Der Atlantische Thunfisch war mehr als ein halbes Jahrhundert aus dem Öresund verschwunden. Überfischung hatte den Bestand im Atlantik und Mittelmeer an den Rand des Kollapses gebracht. Seit über zehn Jahren greifen nun internationale Schutzmaßnahmen. Fangquoten und Fangpausen zeigen nun Erfolg. Die IUCN nahm die Art 2026 von der Roten Liste.
Die Meerenge zwischen Dänemark und Schweden bietet dem Thunfisch einen einzigartigen Lebensraum. Der Meeresgrund ist flach und trichterförmig. An der engsten Stelle zwischen Helsingør und Helsingborg misst die Passage nur vier Kilometer. Die Wassertiefe beträgt dort zwischen 20 und 40 Meter. Für den Thunfisch, der normalerweise mehrere hundert Meter tief taucht, wirkt der Öresund wie ein Flaschenhals. Bei der Jagd auf Heringe, Makrelen und Hornhechte erreicht der Fisch über 50 Stundenkilometer. Diese Geschwindigkeit lässt sich im flachen Wasser nicht mehr abbremsen. Die Tiere durchbrechen die Wasseroberfläche und springen meterhoch aus dem Wasser.
Im Öresund gilt ein kommerzielles Fangverbot für Thunfisch. Auch seine Beutefische unterliegen strengen Schutzmaßnahmen. Hering, Makrele und Hornhecht dürfen nur während festgelegter Zeiten gefangen werden. Die stark überfischte Ostsee erholt sich langsam von jahrzehntelanger Ausbeutung. Jens Peder Jeppesen leitet das Öresund-Aquarium in Helsingør. Der Meeresbiologe beobachtet die Entwicklung seit Jahren. An manchen Tagen zählt er Schwärme von mehreren hundert springenden Thunfischen. Die Sichtungen werden dokumentiert und an Umweltverbände, Fischerei-Organisationen und die Kopenhagener Universität weitergegeben.
Das Aquarium bietet Thunfisch-Beobachtungstouren an. Die Ausflüge dienen nicht nur dem Tourismus. Sie liefern wertvolle Daten zur Bestandsentwicklung. Jede Sichtung wird gezählt und dokumentiert. Die Informationen fließen in das Schutzmanagement ein. Ab dem Spätsommer passieren die Tiere die Meerenge. Dann beginnt die beste Zeit für Beobachtungen. Die ausgewachsenen Thunfische wiegen rund 300 Kilogramm und messen etwa drei Meter Länge. Ihre Sprünge aus dem Wasser sind aus weiterer Entfernung sichtbar.
Der Atlantische Thunfisch gilt als Erfolgsgeschichte im Artenschutz. Im Pazifik sieht die Lage anders aus. Dort sind verwandte Arten weiterhin gefährdet. Sie gehören zu den teuersten Speisefischen der Welt. Der World Tuna Day am 2. Mai macht auf die Problematik aufmerksam. Umweltverbände fordern nachhaltigen Fischfang und konsequente Schutzmaßnahmen. Die Erholung des Atlantischen Thunfischs zeigt, dass Schutzmaßnahmen funktionieren. Sie müssen aber dauerhaft aufrechterhalten werden.
Die flache Topografie des Öresunds beeinflusst das Verhalten der Thunfische stark. In tieferen Gewässern jagen sie meist unter der Oberfläche. Im Öresund fehlt ihnen der Raum zum Ausweichen. Die hohe Geschwindigkeit bei der Jagd führt zwangsläufig zum Durchbrechen der Wasseroberfläche. Jeppesen beobachtet dieses Phänomen jedes Jahr intensiver. Die Population wächst kontinuierlich. Die Zahl der Sichtungen nimmt zu. Das bestätigt den Erfolg der Schutzmaßnahmen.
Die Erholung der Beutefischbestände war Voraussetzung für die Rückkehr des Thunfischs. Hering und Makrele standen ebenfalls unter enormem Fangdruck. Schonzeiten und Fangquoten haben auch diese Bestände stabilisiert. Der Öresund bietet wieder ausreichend Nahrung. Die stark befahrene Meerenge stellt dennoch eine Herausforderung dar. Schiffsverkehr und begrenzte Wassertiefe schränken den Lebensraum ein. Trotzdem nutzen die Thunfische die Passage regelmäßig.
Die Bestandserholung ist kein Selbstläufer. Kontinuierliche Überwachung bleibt notwendig. Die Daten aus dem Öresund fließen in internationale Schutzprogramme ein, um bei der Bewertung der Bestandsentwicklung zu helfen. Wissenschaftler können so Veränderungen frühzeitig erkennen. Bei Bedarf lassen sich Schutzmaßnahmen anpassen.

Redakteur Test & Technik