Im österreichischen Uferbereich des Bodensees gelten neue Einschränkungen für Motor- und Segelboote. Ab sofort ist das Befahren der Schutzzone vor Bregenz aus Naturschutzgründen für die allermeisten verboten. Die neue Verordnung soll das artenreiche Europaschutzgebiet im Mündungsbereich der Bregenzer Ach in den Bodensee besser schützen. Bereits vor zwei Jahren hatte das Land Vorarlberg den Naturschutz in diesem Gebiet verstärkt, nun zieht die Bezirkshauptmannschaft nach. Die Verbotszone erstreckt sich zwischen dem Kloster Mehrerau und der Mündung der Bregenzer Ach.
In dem Mündungs- und Uferbereich vor Bregenz wächst unter anderem das Bodensee-Vergissmeinnicht (Mehr Infos zur Flora und Fauna im Schutzgebiet: hier), eine extrem seltene Pflanze, die auf der Roten Liste der gefährdeten Arten steht. Das Betreten des Geländes ist bereits seit längerem verboten. Mit der Ausweitung der Fahrverbotszone auf das vergrößerte Natura-2000-Gebiet sollen nun auch Störungen vom Wasser aus verhindert werden.
Ruderboote sind vom Fahrverbot ausgenommen. Und auch ein- und ausfahrende Boote des Yacht-Clubs Bregenz bleiben von der Regelung ausgenommen, da der Wocherhafen und die Liegewiese bei der Mehrerau innerhalb des Schutzgebiets liegen. Eine ursprünglich geplante Ausnahme für Berufsfischer wurde allerdings wieder verworfen. Einsatzboote und Fahrzeuge des Bauhofs bleiben ebenfalls von den Fahrverboten ausgenommen, da sie notwendige Aufgaben erfüllen. Die Bezirkshauptmannschaft hat die bestehende Verordnung für das Bodenseeufer entsprechend überarbeitet und an die neuen Gegebenheiten angepasst.
Für alle anderen Bootsfahrer gilt ein klares Fahrverbot in der erweiterten Schutzzone. Wer unerlaubt in die Sperrzone einfährt, muss mit einer Geldstrafe rechnen. Die Bezirkshauptmannschaft Bregenz hat die Strafe auf bis zu 2.180 Euro festgelegt. Mit dieser Maßnahme soll der Schutz der Natur in diesem Bereich des Bodensees weiter verbessert werden. Die Verbotszone ist Teil des EU-weiten Schutzgebietsnetzwerks Natura 2000, das rund 20 Prozent der Fläche der Europäischen Union umfasst. In Deutschland macht Natura 2000 etwa 15 Prozent der Landesfläche und 45 Prozent der Meeresfläche aus. Das Netzwerk gilt als größtes Schutzgebietsnetz weltweit.
Das Naturschutzzentrum Eriskirch berichtet von über 280 Vogelarten und mehr als 600 verschiedenen Pflanzenarten, die am Bodensee leben. Gleichzeitig ist der See nicht nur ein beliebtes Ziel für Strandbesucher, sondern auch für Wassersportler ein Paradies. Laut Bodensee-News sind auf dem See über 54.000 Boote registriert. In einigen Gebieten des Bodensees sind Motor- und Segelboote bereits länger verboten. Dazu zählen das Naturschutzgebiet Wollmatinger Ried oder Teile der Halbinsel Mettnau. Die neue Regelung am Mehrerauer Seeufer reiht sich in diese bestehenden Schutzmaßnahmen ein und erweitert das Netz geschützter Bereiche am größten See Deutschlands.

Redakteurin Reise