In Norwegen sind innerhalb weniger Monate sieben ausländische Angeltouristen ums Leben gekommen. Die Behörden prüfen nun, ob die Vorschriften für die Vermietung von Freizeitbooten verschärft werden müssen.
Drei Todesopfer nach einer Kenterung vor Smøla im Mai, vier weitere ausländische Angeltouristen nach einem Unglück vor Averøy am vergangenen Freitag, von denen einer tot geborgen wurde und drei als mutmaßlich tot gelten: Nach den Bootsunfällen an der norwegischen Küste steht die Bootsvermietung in Norwegen auf dem Prüfstand. Die Regierung hat die norwegische Seefahrtsbehörde Sjøfartsdirektoratet und die Direktion für gesellschaftliche Sicherheit und Notfallvorsorge, DSB, beauftragt, geltende Regeln zu bewerten und mögliche Verschärfungen vorzuschlagen.
In der Nacht zum 11. Mai kenterte westlich der Insel Smøla ein offenes Kunststoffboot von 19 Fuß Länge. Die drei ausländischen Angeltouristen an Bord kamen ums Leben, wie die offizielle Unfallstatistik der Seefahrtsbehörde festhält. Am vergangenen Freitag (18. September) liefen vier ausländische Angeltouristen von Averøy aus mit einem rund sechs Meter langen offenen Motorboot zum Fischen aus. Sie kehrten nicht zurück. Das Boot wurde später im Seegebiet zwischen Grip und Smøla gefunden. Ein Mann wurde tot geborgen, drei weitere bleiben vermisst. Polizei und die norwegische Unfalluntersuchungsbehörde untersuchen den Fall.
Beide Ereignisse befeuern eine Debatte, die Norwegen bereits seit Jahren beschäftigt: Urlaubsgäste mieten kleine Motorboote, um an der langen, oft exponierten Küste zu angeln. Häufig kennen sie das Revier, die raschen Wetterwechsel und die Eigenheiten des gemieteten Boots weniger gut als einheimische Skipper.
Die aktuellen Fälle sind nicht der alleinige Auslöser der Debatte. Nach Angaben des Sjøfartsdirektoratet kamen zwischen 2017 und 2025 insgesamt 15 ausländische Angeltouristen bei elf Unfällen mit gemieteten Freizeitbooten ums Leben. Die Behörde hat die Fälle inzwischen gesondert ausgewertet. Ihre Analyse zu Unfällen mit Angelgästen nennt als wiederkehrende Risikofaktoren kleine offene Boote, wenig Ortskenntnis, schnell wechselndes Wetter und geringe Sicherheitsausrüstung.
Im Fall Averøy sind Ursache und Ablauf noch offen. Die Häufung schwerer Ereignisse im Zusammenhang mit Mietbooten ist aber auffällig. Die norwegische Regierung bezeichnet diese Gruppe in einer Untersuchung zur künftigen Bootsregistrierung ausdrücklich als besonderes Handlungsfeld.
Für Freizeitboote, die ohne Skipper an Touristen vermietet werden, gibt es in Norwegen bislang keine besonderen Vorgaben. Der Vermieter trägt allerdings nach dem Produktsicherheitsrecht Verantwortung dafür, dass “die Dienstleistung nicht zu Gesundheitsgefahren führt”. Dazu gehören angemessene Sicherheitsmaßnahmen sowie Informationen, mit denen Kunden Risiken einschätzen und sichere Entscheidungen treffen können. Die Behörde verweist dafür auf die Broschüre „Safe at Sea in Norway“. Sie enthält unter anderem eine Checkliste für die Übergabe von Boot und Sicherheitsinformationen. Ob ein solches Informationsangebot genügt, ist nun Teil der Diskussion. Die Frage lautet nicht nur, ob Gäste eine Einweisung bekommen, sondern auch, wie verbindlich sie sein muss und wie deren Qualität überprüft wird.
Wie konkrete Regeln aussehen könnten, ist offen. Einen wichtigen Hinweis liefert allerdings ein Bericht der norwegischen Unfalluntersuchungsbehörde Statens havarikommisjon zu einem Kenterunfall mit drei deutschen Touristen vor Kråkenes im Mai 2025. Die Behörde empfiehlt ein eigenes Regelwerk für Vermietbetriebe, eine maritime Aufsicht durch das Sjøfartsdirektoratet sowie verbindliche Systeme für Ortung und Alarmierung.
Im untersuchten Fall konnten die Verunglückten keinen Notruf absetzen. Nach Einschätzung der Behörde hätte ein Notsender, etwa ein EPIRB an Bord oder ein persönlicher PLB, die Chance auf eine schnellere Ortung deutlich erhöht. Auch ein Tracking-System im Boot könnte dem Vermieter signalisieren, dass sich ein Fahrzeug ungewöhnlich lange nicht bewegt oder vom vereinbarten Gebiet entfernt. Solche Technik ersetzt keine gute Übergabe und keine Wetterentscheidung. Sie kann jedoch Zeit sparen, wenn ein Boot kentert oder die Crew über Bord geht. Für Fahrten fernab geschützter Gewässer lohnt deshalb zusätzlich ein Blick auf Notfallsender und ihre Alarmierungswege.
Für Chartergäste bleibt die eigene Vorbereitung entscheidend. Eine gut gewartete Rettungsweste gehört ebenso dazu wie der Blick auf den Wetterbericht. Insgesamt registrierte die Seefahrtsbehörde im ersten Halbjahr 2026 bei Freizeitbootunfällen 17 Todesopfer, 11 davon ohne dokumentierte Nutzung von Auftriebshilfen. Auch wer eine automatische Weste trägt, sollte Passform, Wartungsintervall und Auftrieb kennen. BOOTE hat 24 Automatikwesten im Vergleich getestet. Für die unmittelbare Bordpraxis helfen auch die vier Notfall-Checklisten von BOOTE.
Wer ein Motorboot in Norwegen mietet, sollte folgende Punkte vor dem Ablegen mit dem Anbieter abklären:
Die Behörden prüfen nun, ob aus der Verantwortung des Vermieters überprüfbare Mindeststandards werden müssen. Ob Norwegen am Ende verpflichtende Ortung, Notfallsender, verbindliche Einweisungen, klarere Anforderungen an Bootstypen oder eine Kombination daraus einführt, steht noch nicht fest.

Redakteurin Reise
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.