Untersuchung an Ostsee und SchleiVibrionen in fast allen Proben

BOOTE

 · 31.05.2026

Untersuchung an Ostsee und Schlei: Vibrionen in fast allen ProbenFoto: YACHT/M. Kreplin
Im Sommer von Bord aus zu Baden gehört für viele Wassersportler zum größten Vergnügen. Manch einer hat jedoch Angst vor einer Infektion durch Vibrionen in der Ostsee.
​Das Gesundheitsministerium Schleswig-Holstein hat 2025 Wasserproben aus 36 Badegewässern entlang der Ostseeküste sowie in der Schlei analysieren lassen. Dabei wurden Bakterien in allen Proben nachgewiesen, die gemessenen Konzentrationen lagen jedoch größtenteils im erwarteten Bereich. Für Wassersportlerinnen und Wassersportler mit Vorerkrankungen kann dies dennoch ein erhöhtes Gesundheitsrisiko darstellen.

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Ziel der Untersuchung war es, aktuelle Kenntnisse über das Vorkommen von Vibrionen zu erhalten. Laut dem Landesamt für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern sind in allen 72 Proben Vibrionen nachgewiesen worden – auch die Küsten von Schleswig-Holstein und Polen seien betroffen. Für die meisten Badegäste und Wassersportler besteht jedoch kein Grund zur Sorge. Infektionen mit Vibrionen sind zwar gefährlich, aber sehr selten. Risikogruppen sollten allerdings vorsichtig sein.

Flächendeckende Verbreitung – geringe Konzentrationen

An 36 Badegewässern, die geographisch gleichmäßig an der Ostseeküste verteilt waren - inklusive der Schlei, ohne Fehmarn - wurde jeweils eine Probe im Juli und August genommen. Die Proben wurden auf die drei potentiell humanpathogenen Vibrionenarten Vibrio parahaemolyticus, Vibrio vulnificus und Vibrio cholerae untersucht.

Die Ergebnisse liegen fast vollständig im Bereich von zu erwartenden beziehungsweise leicht erhöhten Konzentrationen (1 bis 100 KBE/ml). In den insgesamt 72 Proben war in nur zwei Proben eine erhöhte Vibrionen-Konzentration (über 100 KBE/ml) festzustellen. KBE steht für koloniebildende Einheiten – ein Maß für die Bakteriendichte im Wasser.

In der Schlei traten Vibrionen häufiger und in höheren Konzentrationen auf als in der Kieler Förde. In der Außenschlei wurde vor allem Vibrio parahaemolyticus nachgewiesen, im mittleren Teil der Schlei gab es vermehrt Befunde von Vibrio vulnificus, während man in der Inneren Schlei schwerpunktmäßig Vibrio cholerae nachweisen konnte. Die Verteilung der Arten ist demnach von der Leitfähigkeit - und damit vom Salzgehalt - des Wassers abhängig.

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Was Vibrionen gefährlich macht

Vier potentiell gesundheitsschädliche nicht-Cholera-Vibrionen kommen in der Ostsee und nahen Brackwasser-Gewässern wie der Schlei oder der Kieler Förde vor: Vibrio vulnificus, Vibrio parahaemolyticus, Vibrio alginolyticus, Vibrio cholerae non-O1/non-O139. Vibrionen gehören grundsätzlich zur natürlichen Bakterienflora der Ostsee. Sie sind kommaförmig und vertragen nicht viel Salz: maximal um die 2,5 Prozent.

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Steigen die Temperaturen von salzhaltigem Meer- und Brackwasser in den Sommermonaten auf 20 Grad und mehr, herrschen ideale Bedingungen für eine Ausbreitung der stäbchenförmigen Bakterien. Auch wenn die Wassertemperaturen wieder unter 20 Grad sinken, kann die Bakteriendichte im betroffenen Gewässer noch über Wochen erhöht bleiben.

Für Badende können die Erreger gesundheitsgefährdend werden, wenn sie durch Hautverletzungen in den Körper gelangen. In den menschlichen Organismus gelangen sie über Verletzungen der Haut – ein blutig gekratzter Mückenstich kann dafür schon ausreichen.

Risikogruppen besonders gefährdet

Immunsupprimierte sowie chronisch erkrankte Menschen haben ein deutlich erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe. Gefährlich sind die Bakterien vor allem für Ältere und Immungeschwächte. Auch Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus, Lebererkrankungen, Krebserkrankungen sowie schweren Herzerkrankungen tragen ein erhöhtes Risiko, sich zu infizieren und schwer zu erkranken.

Seit 2003 sind in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 95 Infektionen gemeldet worden, 14 Menschen starben, 13 von ihnen hatten relevante Vorerkrankungen. Die Fälle traten vor allem in den wärmeren Sommern 2003, 2006, 2010, 2018 und 2019 auf. Seit der Meldepflicht liegt die Fallzahl bislang zwischen 13 (2020) und 53 (2022).

Symptome ernst nehmen

Ein auffälliges Symptom sind ungewöhnlich starke Schmerzen, auch bei kleinen Wunden. In solchen Fällen sollte schnell ein Arzt aufgesucht werden. Wenn also nach dem Baden in der Ostsee eine zunehmende Rötung an der Haut auftritt, sollten Sie sofort eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen, Wichtig: Unbedingt den Kontakt mit Meerwasser erwähnen.

In gesunden Menschen kann eine Vibrio-Infektion bei früher Erkennung leicht kontrolliert werden. In den meisten Fällen kann die Infektion schnell mit Antibiotika unter Kontrolle gebracht werden.

Tipps für Wassersportler

Es wird empfohlen, bei kleinen offenen Wunden ein wasserfestes Pflaster zu benutzen. Wasserfeste Pflaster sind überall erhältlich. Auch Menschen, die eine Operation hinter sich haben, sollten nach dem Rat der Ärzte zwei Wochen lang nicht in belasteten Gewässern baden gehen.

Menschen mit chronischen Vorerkrankungen und größeren offenen Wunden wird empfohlen auf Baden oder Wasserwaten in der Ostsee zu verzichten. Weiterhin wird empfohlen Meerestiere nicht roh zu verzehren. Badeverbote aufgrund der Gefahr von Vibriosen gelten als nicht sinnvoll, da die Bakterien überall vorkommen. Auch gibt es keinen Schwellenwert, ab dem eine Infektion wahrscheinlich wird.

Sehr geringes Risiko

Vibrio-Infektionen stellen derzeit ein sehr geringes Risiko für gesunde Menschen dar. Verglichen mit den häufigsten Todesursachen, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs, sowie Verkehrsunfällen und Suiziden, ist das Risiko durch Vibrionen vernachlässigbar.


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