Die Passage gelang am Dienstag kurz vor 13 Uhr, wie das dänische Fachmedium Maritime Danmark berichtet. Die ungewöhnliche Schiffsgröße machte aus der Brückendurchfahrt ein sorgfältig vorbereitetes Manöver. Bereits am Vortag gingen bei Skagen zwei Lotsen an Bord, um die Strecke und die Passage mit der Schiffsführung durchzusprechen.
Die Ostbrücke über den Großen Belt bietet Schiffen eine nominelle Durchfahrtshöhe von 65 Metern. In leichter Ballastlage ragt die „Pioneering Spirit“ laut Maritime Danmark zu hoch aus dem Wasser. Für die Unterquerung nahm sie Ballastwasser auf und vergrößerte damit ihren Tiefgang von 11 auf 19,9 Metern. Das Problem dabei: Direkt unter der Brücke ist es zwar rund 60 Meter tief, der Tiefwasserweg “Tango” selbst besitzt aber nur eine Mindesttiefe von 19 Metern. Laut DanPilot pumpte das Schiff nach der Unterquerung rund vier Stunden lang Ballastwasser ab, bevor es durch die südlich gelegenen Engstellen weiterfuhr.
Das von Allseas betriebene Doppelrumpfschiff gilt als größtes Arbeitsschiff weltweit. Seine geteilten Rümpfe können eine Offshore-Plattform zwischen sich aufnehmen.
| Kenngröße | Pioneering Spirit |
| Rumpflänge und Breite | 382 m × 124 m |
| Öffnung zwischen den Bugrümpfen | 122 m lang, 59 m breit |
| Tiefgang | 11,5 m bei Überführungen; bis 27 m im Betrieb |
| Höhe über Wasser | 57 m bei 26 m Tiefgang |
| Installierte Leistung | 95.000 kW (95 MW) |
| Antriebe | 12 drehbare Propellergondeln mit je 6.050 kW |
| Höchstgeschwindigkeit | 14 kn |
| Unterkünfte | für 571 Personen |
| Tragfähigkeit der Spezial-Hebesysteme | 60.000 t für Plattformaufbauten; 20.000 t für Unterkonstruktionen |
| Schwerlastkran | 5.000 t bei 35 m Ausladung |
Das Guinness World Records führt die „Pioneering Spirit“ mit 403.342 BRZ als größtes Schiff nach Bruttoraumzahl und auch als größtes Arbeitsschiff. Das größte Kranschiff ist es nicht, diesen Titel beansprucht „Sleipnir“. Sie besitzt zwei Krane mit jeweils 10.000 Tonnen Nennlast. Die Stärke der „Pioneering Spirit“ liegt im Heben kompletter Plattformteile.
Vor dem Darß soll die „Pioneering Spirit“ die beiden Offshore-Umspannplattformen OSS Darß und OSS Zingst samt Unterkonstruktionen transportieren und installieren. Das geht aus der Projektbeschreibung von Allseas hervor. Die Stationen sammeln später den Strom der Windräder und geben ihn über die Netzanbindung OST-6-1 Richtung Küste weiter. 50Hertz beziffert deren Übertragungskapazität auf bis zu 927 Megawatt. Das Baugebiet liegt rund 15 Kilometer nördlich von Fischland-Darß-Zingst, der vollständige Betrieb ist für Ende 2028 vorgesehen.
Für Motorbootfahrer ist weniger die Größe des Arbeitsschiffs entscheidend als die Bauphase im Revier. Eine Bekanntmachung des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Ostsee kündigte für die Umspannplattformen Sicherheitszonen mit jeweils 500 Metern Radius an, die nicht befahren werden darf. Welche Regeln grundsätzlich bei Fahrten in der Nähe von Anlagen gelten, erläutert BOOTE im Überblick zu Offshore-Windparks.

Redakteur Test & Technik
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