Zwischen honigfarbenen Fassaden, tiefblauem Wasser und den steilen Klippen Menorcas liegt Mahón – auf Katalanisch Maó. Die Inselhauptstadt wirkt auf den ersten Blick mediterran-gelassen, überrascht aber mit britischem Erbe, geheimnisvollen Festungen und soll die Wiege einer kulinarischen Weltberühmtheit sein.
Der Naturhafen von Mahón ist der größte natürliche Tiefwasserhafen Europas und der zweitgrößte der Welt nach Sydney. Fast sechs Kilometer schneidet sich die fjordartige Bucht in die Ostküste Menorcas hinein – so geschützt, dass jahrhundertelang Phönizier, Römer, Osmanen, Franzosen und Briten um diesen strategisch günstig gelegenen Ort kämpften.
Besonders die Briten hinterließen im 18. Jahrhundert ihre Spuren: rote Backsteinvillen, georgianische Fensterfronten, Sprossenfenster und: die Leidenschaft für Gin. Bis heute weht am Heck vieler Gastlieger der Union Jack. Überall in der Stadt finden sich Hinweise auf die bewegte Geschichte der Insel. Die Briten erklärten Mahón einst zum Freihafen und machten den Ort zu einem wichtigen Marinestützpunkt im Mittelmeer. Noch heute erinnern englische Familiennamen an Klingelschildern, typische Schiebefenster und alte Lagerhäuser an diese Zeit. Viele ältere Bewohner Menorcas benutzen bis heute englische Wörter im Alltagskatalanisch – ein sprachliches Echo aus mehr als 70 Jahren britischer Herrschaft.
Der Hafen von Mahón zieht sich tief ins Inselinnere und bietet entlang der gesamten Bucht mehrere Marinas, Anleger und kleinere Clubhäfen. Besonders beliebt bei Seglern sind die Liegeplätze nahe der Altstadt, von wo Restaurants, Supermärkte und die berühmte Markthalle bequem zu Fuß erreichbar sind.
Die Marina Port Mahón richtet sich mit 30 Liegeplätzen für Yachten von 25–60 Metern eher an einen exklusiveren Kundenkreis, während die Marina Menorca sieben Pontons mit einer Gesamtkapazität von mehr als 200 Liegeplätzen bietet, nur etwa zehn Minuten vom historischen Stadtzentrum entfernt. Auch der Club Marítimo de Mahón hat in der Hauptsaison ab 01. April Gastliegeplätze, die man online buchen kann. Viele Marinas vergeben Tagesplätze flexibel per Funk/VHF bei Ankunft. Allerdings sind Gastliegeplätze im Juli und August oft komplett ausgebucht.
Die geschützte Lage macht Mahón auch bei wechselhaftem Wetter zu einem sicheren Zufluchtsort. Allerdings entsteht durch die lange, schmale Hafenform teils starker Schwell, wenn Fähren oder schnelle Ausflugskatamarane einlaufen.
Mahón lässt sich am besten zu Fuß entdecken. Die Altstadt erhebt sich steil über dem Hafen, verbunden durch verwinkelte Treppen, schmale Gassen und zahlreiche Miradores – Aussichtsbalkone mit weitem Blick über das Wasser. Die Einflüsse aus der britischen Besatzungszeit auf die Architektur vermischen sich mit den spanischen und maurischen Elementen.
Ein Geheimtipp liegt etwas versteckt direkt am Wasser: die kleine Gin-Destillerie Xoriguer. Dort wird bis heute Gin nach einem Rezept aus dem 18. Jahrhundert in kupfernen Holzfeuer-Brennblasen hergestellt – allerdings nicht auf Getreidebasis wie in England, sondern mit Weinalkohol. Das Ergebnis schmeckt weicher, kräuteriger und mediterran.
Ein absolutes Muss ist eine Ausfahrt mit dem Dinghy bis zur Hafeneinfahrt. Dort liegen die mächtigen Festungen La Mola und die Reste von Fort Marlborough.
Einer Legende nach soll ein französischer Koch nach der Eroberung Mahóns im Jahr 1756 eine Sauce improvisiert haben, weil Sahne fehlte – statt dessen verwendete er Olivenöl. Aus „Salsa Mahonesa“ soll später die „Mayonnaise“ entstanden sein.
Ansonsten verbindet Mahón kulinarisch Seefahrertradition mit balearischer Küche. In den kleinen Tavernen am Hafen werden Caldereta de Langosta, gegrillter Oktopus und der berühmte Mahón-Käse serviert, dessen leicht salzige Note vom konstanten Meereswind stammen soll. Zum Sonnenuntergang trinken Einheimische gerne eine „Pomada“ – den typischen Mix aus menorquinischem Gin und Zitronenlimonade. Während der Sommerfeste wird das Getränk literweise ausgeschenkt. Manche Bars servieren die Pomada eiskalt in Metallbechern, eine Tradition aus der Zeit der Hafenarbeiter.
Besonders lebendig wird Mahón während der “Festes de la Mare de Déu de Gràcia” Anfang September. Dann ziehen geschmückte Pferde durch die Altstadt, Kapellen spielen auf den Plätzen, und die gesamte Hafenpromenade verwandelt sich in eine einzige mediterrane Sommernacht.

Redakteurin Reise