Wer heute im östlichen Mittelmeer unterwegs ist, stößt vielerorts auf Spuren einer See- und Handelsmacht, die über Jahrhunderte die Architektur und Kultur der Küsten prägte. In unserer Serie „Spuren Venedigs im Mittelmeerraum“ schauen wir, was vom legendären “Stato da Mar” von der Adria über die griechische Inselwelt bis nach Zypern heute noch zu entdecken ist.
Venedig war einst weit mehr als die Stadt in der Lagune. Die historische Republik baute sich über Jahrhunderte ein weit verzweigtes Netz aus Handelsplätzen, Häfen, Inseln und Festungen auf. Dieser maritime Herrschaftsbereich wurde als Stato da Mar bezeichnet – der „Staat zur See“. Er reichte von der Adria über die Ionischen Inseln und die Peloponnes bis nach Kreta und Zypern und verband wichtige Handels- und Seerouten zwischen Europa und der Levante, den Ländern am östlichen Ende des Mittelmeers.
Dabei ging es nicht allein um Territorium. Die venezianischen Stützpunkte waren Versorgungsstationen für die Flotte, Umschlagplätze für Waren, Handelsniederlassungen und militärische Bastionen. Der berühmte französische Historiker Fernand Braudel bezeichnete die Inseln von der Adria bis in die Ägäis als „la flotta immobile di Venezia“ (die unbewegliche Flotte Venedigs). Manche Orte sicherten die Einfahrt in eine strategisch wichtige Bucht, andere kontrollierten eine Schiffsroute oder dienten als Zwischenstation auf dem Weg weiter nach Osten. Die Lage am Wasser machte sie für die Serenissima so wertvoll.
Bis heute kann man das Erbe dieses Netzwerks an vielen Orten erkennen: an mächtigen Festungsmauern direkt am Meer, an Arsenalen und alten Hafenanlagen, an venezianischen Palästen und an Stadtbildern, die von der jahrhundertelangen Verbindung mit Venedig geprägt wurden. Die UNESCO bezeichnet die venezianischen Befestigungen an der östlichen Adria als Teil eines zusammenhängenden Verteidigungssystems, das die Seewege und Häfen bis zur Levante schützen sollte.
In unserer kommenden Serie „Spuren Venedigs im Mittelmeerraum“ folgen wir in den nächsten Wochen den Spuren der See- und Handelsmacht in: Zadar, Kotor, Korfu, Methoni, Nafplio, Hvar, Chania, Naxos, Rethymno, Famagusta, Šibenik.

Redakteurin Reise
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