NorwegenOslofjord – Verbot zum Einleiten von Fäkalien

Christian Tiedt

 · 13.06.2024

Norwegen: Oslofjord – Verbot zum Einleiten von FäkalienFoto: Morten Strauch
Auf dem Oslofjord sind 55.000 Sportboote zuhause
Achtung, Fahrtenskipper mit Kurs aufs Skagerrak und den Süden Norwegens: Am Oslofjord tritt am 1. Juli 2024 eine neue Verordnung in Kraft. Das Einleiten von Fäkalien von Bord wird nahezu vollständig verboten. Die strikte Vorschrift gilt in entlang der Küsten aller Kommunen von Kragerø im Westen bis nach Halden an der schwedischen Grenze. Damit umfasst es auch den Oslofjord mit allen Nebenarmen, aber auch vorgelagerte Inseln und Inselgruppen wie Hvaler.

Wie das dänisch-norwegische Bådmagasinet berichtet, sind von dem Verbot auch alle Sportboote betroffen, egal unter welcher Flagge. Ausnahmen gibt es lediglich für bestimmte historische Fahrzeuge oder auch dann, wenn eine Kläranlage vorhanden ist - was ausschließlich auf gewöhnlichen Fahrtenyachten kaum der Fall sein dürfte.

Das Verbot zum Lenzen des Fäkalientanks und des direkten Einleitens von Schwarzwasser wird damit begründet, dass sich der Oslofjord in schlechtem ökologischen Zustand befindet. Ursache dafür ist eine hohe Belastung durch Phosphor und Stickstoff - die allerdings in erster Linie auf landseitige Abwässer aus der Landwirtschaft zurückzuführen sei, so das Magazin, und nicht auf die Sportboote im Revier.

Nur 43 Entsorgungsstationen im gesamten Revier

Von Seiten des Gesetzgebers wird stattdessen auf die 43 derzeit vorhandenen Entsorgungsstationen für Fäkalien hingewiesen. Das zuständige Ministerium hat die angrenzenden Kommunen zudem dazu aufgefordert, zusätzliche Möglichkeiten zu schaffen. Denn so groß die Zahl auf den ersten Blick auch scheinen mag: Besonders in der Hochsaison dürfte aufgrund der großen Anzahl von Sportbooten im Revier - die Rede ist von 55.000 - gewisser Andrang entstehen.

Die selbst für die Bootsnation Norwegen große Zahl ist auf die Nähe der Hauptstadt Oslo und die umgebende Metropolregion zurückzuführen. Der Aufforderung müssen die Kommunen nun allerdings in eigener Verantwortung begegnen - und das unter enormem Zeitdruck.

Nach Angaben von Bådmagasinet hat die norwegische Branchenvereinigung Norboat im Grund zwar nichts gegen einen stärkeren Schutz der betroffenen Gewässer. Im Gegenteil. Der schlechte Zustand stünde nicht in Frage. Allerdings hätte man sich im Vorfeld eine stärkere Beteiligung gewünscht. Nun bleibt auch Skippern auf Gastbesuch zunächst nichts anderes, als im Zweifelsfall genau in den Hafenführer zu schauen, wenn man ein Bußgeld vermeiden möchte.

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Christian Tiedt

Christian Tiedt

Ressortleiter Reise

Christian Tiedt wurde in Hamburg geboren, blieb lange aber ohne direkten Zugang zum Wassersport. Nach der Berufsausbildung bot das Studium dann endlich die Gelegenheit, auf dem Wasser aktiv zu werden – und die entsprechenden Führerscheine zu machen. Zuerst beim Fahrtensegeln und dann, mit dem Einstieg bei BOOTE im Jahr 2004, auch mit Motorbooten aller Art. Christian konnte inzwischen fast ganz Europa (und einige weiter entfernte Destinationen) auf eigenem Kiel kennenlernen und teilt seine Erlebnisse und Erfahrungen für die YACHT und BOOTE am liebsten in Törnreportagen.

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