Gerade zum Ende der Wassersportsaison lohnt sich ein genauer Blick auf das eigene Revier. Müll häuft sich im Wasser dort, wohin ihn Wind und Strömung treiben: unter Stegen, an Schilfkanten, hinter Ufermauern oder in Bereichen, die bei Niedrigwasser trockenfallen.
Verpackungen, Folien, Schnüre und Kunststoffteile gelangen leicht ins Wasser und werden dort zur Gefahr für Tierwelt und Ökosysteme. Was sich über die vergangenen Monate angesammelt hat, lässt sich oft mit überschaubarem Aufwand entfernen. Bei Sammelaktionen wird sichtbar, was viele einzelne Hände gemeinsam bewirken können.
Wie viel Müll selbst an abgeschiedenenen Orten zusammenkommen kann, zeigt eine aktuelle Aktion im Rahmen des World Cleanup Days auf der von Menschen unbewohnten Nordseeinsel Mellum. Dort waren 27 freiwillige Helfer einen Tag lang unterwegs und sammelten rund 15 Kubikmeter angespülten Müll. Darunter waren unter anderem Plastik- und Glasflaschen, alte Fischfangnetze und ein Lederfußball. Der Müll wurde anschließend mit einem Landungsboot des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) abgeholt und entsorgt.
Der World Cleanup Day macht solche lokalen Aktionen weltweit sichtbar und will Menschen zum eigenen Engagement bewegen. Wer rund um den 20. September bei einer organisierten Aktion mitmachen möchte, findet deutschlandweit Termine auf der Aktionskarte des World Cleanup Day. Dort können auch eigene Sammelaktionen angemeldet werden.
Eine organisierte Großaktion ist nicht der einzige Weg, sich einzubringen. Auch eine Vereinsgruppe, eine Crew oder Einzelne können ihr Revier von Müll befreien.
Wer eine eigene Aktion plant, sollte:
Wichtiger Sicherheitshinweis: Im Wasser oder an Spülsäumen ist besondere Vorsicht geboten. Scharfe Metallteile, Kanister mit unbekanntem Inhalt oder verdächtige Gegenstände gehören nicht in den normalen Müllsack, sondern müssen umgehend der Hafenverwaltung, der Kommune oder der Feuerwehr gemeldet werden.
Für Sportbootfahrer beginnt die Vermeidung von Müll in der Natur schon an Bord. Eine kräftige Böe reicht aus, um lose Gegenstände aus dem Cockpit oder vom Vorschiff wehen. Ein verschließbarer Abfallbehälter verhindert, dass Verpackungen, Tücher oder Kunststoffteile über Bord gehen.
Besondere Aufmerksamkeit verdient der Müll, der bei Arbeiten am Boot entsteht. Beim Schleifen von Antifouling entstehen giftige Biozid- und Mikroplastikpartikel. Der Abrieb sollte deshalb mit einer Absaugung direkt am Schleifgerät sowie durch untergelegte Planen oder Vliese aufgefangen und fachgerecht entsorgt werden, statt ins Hafenbecken zu gelangen. Auch Farbreste, ölverschmutzte Tücher, Filter und andere Betriebsstoffe gehören nicht in den normalen Hafenmüll. Welche Entsorgungsmöglichkeiten es gibt, unterscheidet sich je nach Hafen. Im Zweifel sollte die Hafenverwaltung vor Beginn der Arbeiten gefragt werden.
Auch beim Proviant lässt sich Müll vermeiden. Wer Lebensmittel bereits an Land aus unnötigen Umverpackungen nimmt und sie dort direkt entsorgt, reduziert das Abfallvolumen an Bord. Wiederverwendbare Behälter und Mehrwegboxen ersetzen weitere Einwegverpackungen. Besonders auf längeren Törns lohnt sich zudem eine konsequente Mülltrennung, damit Wertstoffe später an Land richtig recycelt werden können.
Über den World Cleanup Day hinaus entsteht der eigentliche Effekt im Alltag. Es braucht meist nicht mehr als eine einfache Routine: aufmerksam unterwegs sein und Abfall aufheben, sobald er auffällt. Ein kleiner Beutel im Rucksack oder in der Jackentasche reicht für diese Gelegenheiten oft aus.
Mit geschärftem Blick wird sichtbar, wie viel Unrat an Wegesrändern, Stränden und in Hafenbecken verbleibt. Aus dem sporadischen Aufsammeln entwickelt sich so ein geschulter Blick für die eigene Umgebung, und jedes entnommene Teil verhindert, dass Plastik weiter in die Gewässer getrieben wird.
Einfach segeln von Wilfried Krusekopf fragt, ob Fahrtensegler wirklich die neueste Technik und maximale Ausstattung brauchen, um gut und sicher zu segeln. Das Buch behandelt unter anderem Müllvermeidung an Bord, den Einsatz umweltfreundlicher Materialien und die längere Nutzung von Bordausrüstung. Ein pragmatischer Blick auf das, was beim Segeln tatsächlich zählt.
Habt ihr für den World Cleanup Day eine Sammelaktion geplant, oder macht ihr das mit eurer Crew lieber unabhängig vom Aktionstag?

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