6 %) für die Nutzung der Sanitäranlagen zusätzlich in die Bordkasse greifen.

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