Ein Gigant zu Besuch in der OstseeOben und unten eng im Storebælt

Hauke Schmidt

 · 01.10.2026

Die "Pioneering Spirit" liegt für einen Zwischenstopp vor Nienhagen in der Ostsee. Mit 382 Meter gilt das Schiff als weltweit größtes seiner Art und soll die beiden Offshore-Plattformen "OSS Darß" und "OSS Zingst" für den Windkraftpark Gennaker vor dem Darß installieren. Die Anlagen werden aus dem Rostocker Hafen zur "Pioneering Spirit" bugsiert.
Foto: dpa; picture alliance
Oben die Brücke, unten die Fahrrinne: Für das größte Arbeitsschiff der Welt, die „Pioneering Spirit“ war die Fahrt durch den Großen Belt eine doppelte Engstelle. Am 29. September 2026 passierte das Schiff die Storebælt-Brücke mit 19,9 Metern Tiefgang. Danach musste es für die flacheren Gewässer südlich der Brücke wieder Ballastwasser abpumpen.

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Die Passage gelang am Dienstag kurz vor 13 Uhr, wie das dänische Fachmedium Maritime Danmark berichtet. Die ungewöhnliche Schiffsgröße machte aus der Brückendurchfahrt ein sorgfältig vorbereitetes Manöver. Bereits am Vortag gingen bei Skagen zwei Lotsen an Bord, um die Strecke und die Passage mit der Schiffsführung durchzusprechen.

Für die Brücke tiefer ins Wasser

Die Ostbrücke über den Großen Belt bietet Schiffen eine nominelle Durchfahrtshöhe von 65 Metern. In leichter Ballastlage ragt die „Pioneering Spirit“ laut Maritime Danmark zu hoch aus dem Wasser. Für die Unterquerung nahm sie Ballastwasser auf und vergrößerte damit ihren Tiefgang von 11 auf 19,9 Metern. Das Problem dabei: Direkt unter der Brücke ist es zwar rund 60 Meter tief, der Tiefwasserweg “Tango” selbst besitzt aber nur eine Mindesttiefe von 19 Metern. Laut DanPilot pumpte das Schiff nach der Unterquerung rund vier Stunden lang Ballastwasser ab, bevor es durch die südlich gelegenen Engstellen weiterfuhr.

Das von Allseas betriebene Doppelrumpfschiff gilt als größtes Arbeitsschiff weltweit. Seine geteilten Rümpfe können eine Offshore-Plattform zwischen sich aufnehmen.

KenngrößePioneering Spirit
Rumpflänge und Breite382 m × 124 m
Öffnung zwischen den Bugrümpfen122 m lang, 59 m breit
Tiefgang11,5 m bei Überführungen; bis 27 m im Betrieb
Höhe über Wasser57 m bei 26 m Tiefgang
Installierte Leistung95.000 kW (95 MW)
Antriebe12 drehbare Propellergondeln mit je 6.050 kW
Höchstgeschwindigkeit14 kn
Unterkünftefür 571 Personen
Tragfähigkeit der Spezial-Hebesysteme60.000 t für Plattformaufbauten; 20.000 t für Unterkonstruktionen
Schwerlastkran5.000 t bei 35 m Ausladung

Das Guinness World Records führt die „Pioneering Spirit“ mit 403.342 BRZ als größtes Schiff nach Bruttoraumzahl und auch als größtes Arbeitsschiff. Das größte Kranschiff ist es nicht, diesen Titel beansprucht „Sleipnir“. Sie besitzt zwei Krane mit jeweils 10.000 Tonnen Nennlast. Die Stärke der „Pioneering Spirit“ liegt im Heben kompletter Plattformteile.

Zwei Plattformen für Gennaker

Vor dem Darß soll die „Pioneering Spirit“ die beiden Offshore-Umspannplattformen OSS Darß und OSS Zingst samt Unterkonstruktionen transportieren und installieren. Das geht aus der Projektbeschreibung von Allseas hervor. Die Stationen sammeln später den Strom der Windräder und geben ihn über die Netzanbindung OST-6-1 Richtung Küste weiter. 50Hertz beziffert deren Übertragungskapazität auf bis zu 927 Megawatt. Das Baugebiet liegt rund 15 Kilometer nördlich von Fischland-Darß-Zingst, der vollständige Betrieb ist für Ende 2028 vorgesehen.

Was Skipper vor dem Darß beachten sollten

Für Motorbootfahrer ist weniger die Größe des Arbeitsschiffs entscheidend als die Bauphase im Revier. Eine Bekanntmachung des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Ostsee kündigte für die Umspannplattformen Sicherheitszonen mit jeweils 500 Metern Radius an, die nicht befahren werden darf. Welche Regeln grundsätzlich bei Fahrten in der Nähe von Anlagen gelten, erläutert BOOTE im Überblick zu Offshore-Windparks.

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Hauke Schmidt

Hauke Schmidt

Redakteur Test & Technik

Hauke Schmidt zog bereits im Opti-Alter an die Küste und wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf. Seit 2006 ist der Diplom Ozeanograf als Redakteur im Ressort Test & Technik tätig. Zu den Kernaufgaben gehören Ausrüstungs- und Bootstest, aber auch Praxisthemen rund um Elektronik, Seemannschaft und Refit. Als leidenschaftlicher Selbermacher verbringt er die Sommer am liebsten mit seiner Familie auf dem Wasser und die Winter mit Arbeiten am Boot.

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