SpanienCosta del Sol - Küste der Sonne

Christian Tiedt

 · 21.01.2024

Der Sportboothafen von Málaga
Foto: Christian Tiedt
Die Costa del Sol bildet über rund 150 Kilometer den westlichsten Abschnitt der spanischen Festlands-Mittelmeerküste. Unser Revierporträt stellt die interessantesten Häfen für Sportbootfahrer in der Urlaubsregion zwischen Málaga und Gibraltar vor.

Die passende Antwort auf die folgenden Fragen zu kennen, galt schon immer als Meisterstück des Fremdenverkehrs: Wie verleiht man seiner Region das gewisse Extra an Anziehungskraft? Wie lockt man die Erholungssuchenden an seinen Strand, wenn die gesamte Küste mit Sand gesäumt zu sein scheint? Besonders dann, wenn das eigene Hotel etwas weiter ab vom Schuss liegt als die Konkurrenz? Ganz einfach: mit Marketing!

Das dachten sich auch die Eigner des „Hotel Miramar“ in Marbella. Bei der Eröffnung ihres Etablissements im Jahr 1933 bewarben sie die Gegend gleich mit, als Sunny Coast und Côte du Soleil – mit besonderem Blick auf zahlungskräftige Gäste aus England und Frankreich.

Die Küste der Sonne! Zwar lief die weitere touristische Entwicklung im südlichen Spanien nicht sofort auf Hochtouren an, Bürgerkrieg, Weltkrieg und Diktatur folgten. Doch danach wollten die Menschen dann all das nachholen, was sie zuvor verpasst hatten. Die Urlauber kamen in Scharen.

Costa del Sol: ein Name, der alles sagen soll

Seebäder wie Benalmádena, Torremolinos und Estepona lockten plötzlich in den Schaufenstern der Reisebüros im verregneten Norden Europas. Das „spanische Wunder“ der Sechzigerjahre sorgte in der Urlaubsindustrie für einen nie da gewesenen Boom und in den Siebzigern wurde Marbella sogar für einige Zeit zu einer der Drehscheiben des Jet Sets. Im Mittelpunkt stand die schillernde Figur des Lokalmatadoren Alfonso zu Hohenlohe-Langenburg. Als 31-Jähriger, zu dessen Freundeskreis die Rothschilds und Thyssens gezählt wurden, sorgte der Prinz nicht nur in den Kreisen des Hochadels für einen Skandal, als er die damals 15-jährige Prinzessin Ira von Fürstenberg heiratete, eine Fiat-Erbin. Die Ehe hielt fünf Jahre. In der Folgezeit wurden Filmstars wie Ava Gardner und Kim Novak häufiger in Marbella gesichtet.

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In den Achtzigern kamen dann Pensionäre, besonders aus Großbritannien, auf der Suche nach wärmeren Gefilden für die besten Jahre des Lebens, ein Trend, der trotz Brexit anhält. Zusätzlich bevölkern jedes Jahr Millionen sonnenhungriger Saisontouristen die Strände von Málaga bis Sotogrande.

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Und selbst wenn sich auch die benachbarten Küstenabschnitte inzwischen klangvoll schmücken, im Osten die Costa Tropical, im Westen die zum Atlantik hingewandte Costa de la Luz – und auch sonst auf der iberischen Halbinsel viel Sonne scheint – nur die Küste im äußersten Süden trägt sie auch im Namen: Costa del Sol.

Auch bei Yachtskippern und Crews, unterwegs auf der klassischen Grand Tour rund ums Mittelmeer, steht das Revier auf jeder Bucket List. Ebenso wie Gibraltar, das zwar weder Teil Spaniens noch der Costa del Sol ist, sie aber auf eindrucksvolle Weise begrenzt und gleichzeitig den Übergang zum Atlantik ankündigt. Wir stellen die Destination mit ihren Sportboothäfen und nautischen Serviceeinrichtungen von Osten nach Westen vor. Den Anfang macht Málaga.

Málaga: mehr als nur Touristendrehkreuz

Wer sich die touristische Bedeutung der 580 000-Einwohner-Stadt bewusst machen will, muss nur einen Blick auf ihren Flughafen werfen: nach Madrid, Barcelona und Palma de Mallorca ist es der viertgrößte des Landes. Derzeit wird er auf eine Kapazität von bis zu 30 Millionen Passagieren jährlich ausgebaut.

Dabei ist Málaga weitaus mehr als reine Drehscheibe für Urlauber: An der Costa del Sol hat es zudem den größten Hafen (mit Fährverbindung in die von marokkanischem Territorium umgebene Exklave Melilla auf der afrikanischen Seite des Alborán-Meers), ist Kreuzfahrtziel und nach Sevilla zudem die zweitgrößte Stadt der Region Andalusien.

Prägend für das Panorama rund um den Hafen sind die oberhalb gelegene und nachts beleuchtete maurische Festung, das Castillo de Gibralfaro, die Stierkampfarena und die Barockfassade der Basílica de la Encarnación in der prächtigen Altstadt.

Die eignet sich nicht nur zum shoppen und essen nach Herzenslust, sondern überrascht auch mit einer Vielzahl spannender Museen, darunter das Kunstmuseum Carmen Thyssen, das OXO (Videospiele) und das Museo Picasso – der berühmte Maler und Bildhauer wurde 1881 in Málaga geboren und verbrachte seine Kindheit in der Stadt.

Der Platz für nautische Gäste ist jedoch knapp. Zwar sind im Handelshafen 500 neue Liegeplätzen in Planung. Bis sie Realität werden, dürfen nur große Yachten im inneren Becken festmachen. Kleinere sollten beim Real Club Mediterráneo reservieren, dessen geschützte Marina sich auf der Außenseite der Ostmole befindet (voller Service, UKW-Kanal 09).

Marbella: der Inbegriff von Strandurlaub

Dass Marbella der Inbegriff für Strandurlaub in Südspanien ist, liegt nicht nur an jenen, die in früheren Zeiten kamen, um tagsüber in der Sonne statt in Bewunderung zu baden und um sich abends von den täglichen Lasten weltweiter Berühmtheit zu erholen (auf rauschenden Partys, versteht sich). Die illustre Liste ist lang: Brigitte Bardot und Gina Lollobrigida sind darauf ebenso zu finden wie Richard Burton und Sean Connery – wobei letzterer die Abgeschiedenheit seiner Finca Malibú bevorzugt haben soll.

Feiern kann man in Marbella auch heute noch. Mindestens ebenso wichtig sind jedoch die 27 Strandkilometer des Stadtgebiets, gesäumt von Golfplätzen, Hotels, Ferienanlagen.

Gleich zwei Yachthäfen stehen zur Auswahl: Marbella selbst mit dem Puerto Deportivo (400 Liegeplätze bis 20 Meter Länge, davon etwa 100 für Gäste, zum anderen der knapp drei Seemeilen weiter westlich liegende, größere und noblere Puerto Banús (rund 900 Liegeplätze bis maximal 50 Meter Länge). Die Anmeldung erfolgt jeweils über UKW-Kanal 09, voller Service ist vorhanden. Auch nach einer Bar für den Drink nach dem Anlegen muss man in beiden Häfen nicht lange suchen – wobei der „Martini-Faktor“ in Puerto Banús etwas höher sein dürfte …

Über Estepona und Sotogrande nach Gibraltar

Der nächste Etappenort ist Estepona. Der Urlaubsort liegt zu Füßen der bis zu eintausend Meter hohen Sierra Bermeja, beliebt für Gebirgswanderungen, die bei klarer Sicht spektakuläre Aussichten über die Küstenebene ermöglichen. Der nach Süden ebenfalls von Molen eingefasste Yachthafen von Estepona befindet sich im westlichen Teil des Ortes, gleich westlich des Leuchtturmes an der Punta Doncella.

Die Zuweisung der Gästeplätze erfolgt über UKW-Kanal 09, insgesamt verfügt der Hafen über 450 Liegeplätze bis zu maximal 35 Meter Bootslänge. Service und Tankstelle sind vorhanden, direkt am Hafen liegen zudem zahlreiche Tapasbars. Der Weg in die Altstadt (mit weiteren Restaurants) führt entlang des Paseo Marítimo, der Uferpromenade, oder parallel über den Hausstrand Playa de la Rada und beträgt rund einen Kilometer.

Sehenswert: das Orquidario Estepona, ein moderner botanischer Garten, der auf Orchideen spezialisiert ist. 1300 Arten aller Größen sind zu bewundern, von denen mehr als 100 zu jeder Zeit blühen.

Der letzte spanische Hafen – auch für Sportboote – vor Gibraltar und damit auch der westlichste der Costa del Sol, ist die Marina Sotogrande. Sie ist Teil einer Ferienanlage, die ihrerseits umgeben ist von Feldern und weiteren Urlaubssiedlungen. Insgesamt stehen knapp 1400 Liegeplätze (von 8 bis 70 Meter Länge) zur Verfügung, die meisten im vorderen Hafenbecken. Die Zuweisung für Gäste erfolgt durch die Hafenmeisterei im markanten Turm gleich an der Einfahrt (UKW-Kanal 09). Volle Service-Einrichtungen, Tankstelle, Versorgung und Restaurants auf dem Gelände.

Der breite Sandstrand von Torreguadiaro schließt direkt im Norden an und hat nicht nur aufgrund seiner Ausdehnung und der beiden Beach Bars ein wilderes Feeling, als man es von den größeren Touristenorten entlang der Küste gewohnt ist. Von den steinernen Molenköpfen scheint the rock bereits in greifbarer Nähe: Rund zehn Seemeilen beträgt die Distanz von hier noch bis zum Felsen von Gibraltar.

Der Felsen dient seit der Antike als wichtigste Landmarke des Mittelmeers: 426 Meter ragt der Kalksteinfelsen aus dem Mittelmeer auf. So bildet er seine eigene Halbinsel – und zu großen Teilen das sehr überschaubare Territorium des britischen Überseegebietes gleichen Namens: Gibraltar.

Der Union Jack weht hier seit 1713, auch wenn von Old England im Stadtbild nicht mehr allzu viel auszumachen ist. Was allerdings nicht bedeutet, dass man im Top Rock Café gleich an der Bergstation der Seilbahn (unter den neidischen Blicken der Berberaffen, die draußen bleiben müssen) keine ordentliche Portion Fish and Chips bekäme. Im Gegenteil: Die schmeckt fast so gut wie in Portsmouth.

Weitere Informationen zu Gibraltar finden Sie hier in Kürze.


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Christian Tiedt

Christian Tiedt

Ressortleiter Reise

Christian Tiedt wurde in Hamburg geboren, blieb lange aber ohne direkten Zugang zum Wassersport. Nach der Berufsausbildung bot das Studium dann endlich die Gelegenheit, auf dem Wasser aktiv zu werden – und die entsprechenden Führerscheine zu machen. Zuerst beim Fahrtensegeln und dann, mit dem Einstieg bei BOOTE im Jahr 2004, auch mit Motorbooten aller Art. Christian konnte inzwischen fast ganz Europa (und einige weiter entfernte Destinationen) auf eigenem Kiel kennenlernen und teilt seine Erlebnisse und Erfahrungen für die YACHT und BOOTE am liebsten in Törnreportagen.

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