Vier Seemeilen vor Kopenhagen liegt Flakfortet wie ein kleiner Fremdkörper im Sund: eine Insel aus rund zwei Millionen Tonnen Bruchstein, Beton und Sand, umgeben von einer Mole. Hinter diesem Schutzwall liegt ein Hafen. Wer dort festmacht, liegt direkt unter den Kasematten eines ehemaligen Seeforts, mit Blick auf Kopenhagen auf der einen und die schwedische Küste auf der anderen Seite.
Für Sportbootfahrer ist das kein gewöhnlicher Stopp. Je nach Startpunkt dauert die Anfahrt nur 20 bis 40 Minuten. Es gibt Duschen, einen Kiosk für das Nötigste, Gastronomie und historische Bunkeranlagen, die besichtigt werden können. Bis zu 200 Boote finden in der Marina Platz. Gerade die Mischung aus geschütztem Hafen, exponierter Lage und Geschichte macht Flakfortet zu einem der ungewöhnlichsten Ziele im Øresund.
Errichtet wurde das Fort zwischen 1910 und 1916 als Teil der Kopenhagener Seebefestigung. Bis zu 550 Soldaten sollten hier stationiert werden, doch im Ersten Weltkrieg kam die Anlage nie zum Kampfeinsatz. 1968 zog das dänische Militär ab, danach verfielen die Kasematten.
Die zweite Geschichte von Flakfortet begann 1975. Die Kopenhagener Segelunion pachtete die verlassene Anlage. Aus den Geschützstellungen wurden Liegeplätze, aus der Offiziersmesse ein Restaurant. Seitdem entwickelte sich die Insel zu einem Treffpunkt für Sportbootfahrer, Ausflügler und Besucher aus Kopenhagen. 2001 verkaufte der dänische Staat die Anlage für drei Millionen Kronen, rund 401.000 Euro, an das schwedische Unternehmen Malmökranen AB. Die neuen Eigentümer investierten rund zwei Millionen Euro in Sanitäranlagen, Restaurant, Fährverbindung, Trinkwasseraufbereitung und eine autarke Stromversorgung.
Neu auf dem Markt ist Flakfortet nicht. Schon 2015 wurde ein Käufer gesucht, damals für 56,5 Millionen Kronen, rund 7,56 Millionen Euro, allerdings ohne Erfolg. Seit Januar 2026 läuft nun der nächste Verkaufsversuch. Die aktuelle Anzeige der Maklerin nennt inzwischen einen Preis von 42 Millionen Kronen, rund 5,62 Millionen Euro.
Der Preisnachlass von 32,75 Millionen Kronen, rund 4,38 Millionen Euro, fällt auf. Doch wer nur von einer privaten Insel mit eigenem Liegeplatz träumt, sollte die Bedingungen genau prüfen. Flakfortet steht seit 2002 unter Denkmalschutz. Umbauten, Erweiterungen und größere Sanierungen müssen mit der dänischen Kulturbehörde abgestimmt werden.
Für Sportbootfahrer noch wichtiger ist aber etwas anderes: Die öffentliche Zugänglichkeit gehört zu den Auflagen, die beim staatlichen Verkauf vereinbart wurden. Flakfortet darf also nicht einfach zu einem abgeschotteten Privatrefugium werden. Das zeigte sich auch 2018, als die dänische Museumsverwaltung den Rückbau von Umbauten auf den Stand von 1995 verlangte. Damals wären auch die Sanitäranlagen betroffen gewesen, der Hafen hätte nicht weiter betrieben werden können. Nach großem Protest aus der Seglerschaft und von Verbänden lenkte die Behörde innerhalb eines Monats ein. Der Streit um den Fortbestand der Marina macht deutlich, wie eng die Zukunft des Hafens an den Denkmalschutz gebunden bleibt.
42 Millionen Kronen, rund 5,62 Millionen Euro, wirken für eine Insel mit Hafen, Gastronomie und Kopenhagen vor der Tür zunächst deutlich weniger abschreckend als die frühere Forderung. Die laufenden Eigentümerkosten beziffert die aktuelle Anzeige mit 14.599 Kronen pro Monat, rund 1.953 Euro. Was Wartung, Personal, Hafenbetrieb und denkmalgerechte Arbeiten tatsächlich kosten, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Für einen Betreiber, eine Stiftung oder einen sehr vermögenden Eigner mit tragfähigem Konzept könnte Flakfortet damit tatsächlich interessanter geworden sein. Für die meisten Bootsfahrer liegt die Bedeutung ohnehin woanders: als ungewöhnlicher, öffentlich erreichbarer Hafen im Øresund. Genau das macht die Frage beim Verkauf so spannend, nicht nur wer die Insel kaufen kann, sondern wer sie künftig für Sportboote offen hält.
Törnführer Dänemark 2 führt durch die dänische Inselwelt von Südfünen über Seeland und Kopenhagen bis Bornholm. Für einen Törn im Øresund liefert der Band Revierwissen, Hinweise zur Ansteuerung sowie Hafenpläne und hilft damit auch bei der Einordnung, warum Flakfortet für viele Crews mehr ist als eine kuriose Festungsinsel mitten im Fahrwasser.
Rückt der Traum vom eigenen Yachthafen mit dem neuen Preis näher – oder gehört Flakfortet gerade wegen seiner Geschichte und öffentlichen Rolle weiter allen Sportbootfahrern?

Redakteurin Panorama und Reise
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