KroatienRund Krk - Bora, Klimno und die Weinstadt Vrbnik

Bodo Müller

 · 21.08.2026

Kroatien: Rund Krk - Bora, Klimno und die Weinstadt VrbnikFoto: Bodo Mueller
Der Hafen der Weinstadt Vrbnik an der Ostküste der kroatischen Insel Krk bietet keinen Schutz bei Bora

Themen in diesem Artikel

Eine Umrundung der größten Insel der Adria führt zu stillen Ankerbuchten und durch bizarre Karstlandschaften. Unsere Reisereportage Rund Krk in drei Teilen. Teil 2: Entlang der Nordostküste – Bora, Klimno und die Weinstadt Vrbnik

​Windfinder sagt eine Bora von 4-5 Beaufort voraus, die aber erst gegen Mittag einsetzen soll. Wir motoren nordwärts, runden die Petrolhäfen bei Omišalj und steuern die Krker Brücke an. Kaum sind wir unter der Brücke, scheint es, als ob Rasmus den Schalter umlegt. Kalte Böen pfeifen aus Nordost und lassen das Wasser kräuseln.

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Schützende Buchten in der Mondlandschaft von Krk

An Backbord haben wir jetzt das Velebitgebirge, aus dem die Bora herunterfällt, an Steuerbord die von den kalten Winden kahl geschorene Mondlandschaft. An dieser Küste gibt es nicht viele sichere Orte, wo man sich verkriechen kann, wenn die Bora aus dem Zaum geraten sollte.

Ein sicheres Versteck ist die Bucht von Klimno. Die Einfahrt ist breit und tief genug, dass man sie bei (fast) jedem Wetter passieren kann, außerdem ist sie befeuert. Der einzige Nachteil ist, dass es an der Mole des Dorfes nur vier Gastliegeplätze gibt. Alternativ ist reichlich Platz zum Ankern. Wir haben Glück, dass hinter der schützenden Mole gerade ein Platz frei ist. Ein Hafenmeister lässt sich nicht blicken und es ist nicht ganz einfach, bei den schräg von der Seite einfallenden Bora-Böen allein mit Muring anzulegen. Kaum liegt das Boot fest und sicher, kommt der Hafenmeister zum Kassieren. Glatte 33 Euro für einen Muringplatz ohne Strom, Wasser und sanitäre Einrichtungen ist in Kroatien schon fast ein Schnäppchen.

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Das Highlight des Ortes ist das Restaurant „ZAL“ gleich neben der Mole. Man sitzt auf einer aufs Meer hinaus gebauten Terrasse mit der Abendsonne im Gesicht und Blick auf das Velebitgebirge. Hier gibt es die für Krk typischen Surlice (handgemachte Nudeln) mit Fisch, Schalentieren und Meeresfrüchten. Die Qualität der Speisen ist spitzenmäßig. Im Unterschied zu den Seafood-Restaurants in den Kornaten oder Süddalmatien zahlt man im „Zal“ nur kleines Geld. Junior-Chefin Rosemarie Fanuko meint seufzend: „Wir liegen leider nicht an einer Transitstrecke des Yacht-Tourismus, sondern im Zentrum der Bora.“

​Vrbnik - nichts für Bora-Tage

Die Bora meint es gut mit uns und flaut am nächsten Tag weiter ab auf zwei bis drei Beaufort. Ohne Bedenken können wir zur Weinstadt Vrbnik weiter fahren. Der Ort liegt weiter südlich am Vinodolski Kanal und hat einen Hafen, der durch eine fünf Meter hohe Mole geschützt ist. Aber Achtung: Der Hafen Vrbnik ist nicht sicher bei Bora. Schon bei einer mittleren Bora rollt Schwell in die Hafenbucht, der an den Felsen reflektiert und die Boote springen lässt. Bei starker Bora brechen die Seen über die Mole und man kommt nicht mehr aus dem Hafen heraus.

Kurz vor Vrbnik schläft die Bora ein und Windfinder verspricht uns eine ruhige Nacht. Wir legen im Süden des Hafens mit Muring an. Ein paar freundliche Touristen nehmen die Heckleinen an, die Muring angeln wir selbst. Als wir fertig sind, kommt der Hafenmeister und kassiert 39 Euro - natürlich ohne Strom, Wasser und sanitäre Anlagen. Wer mit einer tiefgehenden Yacht per Muring an der südlichen Hafenpier anlegen will, kann das nur im mittleren Bereich, weil es seitlich zu flach ist und Steine liegen. Auch sollten mindestens zwei Meter Abstand zwischen Heck und Anleger bleiben, damit das Ruder frei bleibt. Alternativ kann man hinter der Mole längsseits gehen. Dann muss man aber morgens spätestens um 10 Uhr ablegen, weil die Mole als Operationsraum für Ausflugsdampfer frei bleiben muss. Ab 17 Uhr ist wieder Ruhe.

​Aufstieg in Krks Weinstadt

Vrbnik ist die Weinstadt der Insel Krk. Hier wird der autochthone Zlahtina angebaut, ein edler Weißwein, der sonst nirgendwo in der Welt gedeiht. Vom Hafen geht es steil und teils über Treppen bergauf in die eng verschachtelte Altstadt in venezianischer Architektur. In den Kellern unter vielen Häusern wird der Zlathina gekeltert. Stehen die Tore offen, darf man gern eintreten und den Traubensaft verkosten.

Auf dem höchsten Punkt des Ortes thront die Pampanille, der freistehende venezianische Glockenturm, über der Hafenbucht. Und gleich daneben ist das bekannteste Highlight des Ortes, die Terrasse des Restaurants „Nada“. Sie liegt 50 Meter senkrecht über der Hafenmole. An Tischen aus Weinfässern stehend, treffen sich hier Menschen aus der ganzen Welt. Hier hat man eine atemberaubende Aussicht über den Vinodolski Kanal bis zum Velebitgebirge. Das Panorama ist besonders reizvoll, wenn man dazu einen Bora-Schinken auf der Zunge zergehen lässt und mit Zlahtina wegspült.

Wieder mal die Bora im Nacken

Nach einer ruhigen Nacht müssen wir morgens die Weinstadt verlassen. Eine Bora mit 5-6 Beaufort ist angesagt, dann wären wir in Vrbnik in einer Falle. Wir steuern an der imposanten Felskulisse von Krk südwärts. Hier gibt es etliche kleine Buchten, teilweise sogar mit Stränden und Spuren historischer Besiedlung. Doch bei der instabilen Wetterlage wagen wir es nicht, an solch einem Ort zu ankern.

Wir suchen einen sicheren Platz für die Nacht. Im Südosten von Krk steuern wir in die Mala Luka hinein, eine tief ins Gebirge eingeschnittene Bucht, die guten Schutz vor Bora mittlerer Stärke bietet. Sie ist um die fünf Meter flach, so dass man hervorragend ankern kann. Das wissen auch andere Crews. Trotz Vorsaison liegt hier ein halbes Dutzend Boote vor Anker.

​Eine Nacht zwischen antiken Ruinen

Die Mala Luka ist heute unbewohnt und war es auch in jüngster Vergangenheit nicht, denn sie ist nur per Eselspfad mit dem nächsten größeren Ort Baška verbunden. Bis dorthin läuft man gut drei Stunden. Mala Luka war aber vor 2000 Jahren besiedelt. Rund um die Bucht erinnern steinerne Ruinen an frühgeschichtliche Bewohner. Auch der Name der über der ehemaligen Stadt thronenden Festung Corinthia erinnert an antike Vorfahren.

Gelegentlich fegen kalte Bora-Böen über die Mala Luka hinweg, doch das Wasser bleibt glatt und der Sandboden hält den Anker sicher. Wie in einem Amphitheater erheben sich an den Hängen rund um die Bucht die Ruinen der frühbyzantinischen Stadt und werfen lange Schatten im flachen Abendlicht. Später war hier das Kloster des Heiligen Nikolaus, das bis ins 16. Jahrhundert bestand - ein magischer Ort, an dem man noch heute den Atem der Geschichte spürt.

Fortsetzung folgt

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Bodo Müller

Bodo Müller

Freier Autor

Seit 1987 arbeitete Bodo Müller, damals noch in Rostock lebend, als DDR-Korrespondent des Magazins YACHT. Nach seiner Ausreise im August 1989 berichtet er als Reporter und Fotograf der Magazine YACHT und BOOTE über alle Charterreviere weltweit. Er schrieb 22 Bücher, darunter den bei Delius Klasing erschienenen Bestseller „Über die Ostsee in die Freiheit“, der von der ARD verfilmt wurde. Daneben ist er Drehbuchautor von zeitgeschichtlichen Filmen und arbeitet als Drohnen- und Unterwasser-Kameramann für den TV-Sender ARTE. Bodo Müller lebt heute auf der Halbinsel Priwall in Travemünde.

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