GibraltarDas Tor zum Mittelmeer

Christian Tiedt

 · 28.02.2024

Blick auf Altstadt und Queensway Quay Marina
Foto: Christian Tiedt
Ende der Welt oder aller Anfang? Am Ausgang des Mittelmeers war Gibraltar lange Sinnbild für den Übergang vom Bekannten zum Unbekannten – besonders für Seefahrer. „Der Felsen“ im Porträt.

Für die Menschen des Altertums markierten sie das Ende der Welt: die Säulen des Herakles. Ihren Ursprung haben sie tief in den Mythen des antiken Griechenlands. Herakles, Sohn des Zeus, soll sie laut Legende am Eingang zur Straße von Gibraltar erschaffen haben, um die Grenze zwischen der bekannten Welt und der unbekannten zu markieren. Der Legende nach soll der berühmte Held an den Säulen Schilder mit der (noch heute bekannten) Inschrift befestigt haben: „Non Plus Ultra“ – hiernach kommt nicht mehr.

Gibraltar: Ende der Welt oder aller Anfang?

Eine deutliche Warnung an die Seefahrer, sich nicht in die unerforschten Weiten des Atlantiks zu wagen, mit seiner langen Dünung und dem endlosen Horizont. Heute wenig überraschend, wurden die Tafeln nie gefunden. Da jedoch selbst von den tatsächlichen Säulen nie auch nur ein Stein entdeckt wurde, identifizierten die Gelehrten bald geografische Merkmale mit ihnen: Die markanten Felsen von Gibraltar auf der europäischen Seite und das Bergmassiv Jbel Musa auf der afrikanischen Seite.

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Im Laufe der Geschichte wurden so die Berge selbst zu einem Symbol für Entdeckung und Abenteuer.”

Seefahrer der Antike und der Renaissance betrachteten die Überquerung der Straße von Gibraltar als Tor. Nicht als das Ende einer Reise, sondern als Anfang. Für ihre Karavellen und Karacken symbolisierten sie den Abschied: Last Exit Europa.

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Europa Point ist der südlichste Ausläufer der Halbinsel von Gibraltar. Sein markanter Leuchtturm, strahlend weiß mit rotem Band, erhebt sich auf hohen Klippen gleich zu Füßen des Felsen. Er ist wichtige Landmarke und Seezeichen für alle Skipper, die aus dem Mittelmeer kommen und in die Bucht von Algeciras und zu den Häfen Gibraltars wollen. Errichtet wurde er zu Zeiten Queen Victorias und wird noch immer von Trinity House betrieben, der Leuchtfeuerverwaltung in London.

Der Felsen von Gibraltar

Denn Gibraltar ist britisches Überseegebiet mit begrenzter innerer Autonomie, das eine starke Bindung zum Vereinigten Königreich unterhält. 1704 erobert und 1713 im Vertrag von Utrecht offiziell an Großbritannien übergeben, ist das kaum sieben Quadratkilometer große Territorium (was in etwa der Fläche des Hamburger Elbvorortes Blankenese entspricht).

Die strategische Bedeutung Gibraltars als Kontrollpunkt über die Straße von Gibraltar, einer wichtigen Seeroute zwischen dem Atlantik und dem Mittelmeer, war jedoch ein Schlüssel von unschätzbarem Wert für die einstige maritime Macht des Empires. Und um diese Rolle zu unterstreichen, findet sich dieser Schlüssel seit 1982 sogar in der offiziellen Flagge Gibraltars.

Heute ist der weit über das Umland aufragende Kalksteinfelsen selbst eins der beliebtesten Touristenziele der Region.”

Besucher können mit dem Gibraltar Cable Car, einer Seilbahn, zum Gipfel in 426 Meter Höhe fahren. Die Kolonie von etwa 200 wilden Berberaffen, die auf dem Felsen leben, sind eine weitere Attraktion. Aber Vorsicht: Rucksäcke vorn tragen!

Von der Aussichtsplattform und verschiedenen Aussichtspunkten die Rundumsicht atemberaubend. Bei klarem Wetter ist die rund 21 Kilometer entfernte Küste Marokkos gut zu erkennen (der südlichste Punkt des europäischen Festlandes und der eigentliche Übergang zum Atlantik, das spanische Tarifa, liegt westlich. Dort erreicht die Straße von Gibraltar auch mit 15 Kilometern ihre schmalste Stelle).

Must See: Highlights in Gibraltar

Britisches Flair ist in Gibraltar allgegenwärtig. Ein Ort, an dem Besucher besonders stark britische Einflüsse erleben können, ist Grand Casemates Square. Dieser lebhafte Platz in der Altstadt von Gibraltar ist gesäumt von Pubs, Cafés und Restaurants, in denen fish and chips, pint of bitter oder eine cuppa tea auf den Tisch kommen.

Zu den bekanntesten Pubs gehören der Lord Nelson (benannt nach dem Seehelden, der 1805 bei dem unweit entfernten Kap Trafalgar seinen größten Sieg errang, jedoch sein Leben verlor) und der Angry Friar in der anschließenden Main Street. Very british sind auch die roten Telefonzellen und Briefkästen.

Darüber hinaus erinnern Baustil und Namen wie Queensway Road und Winston Churchill Avenue an das entfernte Mutterland.”

Zu den weiteren Punkten auf der Bucketlist für einen Besuch in „Gib“, wie die Kurzform lautet, gehören der Große Belagerungstunnel aus dem 18. Jahrhundert, die St. Michael’s Cave, eine Tropfsteinhöhle, die auch für Konzerte genutzt wird, das Gibraltar National Museum in der Bomb House Lane und das Naturschutzgebiet an den oberen Hängen des Felsen mit seiner vielfältigen mediterranen Pflanzen- und Tierwelt.

Einreise, Zoll und Liegeplätze

Bürger der Europäischen Union können übrigens mit gültigem Reisepass oder Personalausweis nach Gibraltar einreisen, müssen jedoch die Zoll- und Einreisebestimmungen beachten, da Gibraltar nicht Teil des Schengenraums ist und eigene Kontrollen durchführt.

Für Gäste auf eigenem Kiel gibt es auf der Westseite der Halbinsel zwei Anlaufstellen: Zum einen Ocean Village/ Marina Bay gleich südlich der Flughafen-Landebahn (UKW-Kanal 71, Liegeplatzzuweisung, voller Service inklusive Tankstelle.

Achtung: Bei Flugbetrieb und Warnleuchten ist kein Ein- und Auslaufen gestattet).”

Die andere Option ist die zentral gelegene, exklusive Queensway Quay Marina, ebenfalls mit vollem Serviceangebot (Anmeldung: UKW-71). Beide Häfen sind auch für Megayachten ausgelegt, Boote regulärer Größe machen – wie im Mittelmeer üblich – mit Muringleine am Bug und dem Heck zum Steg.


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Christian Tiedt

Christian Tiedt

Ressortleiter Reise

Christian Tiedt wurde in Hamburg geboren, blieb lange aber ohne direkten Zugang zum Wassersport. Nach der Berufsausbildung bot das Studium dann endlich die Gelegenheit, auf dem Wasser aktiv zu werden – und die entsprechenden Führerscheine zu machen. Zuerst beim Fahrtensegeln und dann, mit dem Einstieg bei BOOTE im Jahr 2004, auch mit Motorbooten aller Art. Christian konnte inzwischen fast ganz Europa (und einige weiter entfernte Destinationen) auf eigenem Kiel kennenlernen und teilt seine Erlebnisse und Erfahrungen für die YACHT und BOOTE am liebsten in Törnreportagen.

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