SchleifähreBetrieb der “Missunde III” kurz nach dem Start erneut eingestellt

Jill Grigoleit

 · 27.05.2026

Schleifähre: Betrieb der “Missunde III” kurz nach dem Start erneut eingestelltFoto: Foto: Paarmann/LKN.SH
Das Sorgenkind des LKN Schleswig-Holstein: Die “Missunde III” bei ihrer Taufe.
Eigentlich hätte die Fähre am 1. April nach jahrelanger Pannenserie endlich ihren Dienst aufnehmen sollen, doch auch dieser Termin hatte sich verschoben:

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Die Schleifähre "Missunde III" zwischen Brodersby und Kosel fällt nach nicht einmal vier Wochen im Betrieb erneut bis mindestens Mitte Juni aus. Gemeindevertreter und lokale Unternehmer bereiten eine Sammelklage gegen das Land Schleswig-Holstein vor.

Die Pannenserie rum um die neue Elektro-Fähre „Missunde III“ geht weiter. Nach zwei Jahren Anlaufschwierigkeiten, gescheiterten Testfahrten, Umbauten und fehlenden Zeugnissen war die neue Schleifähre nicht einmal einen Monat in Betrieb.



Totalausfall der Schleifähre in der Hauptsaison

Ende April aber ging es endlich los. Doch nun haben sich ausgerechnet zum betriebsamen Pfingstwochenende gleich beide Antriebsriemen verabschiedet und der Betrieb der Fähre wurde mindestens bis Mitte Juni komplett eingestellt – ein Totalausfall mitten in der Hauptsaison. Ersatz sei bestellt und komme in zwei Wochen verspricht der Landesbetrieb für Küstenschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH), der den Neubau in Auftrag gegeben hatte.

Bereits eine Woche zuvor war ein Antriebsriemen gerissen. Dieser konnte aber gegen einen Ersatzriemen ausgetauscht werden. "Wir haben dann gleich Neue bestellt und gehofft, dass der Zweite hält bis die Nachbestellung da ist, aber das war leider nicht der Fall", räumt er ein. Der Ersatzriemen hätte zu starke Schäden aufgewiesen und sei nun auch gerissen.

Mehrere Vorfälle in nur einem Monat

In den gerade mal vier Wochen seit der mehrfach verschobenen Inbetriebnahme gab es bereits mehrere Zwischenfälle. Ein lauter Knall, vermutlich mechanischer Ursache, führte zu einem ungeplanten Stopp der Schleifähre. Bei einem weiteren Vorfall wurde ein auffahrender PKW beschädigt, weil die Fähre aus dem Haken sprang und ein Stück zurück setzte. Außerdem benötige die neue Fähre länger für die Überfahrt als die alte Fähre, so Kapitän und Pächter Rüdiger Jöns. So könnten trotz der höheren Ladekapazität insgesamt weniger Autos befördert werden.

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Klage auf Schadensersatz gegen das Land

Für Pächter Rüdiger Jöns, die Gemeinde Brodersby-Goltoft und die lokalen Betriebe ist das Maß jetzt voll. Gemeinsam mit Unternehmen aus dem Ort - vor allem aus Gastronomie und Tourismus - bereiten Marina-Betreiber Christian Jannik und Bürgermeister Joschka Buhmannn eine Sammelklage auf Schadensersatz gegen das Land Schleswig-Holstein vor. „Wir haben zum Teil Kunden verloren, die mit ihren Booten nicht mehr auf die Fähre kommen, weil der Auffahrwinkel so schlecht ist, dass sie mit dem Ruderblatt oder den Lichtleisten hängen bleiben würden. Die fahren dann zur Konkurrenz und gehen da ins Wasser.“ So Christian Jannik, Betreiber der Marina Brodersby. Auch Privatpersonen, zum Beispiel Pendler, die durch den Ausfall der Fähre wirtschaftlichen Schaden erlitten haben, könnten sich laut Bürgermeister Joschka Buhmann an der Klage beteiligen.

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Zeugnis für die Schleifähre steht auch noch aus

Die Solarfähre „Missunde III“ sorgte in den vergangenen vier Jahren immer wieder für Negativ-Schlagzeilen. Eigentlich sollte sie bereits im Herbst 2022 fertig sein. Doch Testfahrten zeigten, dass größere Umbauten nötig waren. Die zwischenzeitlich verkaufte alte Fähre musste für einen hohen Preis vom Land zurück gekauft werden. Nach mehrjähriger Verzögerung und etlichen Pannen konnte die „Missunde III“ nun Ende April in Betrieb genommen werden – allerdings nur eingeschränkt, denn ein endgültiges Zeugnis steht noch immer aus. Fahrzeuge über 7,5 Tonnen dürfen noch nicht mitfahren. Zukünftig sollen mit ihr auch Fahrzeuge mit bis zu 25 Tonnen Gewicht über die Schlei befördert werden.


Jill Grigoleit

Jill Grigoleit

Redakteurin Reise

Jill Grigoleit lebte zehn Jahre mit ihrer Familie auf einem Hausboot im eigenen Hafen südlich von Hamburg und schrieb ein Buch über den Hausbootbau und das Leben mit Kindern auf dem Wasser. Seit 2020 schreibt sie vor allem Reisereportagen und Revierporträts für YACHT und BOOTE und konnte damit ihre zwei großen Leidenschaften zum Beruf machen: Reisen und darüber schreiben. Seit Januar 2024 gehört sie fest zum Team des Reiseressorts der Wassersportredaktion von Delius Klasing. Seither sammelt sie in den verschiedensten Regionen Reviertipps und Geschichten über Menschen, die am und auf dem Wasser leben - von der Mecklenburgischen Seenplatte über die bretonische Küste bis ins kanadische Ontario.

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