Studie aus SchwedenFrühjahrsstürme über dem Nordatlantik nehmen zu

Hauke Schmidt

 · 11.06.2026

Studie aus Schweden: Frühjahrsstürme über dem Nordatlantik nehmen zuFoto: dpa/pa
Sturmtief Dave traf die Nordküste Jütlands im April 2026 mit voller Wucht. Derartige heftige Stürme sind in dieser Jahreszeit ein immer häufiger auftretendes Phänomen.
Forscher der Universität Göteborg haben historische Wetterdaten von 1940 bis 2024 analysiert und dabei festgestellt: Frühlingsstürme treten häufiger auf, halten länger an und legen größere Strecken zurück. Ein Beispiel dafür könnte der Sturm Dave sein, der am Osterwochenende 2026 über Nordeuropa zog und vor Dänemark Wellen von bis zu elf Metern Höhe auslöste.

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Die schwedischen Klimaforscher um Zhi-Bo Li haben bewusst die bisher wenig beachteten Übergangsjahreszeiten Frühling und Herbst untersucht. Während sich die meisten Klimastudien auf Winter- und Sommerstürme konzentrieren, zeigt die neue Analyse: Gerade im Frühling und Herbst haben sich die Sturmmuster besonders deutlich verändert. „Ein Sturm, der so stark und langlebig ist wie Dave, war im April früher eher selten. Heute beobachten wir solche Stürme häufiger, und sie legen größere Distanzen zurück“, erklärt Zhi-Bo Li in einer Pressemitteilung. Früher lösten sich viele Stürme über den Britischen Inseln auf, heute ziehen sie bis nach Skandinavien weiter.

Frühjahrssturm Dave ein aktuelles Beispiel

Der am 2. April 2026 vom britischen Met Office benannte Sturm DAVE könnte eine Folge der in der Studie beschriebenen Veränderungen sein. Mit Windböen von bis zu 145 km/h fegte er über die schottischen Küsten, löste vor Dänemark elf Meter hohe Wellen aus und verursachte massive Verkehrsbehinderungen in ganz Nordeuropa. Der Sturm zog von Irland über Schottland in die Nordsee und traf anschließend Westnorwegen mit voller Wucht – eine Zugbahn, die laut den Forschern aus Göteborg in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kaum vorkam.

Regionale Unterschiede je nach Jahreszeit

Die Veränderungen verlaufen nicht einheitlich, sondern zeigen deutliche regionale und saisonale Muster. In der Arktis nördlich des 65. Breitengrades werden Frühlingsstürme stärker, dauern länger und legen weitere Strecken zurück. Über dem Nordatlantik bilden sich mehr Stürme im Frühjahr als zuvor, während im Nordpazifik die Herbststürme an Intensität gewonnen haben und länger andauern. Diese regionalen Unterschiede machen deutlich, dass der Klimawandel die Sturmsysteme auf komplexe Weise beeinflusst – je nach Ozean und Jahreszeit mit unterschiedlichen Auswirkungen.

Meereis spielt eine Rolle

Als einen möglichen Faktor für die Zunahme der Stürme identifizieren die Forscher den Rückgang des arktischen Meereises. Offenes Wasser kann mehr Wärme und Feuchtigkeit an die Atmosphäre abgeben als eine Eisschicht. Das schrumpfende Meereis bedeutet zudem, dass Stürme neue Wege über die arktischen Ozeane nehmen können, die früher durch Eis blockiert waren. Diese Veränderungen in den oberen Breiten könnten sich auf die Zugbahnen der Tiefdruckgebiete auswirken, die für das Wettergeschehen in Europa entscheidend sind.

Überführungen sind gefährdet

Für Wassersportler in nordeuropäischen Gewässern bedeuten die Erkenntnisse: Stürme zu Saisonbeginn könnten in Zukunft häufiger und intensiver ausfallen als in der Vergangenheit. Die traditionelle "Schonzeit" im Frühjahr, in der Stürme seltener waren, scheint sich zu verändern. Wer Ostertörns oder Frühjahrspassagen plant, sollte Wettervorhersagen besonders aufmerksam verfolgen. Die Forschungsarbeit wurde im Journal of Geophysical Research: Atmospheres unter dem Titel "All-Season Analysis of Extratropical and Arctic Cyclones Over the Northern Hemisphere Oceans During 1940–2024" veröffentlicht.


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Redakteur Test & Technik

Hauke Schmidt zog bereits im Opti-Alter an die Küste und wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf. Seit 2006 ist der Diplom Ozeanograf als Redakteur im Ressort Test & Technik tätig. Zu den Kernaufgaben gehören Ausrüstungs- und Bootstest, aber auch Praxisthemen rund um Elektronik, Seemannschaft und Refit. Als leidenschaftlicher Selbermacher verbringt er die Sommer am liebsten mit seiner Familie auf dem Wasser und die Winter mit Arbeiten am Boot.

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