Die schwedischen Klimaforscher um Zhi-Bo Li haben bewusst die bisher wenig beachteten Übergangsjahreszeiten Frühling und Herbst untersucht. Während sich die meisten Klimastudien auf Winter- und Sommerstürme konzentrieren, zeigt die neue Analyse: Gerade im Frühling und Herbst haben sich die Sturmmuster besonders deutlich verändert. „Ein Sturm, der so stark und langlebig ist wie Dave, war im April früher eher selten. Heute beobachten wir solche Stürme häufiger, und sie legen größere Distanzen zurück“, erklärt Zhi-Bo Li in einer Pressemitteilung. Früher lösten sich viele Stürme über den Britischen Inseln auf, heute ziehen sie bis nach Skandinavien weiter.
Der am 2. April 2026 vom britischen Met Office benannte Sturm DAVE könnte eine Folge der in der Studie beschriebenen Veränderungen sein. Mit Windböen von bis zu 145 km/h fegte er über die schottischen Küsten, löste vor Dänemark elf Meter hohe Wellen aus und verursachte massive Verkehrsbehinderungen in ganz Nordeuropa. Der Sturm zog von Irland über Schottland in die Nordsee und traf anschließend Westnorwegen mit voller Wucht – eine Zugbahn, die laut den Forschern aus Göteborg in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kaum vorkam.
Die Veränderungen verlaufen nicht einheitlich, sondern zeigen deutliche regionale und saisonale Muster. In der Arktis nördlich des 65. Breitengrades werden Frühlingsstürme stärker, dauern länger und legen weitere Strecken zurück. Über dem Nordatlantik bilden sich mehr Stürme im Frühjahr als zuvor, während im Nordpazifik die Herbststürme an Intensität gewonnen haben und länger andauern. Diese regionalen Unterschiede machen deutlich, dass der Klimawandel die Sturmsysteme auf komplexe Weise beeinflusst – je nach Ozean und Jahreszeit mit unterschiedlichen Auswirkungen.
Als einen möglichen Faktor für die Zunahme der Stürme identifizieren die Forscher den Rückgang des arktischen Meereises. Offenes Wasser kann mehr Wärme und Feuchtigkeit an die Atmosphäre abgeben als eine Eisschicht. Das schrumpfende Meereis bedeutet zudem, dass Stürme neue Wege über die arktischen Ozeane nehmen können, die früher durch Eis blockiert waren. Diese Veränderungen in den oberen Breiten könnten sich auf die Zugbahnen der Tiefdruckgebiete auswirken, die für das Wettergeschehen in Europa entscheidend sind.
Für Wassersportler in nordeuropäischen Gewässern bedeuten die Erkenntnisse: Stürme zu Saisonbeginn könnten in Zukunft häufiger und intensiver ausfallen als in der Vergangenheit. Die traditionelle "Schonzeit" im Frühjahr, in der Stürme seltener waren, scheint sich zu verändern. Wer Ostertörns oder Frühjahrspassagen plant, sollte Wettervorhersagen besonders aufmerksam verfolgen. Die Forschungsarbeit wurde im Journal of Geophysical Research: Atmospheres unter dem Titel "All-Season Analysis of Extratropical and Arctic Cyclones Over the Northern Hemisphere Oceans During 1940–2024" veröffentlicht.
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