Als Andreas Asfour bemerkte, wie der Pegel des Zürichsees immer weiter sank, musste er handeln. Er hatte bereits den Zeitpunkt verpasst, an dem er mit seiner etwa acht Meter langen und zwei Tonnen schweren Yacht mit 1,66 Meter Tiefgang nah genug an den regulären Kran hätte fahren können, um herausgehoben zu werden. Nun spitzte sich die Lage zu, da sich der Kiel der Yacht in den Schlick gebohrt hatte. Bei weiter sinkendem Pegelstand hätte das Boot kippen und der Rumpf ernsthaft beschädigt werden können.
Am 5. Oktober ließ der 65-Jährige sein Boot deshalb per Helikopter aus dem Wasser heben. Die nahe gelegene Yachtwerft Portier AG in Meilen stellte ihr Gelände für den Abtransport zur Verfügung. Zunächst wurde das Rigg gelöst und zur Mole geflogen. Anschließend schwebte auch die Yacht durch die Luft und wurde mithilfe von Leinen an Bug und Heck dirigiert. Schließlich wurde sie passgenau auf einem Trailer abgesetzt und ins Winterlager transportiert.
„Die einzige Möglichkeit, das Schiff vor dem Umkippen zu bewahren, bestand darin, es per Helikopter auszufliegen“, sagte Asfour gegenüber nau.ch. Ein großer Kran wäre teurer gewesen. Zum Einsatz kam ein K-Max K1200 Hubschrauber, der speziell zum Transprot von Außenlasten konzipiert ist und mehr Gewicht tragen kann, als er selber wiegt. Die Aktion habe rund 2000 Franken (rd. 2150 Euro) gekostet. „Drastische Zeiten erfordern drastische Maßnahmen“, kommentierte der Eigner die ungewöhnliche Bergung.
Andere Bootsbesitzer am Zürichsee hatten ihre Schiffe bereits in den Wochen zuvor auf herkömmlichem Weg aus dem Wasser geholt, als der Pegel noch höher stand. Weitere Helikopterbergungen sind derzeit nicht absehbar. Wann Asfour seine Yacht wieder zu Wasser lassen kann, ist offen.
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Am Tag der Bergung lag der Wasserstand bei 405,24 Metern über Meer. Damit unterschritt er den bisherigen Niedrigwasserrekord aus dem Jahr 1952 um rund 22 Zentimeter. Die offizielle Niedrigwassergrenze des Zürichsees liegt bei 405,45 Metern. Seit August liegt der Pegel laut den vorliegenden Angaben dauerhaft darunter.
Ein wesentlicher Grund für die Entwicklung ist die anhaltende Trockenheit. Nach Angaben von MeteoSchweiz war das Sommerhalbjahr 2026 von April bis September das niederschlagsärmste seit Beginn der Messreihe im Jahr 1864. In diesem Zeitraum fielen demnach nur 56 Prozent der üblichen Niederschlagsmenge. Hohe Temperaturen verstärkten die Verdunstung. Hinzu kam ein niederschlagsarmer, milder Winter, durch den im Frühjahr weniger Schmelzwasser aus den Bergen zur Verfügung stand.
Um den weiteren Pegelrückgang zu bremsen, senkten der Kanton Zürich und das Bundesamt für Umwelt (BAFU) zum 1. Oktober den Abfluss aus dem See in die Limmat. Statt 30 fließen seither nur noch 20 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ab. Die Maßnahme ist zunächst bis Ende Oktober befristet. Anschließend soll die Situation neu beurteilt werden.
Nicht nur private Bootsbesitzer sind betroffen. Auch die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) hat ihren Betrieb an die außergewöhnliche Situation angepasst. Seit dem 1. Oktober gilt ein eingeschränkter Winterfahrplan, weil bei den niedrigen Wasserständen die Gefahr von Grundberührungen steigt.
Vier Schiffe der ZSG wurden vorläufig am Bürkliplatz in Zürich ins Winterlager verlegt. Statt der großen Seerundfahrt gibt es eine verkürzte Verbindung mit Zwischenhalten ausschließlich in Horgen und Meilen. Den aktuellen Pegel können Interessierte über die Hydrodaten des Bundesamts für Umwelt verfolgen.
Wann sich der Zürichsee wieder erholt, hängt wesentlich von den Niederschlägen in den kommenden Monaten ab. Nach den vorliegenden meteorologischen Einschätzungen könnten erst Winterregen und Schmelzwasser im Frühjahr wieder für eine deutliche Auffüllung sorgen.
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